[WestG] [AKT] In Kamen weist eine Bild- und Schrifttafel auf eine germanische Siedlung hin
Pawlitta, Pascal
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Do Nov 6 09:24:12 CET 2014
Von: "Karl-Heinz Stoltefuß" <k-h.stoltefuss at t-online.de>
Datum: 04.11.2014, 18:01
AKTUELL
Bild- und Schrifttafel weist auf eine germanische Siedlung hin
Im Kamener Stadtteil Heeren-Werve macht eine große Bild- und Schrifttafel nun die Öffentlichkeit auf das Bodendenkmal "Turmacker" aufmerksam. Mit Unterstützung von Sponsoren wurde die große Tafel von den Ortsheimatpflegern Andrea Woter und Karl-Heinz Stoltefuß aufgestellt. Auf dem Platz, der den Flurnamen "Turmacker" trägt, wurden seit 1999 durch Untersuchung der Oberfläche bedeutende Funde gemacht. Das Fundspektrum beinhaltet neben Scherbenfunden, Glas- und verschiedenen Metallresten (Blei, Bronze, Silber), vor allem Münzen aus der Römischen Kaiserzeit und dem Frühen und Hohen Mittelalter. Insbesondere die römischen Münzfunde und verschiedene Halbfertigfabrikate vermitteln den Eindruck eines reichen Fundortes mit einer wohl vor Ort betriebenen einheimischen Produktionsstätte. Die Fundstücke aus anderer Provenienz weisen auf eine rege Handelstätigkeit der Bewohner hin. Man lebte nicht allein von der bäuerlichen Selbstversorgung, sondern es wurde offenbar auch Buntmetall- bzw. Edelmetallverarbeitung betrieben, was die Anwesenheit spezialisierter Handwerker voraussetzt.
In der Römischen Kaiserzeit (1.- 4. Jh. n.Chr.) bestand hier ein Siedlungsplatz, dessen germanische Bewohner einen gewissen Anteil am gehobenen Lebensstil der damaligen Zeit hatten und römische Luxusgüter aus den weit entfernten Provinzen am Rhein beschaffen konnten. Dies wird u.a. dokumentiert durch Scherben germanischer Tongefäße, durch das Fragment einer germanischen Armbrustfibel aus Silber, durch neun römische Münzen, davon drei Denare aus Silber, durch einen römischen Riemenbeschlag für ein Pferdegeschirr und durch römische Feinkeramik u.a. rotglänzende terra sigillata und schwarze terra nigra. Nicht so reichhaltig sind die Funde aus der Völkerwanderungszeit. Die Funde sind spärlich und geben keine klare Auskunft. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass dieser Raum mit seinen ertragreichen Böden und der Nähe zum wichtigen Verkehrsweg Hellweg nicht siedlungsleer geworden ist. Eine einheimische Restbevölkerung wird im Land verblieben sein. Die Nutzung des Turmackers im Frühen und Hohen Mittelalter wird durch eine Anzahl Gefäßscherben belegt, die aus Töpferzentren des Rheinischen Vorgebirges (Köln-Bonner-Raum) stammen. Sie gehören zur Badorfer bzw. Pingsdorfer Machart. Als Hinweis auf das frühe Christentum im Hellwegraum ist eine Doppelheiligenfibel zu werten, die aus dem 9./10. Jh. n.Chr. stammt. Diese Fibel hat Seltenheitswert, weil europaweit nur einige wenige Stücke gefunden wurden.
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