[WestG] [KONF] Tagung des LWL-Instituts für Westfaelische Regionalgeschichte: Die vielen Gesichter des Konsums 1850-2000, Muenster, 29.-30.11.2013
Pawlitta, Pascal
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mo Nov 4 14:58:46 CET 2013
Von: "Michael Prinz" <michael.h.prinz at gmail.com>
Datum: 04.11.2013, 11:59
KONFERENZ
Tagung des LWL-Instituts für Westfälische Regionalgeschichte:
Die vielen Gesichter des Konsums 1850-2000
Münster, 29.-30.11.2013
Landeshaus Westfalen-Lippe
Kaum etwas bestimmt unseren Alltag so nachhaltig wie die Ausbreitung der Konsumgesellschaft. Sie prägt unsere Gewohnheiten, die gebaute Umwelt, motiviert zum Mitmachen, reizt zu Widerspruch und Kritik. Selbst an den politischen Umbrüchen der 1990er Jahre hatte sie großen Anteil. Längst sind auch die Historiker dem Konsum auf der Spur. Die für die Geschichtswissenschaft typische lange Perspektive leistete einen Beitrag, aktuellen Diskussionen größere Tiefenschärfe zu verleihen. Erst im historischen Spiegel verflüssigen sich vermeintliche Zwänge zu zurechenbaren Entscheidungen und bewussten Prioritätensetzungen.
Die thematische Konjunktur des Konsums als Gegenstand der Geschichtswissenschaft hat darüber hinaus Impulse gegeben, Eckpfeiler des überlieferten Geschichtsbildes auf ihre weitere Tragfähigkeit hin zu überprüfen. Um solche Korrekturvorschläge und ihre Plausibilität soll es bei der geplanten Veranstaltung gehen.
1. Neue Untersuchungen legen es nahe, den Durchbruch der Konsumgesellschaft nicht erst in den 1950er Jahren, sondern sehr viel früher, in der Zeit um die Jahrhundertwende zu verorten. Was spricht dafür, was dagegen?
2. Eine große Distanz zu allen Erscheinungen der Kommerzialisierung galt als Kennzeichen der Wilhelminischen Gesellschaft und als ein lange nachwirkendes Erbteil dieser Epoche. Diese Annahme wird inzwischen in Frage gestellt.
3. Ähnliches gilt für die gesamte Zwischenkriegszeit. Auch hier macht die neuere Forschung hinter die Einstufung der Zwischenkriegszeit als Epoche annähernder Stagnation bei der Ausbreitung des modernen Konsums große Fragezeichen. Zu diskutieren wäre in diesem Zusammenhang auch, wieweit es überhaupt zulässig erscheint, diese Zeit an aktuellen Maßstäben zu messen.
4. Die neue Forschung rückt mittlerweile von einer populären, lange Zeit beherrschenden Leitvorstellung ab, nämlich der Annahme, dass es in erster Linie die USA waren, welche den Deutschen den Weg zu einer Massenkonsumgesellschaft gewiesen hätten, und dass dieser Weg nahezu alternativlos sei. Worin liegen die Grenzen, worin vielleicht auch ein weiterbestehender Nutzen der sog. "Amerikanisierungsthese"?
5. In neueren wissenschaftlichen Debatten innerhalb der Sozialwissenschaften wie auch der Raum- und Städteplanung begegnet man inzwischen häufiger Stimmen, die in der europäischen und darunter auch der deutschen Entwicklung zur Konsumgesellschaft eine eigenständige, in mancher Hinsicht vorbildfähige Variante sehen. Wie tragfähig erscheint dieses Urteil vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen?
PROGRAMM
Freitag, den 29.11.2013
Einführung:
10:00-10:15 Begrüßung BERND WALTER
10:15-10:30 Einführung MICHAEL PRINZ
Sektion I Die Entfesselung des Konsums
Moderation HANNES SIEGRIST
10:30-11:00 HEIDRUN HOMBURG, Großbritannien als frühes Vorbild der Konsumgesellschaft
11:00-11:30 Diskussion
11:30-12:00 IRA SPIEKER, Waren - Werte. Konsumgewohnheiten und Kreditverflechtungen im ländlichen Milieu um 1900
12:30-13:00 Diskussion
13:00-14:30 Mittagspause
14:30-15:00 BRITTA STÜCKER, "Was braucht der Mensch?" Kreditierter Konsum, diskreditierende Debatten und Verbraucherschutz in der Bundesrepublik
15:00-15:30 Diskussion
15:30-16:00 Kaffeepause
Sektion II: Der historische Ort der Zwischenkriegszeit
Moderation HEINZ-GERHARD HAUPT
16:00-16:30 CLAUDIUS TORP, Konsum, Krise, Konsens. Die Weimarer Republik als politisierte Konsumgesellschaft
16:30-17:00 Diskussion
17:00-17:30 MICHAEL PRINZ, Weimars doppelte Zukunft. Konsum und wirtschaftlicher Erwartungshorizont 1914-1945
17:30-18:00 Diskussion
18:00-18:30 KARL DITT, Gas und Elektrizität als Konsumgüter. Vom Luxus zur Notwendigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland und England
18:30-19:00 Diskussion
19:30 Abendessen
Samstag, den 30.11.2013
Sektion III. Stadt und Kommerzialisierung - 1945 bis zur Gegenwart
Moderation PAUL NOLTE
09:00-09:30 SABINE KIENITZ, Der Hamburger Fischmarkt. Traditionen im Kommerzialisierungsprozess
09.30-10:00 JAN LOGEMANN, Down and Out of Downtown? Transatlantische Unterschiede in der Entwicklung urbaner Einkaufsräume, 1945-2010
10:00-10.45 Kaffeepause und Diskussion
10:45-11.15 BERND NEUHOFF, Die Fußgängerzone in Lippstadt - eine kritische Betrachtung
11:15-11.45 ANNE-KATRIN EBERT, Befreiende Regulierung oder regulierende Befreier? Die Rückkehr des Fahrrads in der Stadt am Ende des "langen" 20. Jahrhunderts.
11.45-12:15 Diskussion
12:15-12.45 MARCUS TERMEER, Konsum als Sinn des Urbanen(?) - am Beispiel Münsters seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert
12:45-13.15 Diskussion
13.15-13.30 Schlusswort des Veranstalters
13.30 Imbiss im Foyer
INFO
Veranstaltungsort:
Landeshaus Westfalen-Lippe
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte