[WestG] [AKT] Die anderen Koenige: DFG finanziert Projekt eines WWU-Historikers

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Sep 17 11:30:08 CEST 2012


Von: "Pressestelle der WWU Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 13.09.2012, 12:01


AKTUELL

Die anderen Könige
DFG finanziert Projekt eines WWU-Historikers

Im "Schützenkönig" leben sie noch fort, die "anderen" Könige, 
die bis zum Beginn der Neuzeit die französische Gesellschaft 
bevölkerten. Zünfte, Genossenschaften, Spielleute und Herolde, 
Prostituierte und Händler hatten ebenso ihre Könige wie 
Bogenschützen und Adelsgesellschaften. Der münstersche 
Historiker Dr. Torsten Hiltmann von der Universität Münster 
untersucht das Phänomen in einem von der Deutschen 
Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 210.000 Euro unterstützten 
Projekt.

"Früher nahm man an, mit der Bezeichung eines Anführers als 
'König' wolle man sich über den politischen König lustig 
machen", erklärt Torsten Hiltmann sein Projekt. Im 
"Kanevalsprinzen" spiegelt sich dieser Spott noch heute wider. 
Aber, so die vorläufigen Ergebnisse der Historikers, bis zum 
16. Jahrhundert war der Begriff des "Königs" einfach viel 
weiter. Damit wurde einfach die soziale Stellung in einer 
Gruppe definiert, häufig durch eine Wahl für einen gewissen 
Zeitraum, zum Beispiel zur Vorbereitung eines Festes.

Erst danach wurde der Begriff eingegrenzt auf die politische 
Stellung. "Für die Beschäftigung mit dem spätmittelalterlichen 
Königtum, mit den in dieser Zeit geläufigen Vorstellungen von 
Herrschaft und gesellschaftlicher Ordnung wie insgesamt für die 
Auseinandersetzung mit den grundlegenden gesellschaftlichen 
Veränderungsprozessen in dieser so wichtigen Epoche der 
politischen und kulturellen Transformation, bieten die 
'anderen' Könige neue, bisher unbekannte Perspektiven", sagt 
Torsten Hiltmann.

Wie organisierte sich Gesellschaft jenseits der politischen 
Strukturen? Wie wurden beispielsweise Jugendgruppen in die Welt 
der Älteren eingebunden? Und was unterschied Frankreich und 
Deutschland? Eine Frage, die Torsten Hiltmann besonders am 
Herzen liegt, wurde er doch gleichzeitig in Paris und Dresden 
promoviert. "In Deutschland wurde 'König' nur in der 
Rheingegend verwendet", sagt er. In den anderen Teilen wurde 
dagegen der 'Graf' besucht, noch heute als "Deichgraf" 
geläufig. Die Funktionen aber ähnelten sich.



Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte