[WestG] [AKT] Themensonntag im LWL-Museum mit einer Archaeologie-Reise ins oestliche Ruhrgebiet, Herne, 21.10.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Okt 17 10:51:39 CEST 2012


Von: "LWL-Pressestelle> <presse at lwl.org>
Datum: 15.10.2012, 09:00


AKTUELL

Du bist Westfalen!
Themensonntag im LWL-Museum mit einer Archäologie-Reise ins 
östliche Ruhrgebiet

Kohle, Ruß und Staub - neben den gängigen Klischee vom 
östlichen Ruhrgebiet gibt es weit mehr zu entdecken als Zechen 
und Schwerindustrie:. Hier opferten die Germanen ihren Göttern, 
hier fanden merowingische Krieger eine prächtig ausgestattete 
Begräbnisstätte. Hier rüsteten sich die Menschen auch im späten 
Mittelalter im wahrsten Sinne, um Kriege gegen ihre Feinde zu 
führen. Am Sonntag, 21. Oktober, zeigt das LWL-Museum für 
Archäologie in Herne gemeinsam mit Einrichtungen, Museen und 
Vereinen die reiche Vergangenheit dieser oft unterschätzten 
Region Westfalens. Es ist zugleich der letzte eintrittsfreie 
Thementag unter dem Motto "Du bist Westfalen!"

In den Museumsvitrinen in Herne sind dann die Scheinwerfer 
besonders auf die archäologischen Funde aus den östlichen 
Regionen des Ruhrgebiets gerichtet. Darunter sind auch erst 
kürzlich gesicherte Überraschungsfunde, die unmittelbar aus der 
Restaurierungswerkstätten des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe (LWL) kommen und hier zum ersten Mal zu sehen 
sind.

Aber auch bereits länger bekannte Fundplätze werden an diesem 
Thementag eingehend beleuchtet.. Auf der Entdeckungstour durch 
die Heimat wartet jenseits der Vitrinen viel Fachwissen in 
Vorträgen, in museumspädagogischen Angeboten und an 
Informationsständen auf die Besucher.

Römische Weinfässer an der Lippe

Hier finden sich beispielsweise Weinfässer, die von den 
römischen Soldaten jenseits der Eroberung der Lippegebiete 
nicht nur leergetrunken, sondern auch anschließend als Lager- 
und Abfallgefäße umfunktioniert wurden. Die verschiedensten 
Metallfunde zeigen, dass die Germanen im östlichen Ruhrgebiet 
deutlich intensiveren Kontakt mit den Römern hatten, als 
bislang vermutet. Von den Begräbnis-Sitten der ersten Bewohner 
der Region in frühester Vorzeit bis zum prachtvoll 
ausgestatteten Leben in den regionalen Adelshäusern des 
Mittelalters reicht der Querschnitt an diesem Tag. Im 
Mittelpunkt stehen dabei archäologische Funde vom germanischen 
Opferplatz in Castrop-Rauxel, aus der Rüstkammer von Haus 
Herbede in Witten und vom Renaissanceschloss Horst in 
Gelsenkirchen.

In der "Frisch Erforscht"-Vitrine sind erstmals die prächtigen 
Beigaben aus Bergkamen zu sehen, die einem merowingischen 
Krieger in sein Grab gelegt worden sind. Einen Schildbuckel und 
Teile eines wertvollen Gürtels, der filigran mit Mustern aus 
eingelegtem Silber verziert ist, haben die LWL-Archäologen der 
Außenstelle Olpe frisch aus den Restaurierungswerkstätten mit 
nach Herne gebracht. Grabungsleiterin Dr. Eva Cichy berichtet, 
wie sie mit dem Grabungsteam den Aufsehen erregenden Fund 
gemacht hat. Sie steht für neugierige Fragen Rede und Antwort 
und schildert, wie solche Funde dokumentiert und restauriert 
werden.

Delfine an der Emscher

Die Archäologin Dr. Angelika Speckmann berichtet in ihrem 
Vortrag unter einem ganz besonderen Aspekt über die Großgrabung 
in Castrop-Rauxel-Ickern: "Delfine an der Emscher". Stefan 
Leenen holt die Emscherburgen aus der Vergangenheit in die 
Gegenwart und berichtet davon, wie das Leben damals dort aussah.

Außerdem sind von 11 bis 18 Uhr Handwerksvorführungen und 
Spezialführungen vorgesehen. Darüber hinaus sind verschiedene 
Einrichtungen, Vereine und Institutionen zu Gast, um ihre 
Arbeit an Ständen der Stadtarchäologie Dortmund, des Museums 
Adlerturm Dortmund, des Museums Schloss Horst Gelsenkirchen, 
des Emschertalmuseums Herne, der Archäologischen 
Kulturlandschaft Ruhrgebiet e. V., des Fördervereins des 
LWL-Museums für Archäologie oder der Altertumskommission für 
Westfalen vorzustellen.

Das Kriegergrab aus Bergkamen

Warum er in Bergkamen sein Grab gefunden hat, ist noch nicht 
geklärt. Vielleicht war der merowingische Krieger schlicht auf 
der "Durchreise", als ihn der Tod dort ereilt hat, wo heute die 
Autobahn 2 - die wichtigste Ostverbindung des Landes wenn nicht 
gar Europas - die Landschaft prägt und ein neuer Logistikpark 
entsteht. Vielleicht hat es hier aber auch eine Siedlung in der 
Mitte des 7. Jh. gegeben. Es wurden jedenfalls mehrere Gräber 
an dieser Stelle entdeckt. Reiche Beigaben brachte jedoch nur 
das Grab des Kriegers zum Vorschein. Eine Spatha und ein Sax - 
damals gebräuchliche Kriegswaffen - befanden sich ebenso 
darunter wie eine Lanze, ein Schild und ein Pfeilbündel. Es 
muss sich also um einen bedeutenden Mann gehandelt haben, zumal 
die Beigaben reich verziert waren. Wie reich, das zeigte sich 
erst in den Restaurierungswerkstätten der LWL-Archäologie in 
Münster und war eine echte Überraschung.

Rüstkammer von Haus Herbede in Witten

Es ist eines der ältesten Herrenhäuser im mittleren Ruhrtal. Im 
Jahr 1200 wurde Haus Herbede erstmals erwähnt. Hier rüsteten 
sich die Bewohner in beeindruckender Weise, um ihren Stand zu 
behaupten. Das zeigt die einstige Rüstkammer aus dem späten 
Mittelalter. Sie ist bei einem Brand in den Keller des Hauses 
gestürzt. Dabei konnten kuriose und einmalige Rüstungsteile der 
Zeit erhalten bleiben. Auch als das Haus später für die Eisen 
verarbeitende Industrie in einer für die Region typischen Weise 
genutzt wurde - und immer weiter verfiel. Heute ist Haus 
Herbede liebevoll restauriert und eine vielseitige historische 
Erlebnislandschaft.

Der germanische Opferplatz in Castrop-Rauxel

Nicht nur Kohle wurde auf der Zeche Erin gefördert. Hier haben 
bis in die römische Kaiserzeit hinein offenbar auch die 
Germanen einen bedeutenden Opferplatz etabliert, um ihren 
Göttern zu huldigen. Sie haben dabei zahlreiche Kostbarkeiten 
von der Keramik bis zur Waffe im Sumpf versenkt. Was genau 
hinter dieser Handlungsweise steckt, warum ausgerechnet dieser 
Ort dafür ausgesucht wurde, warum hier außerdem ein Handelsort 
vermutet wird - das alles können Besucher beim Themensonntag 
herausfinden.

Das Renaissanceschloss Horst in Gelsenkirchen

Es ist nicht nur der wichtigste Renaissancebau des Ruhrgebietes,
 sondern auch einer der ältesten und bedeutendsten in 
Westfalen. Wie es sich auf der bei einem Brand im Jahr 1554 
schwer beschädigten ehemaligen mittelalterlichen Burg lebte, 
wie der Alltag aussah und mit welchen Kostbarkeiten sich die 
Bewohner umgaben, das zeigen die Vitrinen im Herner Museum. 
Darin sind Beispiele der Bau- und Haushaltsausstattung von 
Schloss Horst zu sehen.

Hintergrundinfo zur Veranstaltungsreihe "Du bist Westfalen!" An 
bislang drei Themensonntagen stellte das Museum aktuelle und 
ältere Funde aus dem Münsterland, aus Ostwestfalen-Lippe und 
aus Südwestfalen in den Mittelpunkt. Der vierte und letzte 
Themensonntag widmet sich voll und ganz dem östlichen 
Ruhrgebiet. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, 
Gesprächen mit den Ausgräbern und Restauratoren, 
Themenführungen und kulinarischen Spezialitäten aus der 
jeweiligen Region runden den "Du bist Westfalen!"-Tag ab. 
Vereine, Museen und Institutionen aus der Region informieren 
über alles, was es zu den Themen "Archäologie" und "Geschichte" 
vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt. Filme, handwerkliche 
und experimentelle Vorführungen warten außerdem auf alle 
Archäologie-Interessierten.


INFO

LWL-Museum für Archäologie
Westfälisches Landesmuseum
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel. 02323 94628-0
URL: http://www.lwl-landesmuseum-herne.de 


Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr,
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr,
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr

Eintritt:
- 5,00 Euro Erwachsene
- 2,00 Euro Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre),
Schülerinnen und Schüler
- 1,60 Euro Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung 
oder museumspädagogischen Programm (2 Begleiter frei)
-11,00 Euro Familien
- 3,00 Euro Ermäßigungsberechtigte
- 4,00 Euro Erwachsene in Gruppen ab 16. Personen


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte