[WestG] [LIT] Frese, Matthias (Hg.): Fragwuerdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mär 9 12:54:29 CET 2012
Von: "Matthias Frese" <matthias.frese at lwl.org>
Datum: 09.03.2012, 12:14
LITERATUR
Matthias Frese (Hg.), Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen als
Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur.
Ardey-Verlag, Münster 2012, 267 S., 19,90 Euro.
Die öffentlichen Diskussionen und politischen
Auseinandersetzungen um die Benennung von Straßen, Plätzen und
öffentlichen Einrichtungen haben in Westfalen unverändert
Hochkonjunktur, so beispielsweise in Telgte, Gütersloh,
Bielefeld oder Münster. Dort kommt die Debatte über die
Umbenennung des Hindenburgplatzes auch nach mehreren
Informationsveranstaltungen und einer Befragung der
Bürgerschaft nicht zur Ruhe. Kontrovers wird auch über die
Umbenennung einzelner Straßen und Einrichtungen gestritten, die
nach lokalen und regionalen Heimatdichtern,
nationalsozialistischen Funktionären, Zuträgern und
Propagandisten des Regimes oder benannt sind. Häufig wird in
diesen Debatten auf die Handlungen und Karrieren vor und nach
der nationalsozialistischen Diktatur verwiesen oder auf die
Kenntnisse der Zeitgenossen bei den solchen Straßenbenennungen,
an denen heute nicht gerüttelt werden dürfte.
Hier können fundierte historische Informationen helfen, die
teilweise sehr emotionalen Debatten zu versachlichen. Die
Beiträge des Sammelbandes „Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen
als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur“
behandeln im ersten Teil zunächst die Benennungspraxis von
Straßen in Westfalen und Lippe seit dem 19. Jahrhundert.
Anschließend beleuchten sie auf breiter Quellengrundlage zum
einen die Verfahren und unterschiedlichen Vorgehensweisen in
den einzelnen westfälischen Städten und Gemeinden während der
NS-Zeit und nach 1945 und stellen die breite Verteilung
belasteter westfälischer Dichterinnen und Dichter auf
Straßennamen vor. Im zweiten Teil werden ausgewählte
‚Grenzfälle‘ thematisiert, deren Leben und Wirken heute
kontrovers beurteilt wird und folglich Straßenumbenennungen
bereits erfolgt sind oder weiterhin diskutiert werden. Die
Beiträge liefern umfassende Informationen zu Werk und
Biographie, stellen bisherige Debatten zu Straßenumbenennungen
vor und sollen damit die lokalen Argumentations- und
Umgangsweisen im Hinblick auf Straßenumbenennungen unterstützen.
Inhaltsverzeichnis:
Bernd Walter, Vorwort
Matthias Frese, Straßennamen als Instrument von
Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Fragestellungen und
Diskussionspunkte
Rainer Pöppinghege, Geschichtspolitik per Stadtplan.
Kontroversen zu historisch-politischen Straßennamen
Marcus Weidner, „Wir beantragen ... unverzüglich umzubenennen“.
Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe im
Nationalsozialismus
Marcus Weidner, „Mördernamen sind keine Straßennamen“. Revision
und Beharrung in der Straßenbenennungspraxis der Nachkriegszeit
– Westfalen und Lippe 1945-1949
Walter Gödden, Belastete Straßennamen. Westfälische Autorinnen
und Autoren in der NS-Zeit
Steffen Stadthaus, Agnes Miegel – fragwürdige Ehrung einer
nationalsozialistischen Dichterin. Eine Rekonstruktion ihres
Wirkens im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit
Karl Ditt, Karl Wagenfeld (1869-1939): Dichter,
Heimatfunktionär, Nationalsozialist?
Steffen Stadthaus, Friedrich Castelle. Ein politischer
Heimatschriftsteller
Hans-Ulrich Thamer, Straßennamen in der öffentlichen
Diskussion: Der Fall Hindenburg
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