[WestG] [AKT] Brief von Augustin Wibbelt entdeckt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jul 17 11:42:38 CEST 2012
Von: "Ursula Koenig-Heuer" <Ursula.Koenig-Heuer at kreis-coesfeld.de>
Datum: 17.07.2012, 08:39
AKTUELL
Brief von Augustin Wibbelt entdeckt
Älteren Generationen dürfte er noch bestens bekannt sein:
Augustin Wibbelt. Denn sein plattdeutsches Gedicht "Dat
Pöggsken" war Jahrzehnte Pflichtlektüre für Volks- bzw.
Grundschüler. In diesem Jahr wäre Wibbelt, der als zentrale
Figur der plattdeutschen Dichtung Westfalens um 1900 gilt, 150
Jahre alt geworden. Geboren am 19. September 1862 in Vorhelm
(heute Kreis Warendorf) und dort auf dem elterlichen Hof
aufgewachsen, war er nach Studien vor allem in Münster als
katholischer Pfarrer in Mehr bei Kleve tätig. Diesen Absender
trägt auch ein 80 Jahre alter Brief Wibbelts, der im
Kreisarchiv Coesfeld aufbewahrt wird.
Sozusagen pünktlich zum 150. Geburtstag Augustin Wibbelts fiel
den Mitarbeitern der Burg Vischering in Lüdinghausen beim Umzug
der Bibliothek ein handgeschriebener Brief des Schriftstellers
und Dichters vom 4. November 1932 in die Hände. Zur adäquaten
Aufbewahrung und archivischen Erschließung gab das Museum und
Kulturzentrum des Kreises Coesfeld das papierne Fundstück in
die Obhut des Kreisarchivs.
Der Adressat des Briefes ist Heinrich Hünten in Essen-Bredeney;
bisher konnte nicht geklärt werden, in welcher Beziehung
Augustin Wibbelt zum Bürobeamten Hünten stand. Es liegt nahe,
dass sich Hünten als Leser der Wochenschrift "Die christliche
Familie" an Wibbelt gewandt hatte, deren Redakteur Augustin
Wibbelt von 1914 bis 1939 war. Wibbelt veröffentlichte darin
jede Woche die Kolumne "Nur ein Viertelstündchen"; vermutlich
wollte Hünten den Pfarrer und Schriftsteller in diesem
Zusammenhang zu einem Kommentar über das Papsttum bewegen.
Wibbelts Zeilen sind die Antwort auf die Äußerung Hüntens über
einen "historischen Roman" des Schriftstellers "Mereskowski":
Hünten hat den nicht genannten Roman als "Wildling" für ein
katholisches Haus bezeichnet, da er durch das Buch offenbar die
katholische Kirche und das Papsttum beschmutzt sieht. Wibbelt
erwidert in seinem Brief, dass ein Roman sich nicht an
historische Fakten und Daten halten müsse, sondern erfinden und
ausmalen dürfe. Zudem benütze der Autor wahrscheinlich
zweifelhafte Quellen, die keiner wissenschaftlichen Prüfung
durch Historiker standhielten. Auch aus der Tatsache, dass es
schlechte Päpste gegeben habe, wie Alexander VI. einer gewesen
sei, solle man keine falschen Schlüsse hinsichtlich des
Papsttums im Allgemeinen ziehen. Man dürfe dabei nicht die
große Zahl der achtenswerten Päpste aus den Augen verlieren.
Ob es sich bei dem besprochenen Buch eventuell um einen
historischen Roman des russischen Schriftstellers Dmitri
Sergejewitsch Mereschkowski handeln könnte, bleibt eine Frage
an die Forschung. Unter der im Brief verwendeten Schreibweise
"Mereskowski" konnte kein Schriftsteller ermittelt werden.
Mereschkowski, der u.a. die Trilogie "Christ und Antichrist" im
Zeitraum von 1896 bis 1905 schrieb, wurde auch in Deutschland
mit seinen Romanen und Novellen bekannt.
Anlässlich des 150. Geburtstages Augustin Wibbelts wird Dr.
Robert Peters, Vorsitzender der Augustin-Wibbelt-Gesellschaft
in Münster, am 25.10.2012 auf der Burg Vischering über Leben
und Werk des westfälischen Dichters referieren. Auch für die
münstersche Gesellschaft, mit der das Kreisarchiv in Kontakt
steht, ist der aufgetauchte Brief eine Überraschung.
INFO
Ursula König-Heuer
Abt. 01- Büro des Landrats
Kreisarchiv
Friedrich-Ebert-Str. 7
48653 Coesfeld
Tel.: (02541) 18-9140
Fax (02541) 18-1097
E-Mail: ursula.koenig-heuer at kreis-coesfeld.de
URL: www.kreis-coesfeld.de
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