[WestG] [AKT] Gruesse aus Rhodos unter dem eigenen Haus in Haltern: Amphore aus der Roemerzeit entdeckt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jul 16 11:14:51 CEST 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.07.2012, 13:55
AKTUELL
Grüße aus Rhodos unter dem eigenen Haus in Haltern:
Amphore aus der Römerzeit entdeckt
Sie war selbst schon einmal auf Rhodos. Dass allerdings das
neue Zuhause von Fenja Maron direkt über einer 2.000 Jahre
alten Amphore von jener Insel entsteht, auf der sie schon
Urlaub gemacht hat, hätte die Elfjährige nie zu träumen gewagt.
Zumal das Haus mitten in Haltern steht und der Anbau gerade
einmal 5,5 mal 7 Meter groß ist. Trotzdem haben die Archäologen
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) dort zahlreiche
Zeugnisse der römischen Vergangenheit entdeckt - auf engstem
Raum.
Die Baustelle liegt mitten im ehemaligen Hauptlager, das die
römischen Soldaten in Haltern aufgebaut haben, um die
germanischen Gebiete entlang der Lippe zu erobern. "Eigentlich
hatten wir mit Fundamentspuren von Lagerbauten gerechnet",
schildert Bettina Tremmel. Sie leitete die
Baustellenbeobachtung. Anstelle von Legionärskasernen und
Lagerbaracken tauchten im Boden unweit vom einstigen Südtor des
Lagers nicht weniger als elf Gruben auf und brachten
interessante Hinweise auf das Alltagsleben der Soldaten.
An dieser Stelle an der Varusstraße hat sich bis heute so
manches erhalten, was römischen Legionären während ihres
Aufenthalts in Haltern zu Bruch gegangen ist. So wurde rot
schimmerndes Tafelgeschirr, die so genannte Terra Sigillata,
ebenso in den Abfall geworfen wie Becher, Krüge und Kochtöpfe
aus Keramik. Vier römische Bronzemünzen landeten dabei wohl
versehentlich in einer Grube. Die Amphore aus Rhodos zeigt,
dass es sich die Soldaten jenseits ihrer anstrengenden Märsche
durch germanisches Feindesland auch gut gehen ließen. In den
Amphoren wurde der in der Antike weit verbreitete süße Wein der
Insel Rhodos bis nach Haltern transportiert. Der Rebensaft war
deshalb so beliebt, weil er relativ wenig kostete und in die
gesamte römische Welt vertrieben wurde. Der berauschende Effekt
war natürlich ebenso ein Kaufargument.
Aber auch einen belgischen Becher, ein weiteres signifikantes
Keramik-Stück aus römischer Zeit, bargen die Archäologen und
die beiden Grabungshelfer aus den Abfall-Gruben. "Interessant
ist aber auch die Tatsache, dass der Boden der fundreichsten
Grube mit einer grauen kompakten Schicht bedeckt war",
schildert Tremmel. Möglicherweise haben die Römer diese Grube
als Latrine und später auch als Abfallgrube genutzt.
Entsprechende Untersuchungen werden diesem Verdacht nachgehen.
Fenja Maron ist jedenfalls extra auf die Baustelle gekommen, um
die spannenden Funde selbst in Augenschein zu nehmen.
Schließlich hat sie in der Schule schon viel von den Römern
gehört und im LWL-Museum in Haltern vieles aus dem Lager und
aus dem Alltag vor über 2000 Jahren gesehen. Ihre Freundinnen
und Klassenkameraden sind ganz neidisch, dass sie selbst mit
der Kelle auf die Suche nach weiteren Fundstücken unter dem
eigenen Haus machen durfte - und demnächst genau dort wohnen
wird, wo die Römer einst Geschichte geschrieben haben.
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