[WestG] [AUS] "Ehre, wem Ehre gebuehrt?! Straßennamen in Muenster", Muenster, 26.01.-16.03.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 30 08:15:57 CET 2012


Von: "Anja Gussek" <gussek at stadt-muenster.de 
Datum: 27.01.2012, 12:34 


AUSSTELLUNG

Begegnung mit elf Namensgebern 
Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?! Straßennamen in Münster" 
in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26. Januar bis 16. März 
2012"

In der Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" über umstrittene 
Straßennamen in Münster begegnen den Besuchern die Namensgeber 
Karl Wilhelm Jötten, Hans Pfitzner, Ludwig Humborg, Franz 
Ludwig, Hermann Stehr, Friedrich Castelle, Karl Wagenfeld, 
Heinrich Lersch, Agnes Miegel, Alfred Stühmer. Hinzu kommt Paul 
von Hindenburg, zu dem eine zusätzliche Infotafel und eine 
Vitrine mit Originalexponaten zum "Tag von Potsdam" vorbereitet 
wurden.

Im Zentrum der Präsentation in der Bürgerhalle des Rathauses 
steht das Verhalten dieser Namenspatrone während des 
Nationalsozialismus. Lebensgroße Personensilhouetten geben 
biographische Informationen und lassen die Personen selbst zu 
Wort kommen. Originale Aussagen und Texte dokumentieren, wie 
Schriftsteller oder Musiker in ihren Texten und Musikstücken 
die nationalsozialistische Ideologie aufgriffen, zeigen Hitler 
und seine Politik verherrlichende Auszüge aus Gedichten, 
Zeitungsbeiträgen oder Reden.

Hans Pfitzner oder Hermann Stehr veröffentlichten mehrfach 
politische Erklärungen, mit denen sie das NS-Regime 
unterstützten. Andere hielten linientreue Vorträge wie Ludwig 
Humborg. Zitate aus privaten Briefen belegen die frühe 
nationalsozialistische Einstellung von Agnes Miegel, zeigen bei 
Heinrich Lersch, dass sein Verhältnis zum Nationalsozialismus 
eher uneindeutig war. Die Rede Hitlers zum 1. Mai 1933 empfand 
Lersch als "phantastisch" und "unvergesslich". Er wollte sich 
jedoch nicht komplett den Stempel der NS-Behörden aufdrücken 
lassen, denn er könne, "so lang er nicht an der Staatskrippe 
frisst, stolzer sein wie irgendein anderer in Deutschland!"

Im Fall Jötten zeigen die Quellen einen ehrgeizigen 
Wissenschaftler, der pseudowissenschaftliche 
Untersuchungsergebnisse zu Zwangssterilisationen zur Sicherung 
der eigenen Karriere veröffentlichte. Alfred Stühmers Andienung 
an den Nationalsozialismus hatte Grenzen; er bezog Stellung zur 
Behandlungspflicht jüdischer Patienten.

Auch das Verhalten der Namensgeber nach 1945 spielt in der 
Ausstellung eine Rolle. Nicht nur Agnes Miegel lehnte eine 
Auseinandersetzung mit ihrer Position in der NS-Zeit ab.

Die Ausstellung bietet auch Antworten auf allgemeine Fragen 
rund um die Straßennamen: Seit wann werden Personen mit 
Straßennamen geehrt? Welche Personengruppen wurden und werden 
seit 1870 bevorzugt mit einem Straßennamen bedacht?

"Ehre, wem Ehre gebührt?!" ist vom 26. Januar bis 16. März 
täglich geöffnet: Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, 
Samstag/Sonntag 10-16 Uhr; sonntags wird um 14 Uhr eine 
öffentliche Führung angeboten; montags ist die Ausstellung 
ausschließlich für Gruppen nach Voranmeldung geöffnet.

In der Ausstellung stehen Ansprechpartnerinnen und 
Ansprechpartner zur Verfügung. Schulklassen und andere 
interessierte Gruppen können sich für kostenfreie Führungen 
beim Geschichtsort Villa ten Hompel anmelden (E-Mail 
strassennamen at stadt-muenster.de).

 
INFO


Weitere Informationen und Termine unter
URL: www.muenster.de/stadt/strassennamen 

Kontakt:
48127 Münster
URL: www.muenster.de/stadt/archiv


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