[WestG] [AKT] LWL-Archaeologen erforschen die Befestigungsanlagen in Lippstadt

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jan 24 11:31:20 CET 2012


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.01.2012, 09:01


AKTUELL

Nachdem die Soldaten Friedrichs des Großen die Stadt verließen
LWL-Archäologen erforschen die Befestigungsanlagen in Lippstadt

Neue Erkenntnisse über Lippstadt in der Zeit nach dem 
Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763): "Die Befestigungsanlagen 
von Lippstadt wurden kurz nach dem Ende des Siebenjährigen 
Krieges aufgegeben", fasst Dr. Stefan Eismann, Archäologe beim 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), den bisherigen Stand 
der Grabungen zusammen. Auch die genaue Position des alten 
Südertores aus dem 17. Jahrhundert. sei nun bekannt - bislang 
gab es nur eine ungenaue Vorstellung des Standortes aus alten 
Karten. "Das Tor haben wir etwas weiter südwestlich gefunden, 
als es bisher vermutet wurde", weiß Eismann.

Mehr als 200 Jahre Stadtgeschichte legten die LWL-Archäologen 
inzwischen auf einer Fläche von knapp 800 Quadratmetern in 
Lippstadt frei: Seit Dezember vergangenen Jahres gräbt Eismann 
mit seinem Team im Zuge der aktuellen Bauarbeiten an einer 
neuen Unterführung des Bahnüberganges am Südertor.

Wie die Archäologen nun nachweisen können, wurde das im Jahr 
1669 erbaute Südertor nach Ende des Siebenjährigen Krieges 
ebenso aufgegeben wie der angrenzende Wehrgraben, der 
ursprünglich bis an eine dreieckige, vorgelagerte Bastion (ein 
sogenannter Ravelin) reichte. Während das Südertor am Ende des 
18. Jahrhunderts als Steinbruch für neue Bauvorhaben diente, 
wurde der Wehrgraben um das Jahr 1766 zugeschüttet und die 
Brücke, die einst über den Graben führte, abgerissen. Um das an 
dieser Stelle extrem feucht gebliebene Erdreich überhaupt 
begehen zu können, bauten die Lippstädter einen mit 
Holzknüppeln gepflasterten Damm.

Stefan Eismann kennt die Gründe für diese Maßnahmen: "Nach dem 
Ende des Siebenjährigen Krieges gab Friedrich der Große Befehl, 
die kosten- und personalintensiven Befestigungsanlagen 
aufzugeben - die Folgen dieses Befehls für Lippstadt haben wir 
in unserer aktuellen Grabungskampagne nachweisen können", meint 
der LWL-Archäologe. "Die alten Wehrbauten und -anlagen wurden 
abgerissen, große Teile des so gewonnenen Geländes hat man dann 
mindestens hundert Jahre lang für Gartenanlagen oder Ackerbau 
genutzt".

Die Grabungen brachten auch Spuren des 19. Jahrhunderts zutage: 
Reste der Straßenpflasterung des 19. Jahrhunderts fanden die 
Wissenschaftler ebenso wie Fundamente der ersten Hausbebauungen 
dieser Zeit.

Auch im neuen Jahr wollen die LWL-Archäologen weiterforschen. 
Eismann: "Wir möchten in jedem Fall noch die genaue Lage der 
mittelalterlichen Stadtmauer feststellen. Die Gelegenheit dazu 
bekommen wir hoffentlich bis zum nächsten Sommer."


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