[WestG] [AKT] Straßennamen: Muenster setzt auf Transparenz und historische Verantwortung
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 23 12:49:50 CET 2012
Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 23.01.2012, 12:05
AKTUELL
Straßennamen: Münster setzt auf Transparenz und historische
Verantwortung
Stadt stellt Empfehlungen der Expertenkommission vor /
Repräsentative Bürgerumfrage
In kaum einer anderen Stadt dürften sich Bürgerschaft, Politik
und Verwaltung so gründlich wie in Münster mit den Namensgebern
von Straßen und ihre mögliche aktive Unterstützung des
NS-Regimes befassen. Auf Grundlage der Empfehlungen einer
Expertenkommission werden Quellen und Dokumente für jedermann
zugänglich gemacht. Ab dem 26. Januar befragt die Stadt die
Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Meinung. Parallel läuft eine
Ausstellung im Rathaus. Dazu kommen Infoabende, eine
Podiumsdiskussion und eine Homepage im Internet. Anschließend
werden die zuständigen Bezirksvertretungen über die mögliche
Umbenennung von Straßen entscheiden; zum Hindenburgplatz wird
der Rat (voraussichtlich am 21. März) einen Beschluss fassen.
Aus Bürgerschaft und Politik liegen mehrere Anträge zur
Umbenennung von Straßen vor, über die nach intensiver
öffentlicher Diskussion die Politik zu entscheiden hat.
Oberbürgermeister Markus Lewe: "Münster als Stadt des
Westfälischen Friedens hat eine besondere Verantwortung für den
Umgang mit Geschichte. Dazu gehört: sorgfältiger Umgang mit
historischen Quellen, Berücksichtigung neuer
Forschungsergebnisse, Transparenz in der Meinungsbildung. Auf
dieser Basis können der Rat und die Bezirksvertretungen am Ende
so entscheiden, dass alle in dieser Stadt die Beschlüsse
nachvollziehen können - einschließlich derer, die vielleicht
anders entschieden hätten."
Grundlage der Diskussion sind die Empfehlungen einer vom Rat
eingesetzten Expertenkommission. Danach sollen acht Straßen
umbenannt werden. In einem Fall soll keine Umbenennung erfolgen,
zwei Straßen sollen eine Hinweistafel erhalten. Die
Empfehlungen der Kommission erläutert vom 26. Januar bis 16.
März die Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" in der
Bürgerhalle des Rathauses. Unter demselben Titel wurde bereits
eine Homepage mit vielen Quellen und Dokumenten in Münsters
Internetportal freigeschaltet
(www.muenster.de/stadt/strassennamen).
Weitere Termine: Am 26. Januar, 20 Uhr, informieren die
Historiker Prof. Dr. Alfons Kenkmann und Prof. Dr. Hans-Ulrich
Thamer im Stadtbezirk Ost über betroffene Straßennamen. Am 9.
Februar, 20 Uhr, folgt ein entsprechender Infoabend für den
Bezirk Mitte. Für 29. Februar, 18.30 Uhr, ist eine
Podiumsdiskussion im Festsaal des Rathauses angesetzt.
5250 Münsteranerinnen und Münsteraner erhalten Fragebogen
Die Weichen für diese Informations- und Diskussionsphase zu den
Empfehlungen der Kommission hat der Ältestenrat gestellt. Er
beauftragte die Stadtverwaltung auch, mit einer Bürgerumfrage
zusätzliche Informationen für die politische Meinungsbildung zu
gewinnen. Für die schriftliche Befragung "Ehrung von Personen
durch Straßenbenennungen" wurden 5250 Bürgerinnen und Bürger
über 18 Jahren nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Sie erhalten
den Fragebogen ab dem 26. Januar mit der Bitte um Rücksendung
bis zum 15. Februar.
Vor dem Hintergrund neuerer Forschungsergebnisse fragt die
Stadt: Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die
Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren? Wie soll
verfahren werden, wenn die Namensgeberinnen und Namensgeber von
Straßen und Wegen nachweislich das NS-Regime unterstützt haben?
Aber auch die grundsätzliche Haltung zur Ehrung von Personen
durch Straßennamen wird behandelt, um unabhängig von den
aktuell zur Entscheidung anstehenden Fragen ein Meinungsbild
für zukünftiges Handeln zu erhalten.
Die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig. Die Angaben werden
anonym ausgewertet und nur nach Themen zusammengefasst
veröffentlicht. Die im Fragebogen erbetenen statistischen
Angaben, wie beispielsweise zum Alter, zum Geschlecht und zum
Stadtteil, dienen ausschließlich zur Absicherung der
Repräsentativität der Erhebung. Die Auswertung der Umfrage soll
Anfang März vorliegen. In Kenntnis der Umfrageergebnisse wird
die Verwaltung zeitnah eine Ratsvorlage zur Beratung und
Beschlussfassung zum Thema Hindenburgplatz erstellen.
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