[WestG] [AKT] Vortrag: Feuersicherheit durch Wissen(schaft), Muenster, 27.01.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jan 24 10:06:09 CET 2012


Von: "Dorothea Brahm" <istg at uni-muenster.de> 
Datum: 23.01.2012, 13:59 


AKTUELL

Im Rahmen des Freitagskolloquiums zu Problemen vergleichender 
Städtegeschichte im Wintersemester 2011/12
 
spricht  
 
Rebecca Saskia Knapp, M.A., Bochum 
 
über 
 
Feuersicherheit durch Wissen(schaft) -  
Die Stadt: vom Wissensspeicher zum Transfermedium? 
 
 
Das Feuer stellt sich der Menschheit seit Urzeiten als ein 
janusköpfiges Element im Grenzbereich von Natur und Kultur dar. 
Solange es gezähmt ist, steht es wie kaum etwas anderes für 
menschliche Entwicklung und technischen Fortschritt. Außer 
Kontrolle geraten wird Feuer jedoch vom Beförderer der 
menschlichen Kultur zum Zerstörer aller lebensnotwendigen 
Grundlagen. Die Feuersicherheit urbaner Räume zu gewährleisten 
war die Grundlage für eine "sichere Gesellschaft".

Die frühneuzeitlichen Bemühungen um die Produktion von 
Feuersicherheit schlägt sich zunächst in Form von städtischen 
Feuerordnungen nieder. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts 
treten hierzu allerdings vermehrt Spezialwissensbestände 
einschlägiger handwerklicher Berufsgruppen über die Fertigung 
von Feuerlöschmaschinen. Dieses technologische Praxiswissen 
verbleibt zunächst als "Geheimwissen" in den Werkstätten selbst 
und die Artefakte werden als städische Kuriositäten betrachtet. 
Erst ein Transfer dieses "tacit knowledge" auf andere 
Trägerschichten, vornehmlich Gelehrte, führt zu einer 
intendierten Kommunikation dieser Wissensbestände, etwa durch 
Maschinenbücher.

Auch die einsetzende Verbeitung der Artefakte selbst im 17. 
Jahrhundert - zunächst in Städten - trägt zu diesem 
Technologietransfer bei. Im 18. Jahrhundert finden sich 
innerhalb wissenschaftlicher Akademien Spezialdiskurse zu 
physikalischen und chemischen Löschmitteln, die auf den 
ursprünglich handwerklichen Wissensbeständen basieren. Dieser 
Wechsel der Akteursgruppe und die Verwissenschaftlichung des 
technischen Brandschutzes nimmt nicht nur Einfluss auf die 
Popularisierung von Wissen, sondern ebenso auf die Produktion 
von Feuersicherheit in Städten und Territorien. Ziel des 
Vortrags ist es, die Prozesse der Transformation von Wissen 
vorzustellen und ihre Effekte auf praktische Feuersicherheit zu 
untersuchen.


INFO

Veranstaltungsdaten: 
Freitags-Kolloquium
Datum: 27. Januar 2012 (16.00 Uhr c. t., Sitzungszimmer)
Institut für vergleichende Städtegeschichte
Königsstr. 46
48143 Münster
Tel.: 0251/83 275 12
Fax: 0251/83 275 35
E-Mail: istg at uni-muenster.de 
URL: http://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte 

Kontakt:
Dr. Angelika Lampen


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte