[WestG] [AUS] "Ehre, wem Ehre gebuehrt?!", Muenster, 26.01.-16.03.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 23 12:46:58 CET 2012


von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 23.01.2012, 12:03


AUSSTELLUNG

Begegnung mit elf Namensgebern
Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" in der Bürgerhalle des 
Rathauses / Originalexponate zum "Tag von Potsdam"

In der Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" über Straßennamen 
in Münster begegnen den Besuchern die Namensgeber Karl Wilhelm 
Jötten, Hans Pfitzner, Ludwig Humborg, Franz Ludwig, Hermann 
Stehr, Friedrich Castelle, Karl Wagenfeld, Heinrich Lersch, 
Agnes Miegel, Alfred Stühmer. Hinzu kommt Paul von Hindenburg, 
zu dem eine zusätzliche Infotafel und eine Vitrine mit 
Originalexponaten zum "Tag von Potsdam" vorbereitet wurden.

Im Zentrum der Präsentation in der Bürgerhalle des Rathauses 
steht das Verhalten dieser Namenspatrone während des 
Nationalsozialismus. Lebensgroße Personensilhouetten geben 
biographische Informationen und lassen die Personen selbst zu 
Wort kommen. Originale Aussagen und Texte dokumentieren, wie 
Schriftsteller oder Musiker in ihren Texten und Musikstücken 
die nationalsozialistische Ideologie aufgriffen, zeigen Hitler 
und seine Politik verherrlichende Auszüge aus Gedichten, 
Zeitungsbeiträgen oder Reden.

Hans Pfitzner oder Hermann Stehr veröffentlichten mehrfach 
politische Erklärungen, mit denen sie das NS-Regime 
unterstützten. Andere hielten linientreue Vorträge wie Ludwig 
Humborg. Zitate aus privaten Briefen belegen die frühe 
nationalsozialistische Einstellung von Agnes Miegel, zeigen bei 
Heinrich Lersch, dass sein Verhältnis zum Nationalsozialismus 
eher uneindeutig war. Die Rede Hitlers zum 1. Mai 1933 empfand 
Lersch als "phantastisch" und "unvergesslich". Er wollte sich 
jedoch nicht komplett den Stempel der NS-Behörden aufdrücken 
lassen, denn er könne, "so lang er nicht an der Staatskrippe 
frisst, stolzer sein wie irgendein anderer in Deutschland!"

Im Fall Jötten zeigen die Quellen einen ehrgeizigen 
Wissenschaftler, der pseudowissenschaftliche 
Untersuchungsergebnisse zu Zwangssterilisationen zur Sicherung 
der eigenen Karriere veröffentlichte. Alfred Stühmers Andienung 
an den Nationalsozialismus hatte Grenzen; er bezog Stellung zur 
Behandlungspflicht jüdischer Patienten.

Auch das Verhalten der Namensgeber nach 1945 spielt in der 
Ausstellung eine Rolle. Nicht nur Agnes Miegel lehnte eine 
Auseinandersetzung mit ihrer Position in der NS-Zeit ab.

Die Ausstellung bietet auch Antworten auf allgemeine Fragen 
rund um die Straßennamen: Seit wann werden Personen mit 
Straßennamen geehrt? Welche Personengruppen wurden und werden 
seit 1870 bevorzugt mit einem Straßennamen bedacht?


INFO

"Ehre, wem Ehre gebührt?!" ist vom 26. Januar bis 16. März 
täglich geöffnet: 
Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, Samstag/Sonntag 10-16 Uhr; 
sonntags wird um 14 Uhr eine öffentliche Führung angeboten; 
montags ist die Ausstellung ausschließlich für Gruppen nach 
Voranmeldung geöffnet. 

Bürgerhalle des Rathauses, Prinzipalmarkt
Münster

In der Ausstellung stehen Ansprechpartnerinnen und 
Ansprechpartner zur Verfügung. Schulklassen und andere 
interessierte Gruppen können sich für kostenfreie Führungen 
beim Geschichtsort Villa ten Hompel anmelden 
(E-Mail strassennamen at stadt-muenster.de).


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