[WestG] [AUS] Große Mittelalter-Ausstellung "Goldene Pracht" eroeffnet am Wochenende, Muenster, 26.02.-28.05.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Feb 24 10:29:02 CET 2012


Von: "Exzellenzcluster "Religion und Politik"" <religionundpolitik at
uni-muenster.de>
Datum: 23.02.2012, 13:17


AUSSTELLUNG

Goldschmiedekunst von internationalem Rang
Große Mittelalter-Ausstellung "Goldene Pracht" eröffnet am Wochenende
in
Münster

Kostbare Goldschmiedekunst von
internationalem Rang ist ab dem Wochenende in Münster in der
Ausstellung
"Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen" (26.2. -
28.5.2012) zu sehen. Die Schau im LWL-Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte und in der Domkammer der Kathedralkirche St. Paulus
präsentiert auf 1.500 Quadratmetern in zwölf Räumen mehr als 300
herausragende Exponate des 10. bis 16. Jahrhunderts, darunter 240
nationale
und internationale Leihgaben, wie die Veranstalter am Donnerstag
(23.2.)
ankündigten. Zu sehen sind prachtvolle Schreine und Kelche,
edelsteinbesetzte Kreuze und filigrane Schmuckstücke des Mittelalters.


Die Ausstellung "Goldene Pracht" führt in eine faszinierende Epoche
der
europäischen Geschichte, wie Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom
Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Uni Münster sagte. "Sie
erzählt,
warum Kaiser und Bischöfe, Adlige und Bürger über Jahrhunderte
wertvollste
Werke aus Gold, Silber und Edelsteinen stifteten, deren Ästhetik bis
heute
in Bann schlägt." Die Schau wird am Samstagabend in der
Überwasserkirche
eröffnet. Es handelt sich um eine Kooperation des Bistums Münster, des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Exzellenzclusters. 

"Westfalen glänzt"

"Die Ausstellung würdigt erstmals die Pracht westfälischer
Goldschmiedekunst, die lange im Verborgenen schlummerte. Diese Schätze
zu
heben und einem breiten Publikum nahe zu bringen, ist Ziel der drei
Kooperationspartner", unterstrich der Generalvikar des Bistums
Münster,
Norbert Kleyboldt. "Im Vergleich mit den internationalen Spitzenwerken
wird
sich dem Publikum das hohe Niveau der westfälischen Werke erschließen."


LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch betonte: "Unsere Kuratoren konnten
wertvolle Stücke wie den Marienschrein aus Tournai in Belgien, die
Thronende
Muttergottes aus Walcourt, den Sifridus-Kelch aus dem finnischen Borga
und
vergoldete Emailplatten aus dem British Museum als Leihgaben gewinnen.
Das
macht uns stolz und wir hoffen, viele Besucher in unsere Museen zu
locken."
Vom Kunstverstand der Westfalen zeugten Schätze wie der Cappenberger
Barbarossa-Kopf, das wohl erste Porträt des Mittelalters, das
Borghorster
Stiftskreuz und einzigartige Reliquienstatuetten aus dem Domschatz wie
die
der Heiligen Agnes. Kirsch: "Mit diesen Werken glänzt Westfalen." 

Kulturstaatssekretär Prof. Klaus Schäfer sagte: "Die Ausstellung
,Goldene
Pracht‘ geht den Spuren einer hochrangigen Kunstgattung nach und
macht ein
bedeutendes Kapitel der europäischen Kulturgeschichte für ein breites
Publikum anschaulich. Sie trägt damit dazu bei, das
Geschichtsbewusstsein in
Nordrhein-Westfalen und die kulturelle Identität in Westfalen zu
stärken.
Das unterstützen wir gern. Außerdem freut uns, dass das Thema der
Ausstellung für Kinder und Jugendliche faszinierend ist und sich gut
für die
kulturelle Bildung eignet. Dieser Aspekt wird mit Landesmitteln
besonders
gefördert."

"Die Kunstschätze berichten uns von einer fremd gewordenen
christlichen
Frömmigkeit", erläuterte Historiker Althoff. "Als Gegenleistung für
wertvolle irdische Gaben erhofften sich die Menschen des Mittelalters
das
Seelenheil und dass Gott ihre Zeit im Fegefeuer verkürze." Das
kostbarste
Material, das Gold, sei gerade gut genug gewesen, um Gott und die
Heiligen
zu ehren. "Die Ausstellung wird komplexe Themen wie das
mittelalterliche
Stiftungswesen einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Das ist ein
wichtiges Ziel des Exzellenzclusters und der beiden Museen." Weitere
Leitthemen der Schau lauten Schreine und Kathedralen, die Symbolik der
Farbe
Gold, Prachtentfaltung und Reliquienkult, Goldschmiede und
Werkstätten,
Schatz und Schicksal. 

Interdisziplinäres Projekt

Kennzeichen des Projektes ist die interdisziplinäre Herangehensweise:
"Durch
die Zusammenarbeit der Museen mit dem Exzellenzcluster ist es
gelungen,
kunsthistorische Blickwinkel mit historischen und theologischen
Perspektiven
zu vereinen", sagte der Direktor der Domkammer, Dr. Udo Grote. "So
verdeutlicht die Schau den künstlerischen Rang der Werke genauso wie
das
historische und soziale Umfeld, in dem sie entstanden. Mit den beiden
Ausstellungsorten LWL-Landesmuseum und Domkammer können wir mehr
Exponate
zeigen, als es an einem Standort der Fall gewesen wäre." 

"Die Ausstellung bietet einen spannenden Rundgang durch zwölf Räume",
sagte
der Direktor des LWL-Landesmuseums Dr. Hermann Arnhold. "Er beginnt mit
der
Bedeutung der Farbe Gold, die Sinnbild für das Ewige und Göttliche war,
und
endet mit der vielschichtigen Bedeutung des Kirchenschatzes, der auch
immer
von Zerstörung bedroht war." Weitere Räume befassen sich mit den
frühen
Stiftungen im 10. bis 12. Jahrhundert, dem Goldschmiedezentrum
Osnabrück und
dem künstlerischem Austausch zwischen Malern, Bildhauern und
Goldschmieden
in Münster, dem Wettstreit um den Kirchen- und Stadtpatron Patroklus
in
Soest und einzigartigen silbernen Heiligenstatuetten der Gotik. "Die
Schau
verdeutlicht auch den liturgischen Gebrauch der Werke und lädt in die
Welt
der Goldschmiede ein." Deren seit Jahrhunderten unveränderte Arbeit ist
auch
in Workshops im Goldenen Pavillon auf dem Domplatz zu sehen.

Wichtige Produktionsstätten der Goldschmiedekunst in Westfalen waren
zunächst unter anderem die Bischofssitze Münster, Paderborn und
Osnabrück,
wie Dr. Petra Marx, Kuratorin im LWL-Landesmuseum, beim Rundgang
erläuterte.
Ab dem 13. Jahrhundert entstanden die Werke auch zunehmend in den
erblühenden Hansestädten Soest und Dortmund. "Der Beckumer
Prudentia-Schrein, in westfälischer Produktion entstanden, wird neben
dem
berühmten Marienschrein aus Tournai erstrahlen, der aus der Werkstatt
des
Goldschmieds Nikolaus von Verdun stammt, der auch wesentlich am
Dreikönigsschrein im Kölner Dom mitwirkte." 

Die weltweit älteste Monstranz

"Die Ausstellung zeigt einerseits sakrale Stücke wie die weltweit
älteste
Monstranz aus der Abtei Herkenrode in Belgien, andererseits weltliche
Stücke
wie das einzigartige Ratssilber aus Osnabrück oder filigranen Schmuck
für
die städtische Kundschaft", so Marx. Bistums-Kurator Holger Kempkens
fügte
hinzu: "Viele Stücke holen wir erstmals aus dem Verborgenen. So werden
die
Apostelfiguren vom Hochaltar des münsterischen Doms nach Jahrzehnten
zum
ersten Mal aus der Nähe zu sehen sein. Andere Werke wie der
Sifridus-Kelch
aus dem finnischen Borga, der im 30-jährigen Krieg (1618-1648) aus dem
Osnabrücker Schatz verschwand, sind nur sehr selten in Deutschland zu
bewundern." Neben der Goldschmiedekunst präsentiert die Schau auch
Skulpturen, Tafelbilder, Buchmalerei, liturgische Gewänder und
Schriftstücke. Sie veranschaulichen den künstlerischen Rang, die
Symbolik
und die vielschichtige Bedeutung der Goldschmiedewerke.

Mittelalter als kulturelle Blütezeit Westfalens

Die Kuratoren konnten für die Ausstellung 240 Exponate aus Museen,
Bibliotheken und Kirchen in der Schweiz, in Frankreich, Belgien, den
Niederlanden, Großbritannien und Finnland zusammentragen. 220
Leihgaben
stammen aus Deutschland, etwa aus den Staatlichen Museen Preußischer
Kulturbesitz in Berlin (Kunstgewerbemuseum, Skulpturensammlung und
Museum
für Byzantinische Kunst) und dem Germanischen Nationalmuseum in
Nürnberg.
180 Ausstellungsstücke kommen aus westfälischen Kirchen, Klöstern,
Archiven
und Museen. Die Ausstellung schreibt ein Stück westfälischer Geschichte
neu,
wie Althoff erläuterte. "Das Spätmittelalter stellt sich hier nicht
als
Zeitalter des Niedergangs dar, sondern als kulturelle Blütezeit: Ein
selbstbewusstes Bürgertum stiftete aus tiefer Frömmigkeit hochwertige
Kreuze, Kelche oder Schreine. Einige Klischees über die Provinzialität
der
Westfalen lassen sich im Licht der ‚Goldenen Pracht‘ über Bord
werfen." 

Umfassendes Rahmenprogramm

Die Ausstellung wird während der gesamten Laufzeit durch ein
umfassendes
Rahmenprogramm aus Vorträgen, Filmen, Mitmach-Workshops für Kinder und
Erwachsene und dem Musikfestival "Musica Sacra" begleitet, so der
Leiter des
Ausstellungsprojektes, Dr. Olaf Siart. Finanziert wurde das Projekt
aus
Mitteln des Exzellenzclusters "Religion und Politik", des Bistums
Münster
und des LWL. Unterstützung erhielt es außerdem von der
LWL-Kulturstiftung,
der Kunststiftung NRW, dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend,
Kultur
und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kulturstiftung der
Westfälischen Provinzial Versicherung, der Kulturstiftung der Länder
und der
Ernst von Siemens Kunststiftung.

Die Verbindung von Forschung und Kunstvermittlung spielte für die
Kunststiftung NRW eine wichtige Rolle, so Dr. Barbara Könches,
Fachbereichsleiterin der Kunststiftung NRW: "Mit dieser Ausstellung
kann die
Institution Museum ihre doppelte Funktion als Stätte der Forschung
einerseits und als Stätte der Kunstvermittlung andererseits exzellent
unter
Beweis stellen. Dies gelingt in Kooperationen wie dieser vorbildlich
– ein
Gewinn für Universität und Museen und damit für den
Ausstellungsbesucher in
jeglicher Hinsicht." (vvm/ska)


INFO
 
Weitere Informationen unter 
URL: www.goldene-pracht.de


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