[WestG] [AUS] Familie und Firma unter einem Dach: Dauerausstellung in der Villa Beermann, Lage, ab 19.02.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Feb 21 10:47:40 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.02.2012, 13:01
AUSSTELLUNG
Familie und Firma unter einem Dach
LWL-Ziegeleimuseum eröffnet Dauerausstellung in der Villa
Beermann
70 Jahre lang produzierte die Ziegelei Beermann in der kleinen
Ortschaft Sylbach bei Lage (Kreis Lippe) Ziegel für die Region.
Millionen der roten Backsteine wurden im Ringofen der Fabrik
gebrannt. Wie das funktioniert, macht der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) seit zehn Jahren in seinem
Industriemuseum anschaulich. Ab kommenden Sonntag, 19. Februar,
lernen Besucher auch die Familien- und Firmengeschichte näher
kennen. In fünf Räumen im Erdgeschoss der ehemaligen Villa des
Gründers Gustav Beermann zeigt die neue Dauerausstellung, wie
die Familie lebte und arbeitete, welchen Belastungen die
Belegschaft bei ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt war und warum
die Ziegelei nach 90 erfolgreichen Jahren ihren Betrieb
einstellen musste.
Die ehemalige Firmenvilla wurde 1922 an Stelle eines
Pferdestalls errichtet. Dort wohnte zunächst der
Ziegeleibesitzer mit seiner Ehefrau Emilie und den fünf
Kindern. Später zogen auch die beiden Söhne und Nachfolger
Gustav Beermanns, Friedel und Erich, mit ihren Familien in das
Haus ein. Zuletzt lebte nur noch Enkel Lothar Beermann in dem
Gebäude. Als dieser 2003 verstarb, kaufte der
Landschaftsverband das Gebäude. "Bei der anschließenden
Sanierung stand der Erhalt von möglichst vielen historischen
Spuren im Vordergrund", so LWL-Museumsleiter Willi Kulke.
Gleichzeitig galt es, im Erdgeschoss und im Obergeschoss
moderne Ausstellungsräume zu schaffen.
Willi Kulke: "Angesichts der knappen Mittel war es ein
besonderer Glücksfall, mit der Euwatec einen
Beschäftigungsträger als Partner für dieses Projekt zu gewinnen,
der hier fünf Jahre lang Wiedereingliederungsmaßnahmen
durchführte und dabei das Gebäude von außen und innen sehr
behutsam restaurierte. Das Projekt wäre allerdings auch nicht
ohne die finanzielle Unterstützung des Fördervereins des
Ziegeleimuseums möglich gewesen."
Die Familie Beermann
Gustav Beermann gründete 1909 zusammen mit dem Sylbacher
Bauunternehmer Friedrich Bobe die Ziegelei. Gemeinsam
investierten sie in den Bau eines Ringofens. Wie viele andere
lippische Ziegeleibesitzer betrieb auch Gustav Beermann mit
seiner Frau Emilie Ruthe zusätzlich einen landwirtschaftlichen
Betrieb. Dafür bearbeiteten sie die Flächen, die nicht zur
Tonausbeute benötigt wurden. Die Söhne Friedel und Erich
Beermann übernahmen Anfang der 1960er Jahre die Ziegelei von
ihrem Vater. Die Villa blieb Zentrum des Familienclans. Während
Gustav und Emilie im Untergeschoss der Firmenvilla wohnten,
lebte Erich zusammen mit seiner Frau Hildegard und Sohn Lothar
im Obergeschoss. Friedel wohnte mit seiner Frau Waltraud unweit
des Elternhauses. In der Ausstellung erfahren Besucher an
sieben Hörstationen und auf vielen Bildern und Dokumenten, wie
die Familie lebte und arbeitete.
Die Belegschaft der Ziegelei
Die Arbeit in der Ziegelei war eine Saisonbeschäftigung. Im
Frühjahr begannen einige wenige Beschäftigte mit der Arbeit in
der Tongrube. Erst Ende März wurden tatsächlich Ziegel
gestrichen. Die Beschäftigung erreichte im Spätsommer ihren
Höhepunkt. Ab November arbeiteten nur noch wenige Männer in der
Ziegelei. Sie setzten die getrockneten Steine im Ofen ein,
arbeiteten als Brenner auf dem Ringofen oder holten die
fertigen Steine aus dem Ringofen. Ab Ende November wurden alle
Maschinen gereinigt, repariert und überholt. "Die Zahl der
Beschäftigten war im Laufe der Firmengeschichte starken
Schwankungen unterworfen. Deutliche Kürzungen ergaben sich
durch die Umstellung auf den Maschinenbetrieb 1922 und durch
die Anschaffung des Eimerkettenbaggers, der die Arbeit in der
Tongrube mechanisierte", erklärt der LWL-Museumsleiter. In der
Ausstellung können die Besucher erstmals zwei
Belegschaftsbilder aus den Jahren 1912 und 1914 sehen, die dem
Museum erst im letzten Jahr von Nachkommen des ehemaligen
Buchhalters der Ziegelei geschenkt wurden. Ehemalige
Belegschaftsmitglieder berichten an zwei Hörstationen in der
Ausstellung über das Leben und Arbeiten in der Ziegelei
Beermann.
Ziegeleien in der Region
Die Ziegelei Beermann war eine typische Ziegelei, wie es sie zu
Dutzenden in der Region gab. 1979, als sich der Betrieb nicht
mehr rentierte, schloss die Firma. Nur wenige große Betriebe
blieben bis heute erhalten. Dafür erinnern Straßennamen oder
die landschaftlichen Veränderungen wie Kuhlen, Teiche und
Deponien an den einst so bedeutenden Wirtschaftszweig. In der
Ausstellung sehen die Besucher in einer Bildershow viele
einmalige und noch nie gezeigte Bilder der Ziegeleien, der
Belegschaften und der Arbeitsplätze in den letzten über 100
Jahren.
INFO
LWL-Industriemuseum - Ziegeleimuseum Lage
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Sprikernheide 77
32791 Lage
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