[WestG] [AKT] Historische und aktuelle Perspektiven - LWL gedenkt 125 Jahre "Provinzialordnung" fuer Westfalen mit Vortragsveranstaltung

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Nov 17 11:42:46 CET 2011


Von: "Franz-Werner Kersting" <Franz-Werner.Kersting at lwl.org>
Datum: 16.11.2011, 11:32


AKTUELL

Historische und aktuelle Perspektiven - LWL gedenkt 125 Jahre 
"Provinzialordnung" für Westfalen mit Vortragsveranstaltung

Am 1. August 1886 setzte der preußische Staat die 
"Provinzialordnung" für die Provinz Westfalen in Kraft. Diese 
Ordnung markiert einen Einschnitt in die Geschichte der 
landschaftlichen Selbstverwaltung Westfalens. Sie machte aus 
dem "ständischen" Provinzialverband einen Kommunalverband in 
der Trägerschaft der Kreise und kreisfreien Städte. Seine 
Aufgaben und Zuständigkeiten entwickelten sich in der Folgezeit 
zu einem komplexen Dienstleistungssystem im modernen Industrie- 
und Wohlfahrtsstaat - von der Behinderten-, Psychiatrie- und 
Jugendarbeit über die Kulturpflege bis hin zu 
kommunalwirtschaftlichen Aktivitäten. Daran erinnerte der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt mit einer 
Vortrags- und Diskussionsveranstaltung.

Der LWL steht (ähnlich wie der Landschaftsverband Rheinland) in 
der Tradition der damals geschaffenen verfassungsmäßigen 
Ordnung. Ihren Fortbestand sieht LWL-Direktor Dr. Wolfgang 
Kirsch allerdings durch die gegenwärtige Finanznot "extrem 
gefährdet". Grund genug für ihn und das LWL-Institut für 
westfälische Regionalgeschichte, die 125. Wiederkehr des 
Ereignisses "zum Anlass eines (selbst-) kritischen 
programmatischen Gedenkens aus historischer wie aktueller Sicht 
zu nehmen" (Prof. Franz-Werner Kersting). Dazu lud der LWL 
jetzt Vertreter aus Geschichts-, Rechts- und 
Verwaltungswissenschaften sowie der "kommunalen Familie" zu 
einem Dialog in den Plenarsaal des LWL-Landeshauses ein.

Der Tübinger Historiker Professor Ewald Frie lotete in seinem 
Epochen übergreifenden Festvortrag die "Potentiale von 
Verwaltung und Selbstverwaltung" im wechselseitigen Verhältnis 
von "Provinz - Staat - Nation" aus. Bis zu den 1970er Jahren 
seien "Staatsgebiet, Identifikations- und Entscheidungsraum auf 
nationaler und regionaler Ebene zusammengefallen", so Fries 
Befund. Seither aber hätten alternative Identifikationen 
„unter- und oberhalb der bisher dominierenden Herrschaftsräume 
an Bedeutung gewonnen" - eine Entwicklung, die dem LWL 
besondere Anstrengungen auf dem Feld fachlich-politischer 
Legitimationsbeschaffung und regionaler westfälischer 
Identitätsarbeit abverlange.

Diese Problemstellung stand dann anschließend auch im 
Mittelpunkt eines Podiumsgesprächs zwischen Frie, dem Rechts- 
und Kommunalwissenschaftler Prof. Janbernd Oebbecke von der 
Universität Münster sowie dem Vorsitzenden der 
LWL-Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard. Es ging um die 
ideelle Substanz und Legitimation kommunaler Selbstverwaltung, 
um spezifische Stärken, mögliche Schwächen und potenzielle neue 
Aufgabenfelder des LWL sowie um die Aussichten für eine bessere 
Sicherung seiner notwendigen Freiräume und Mittel. Zusätzlich 
lud der Moderator des Abends, der WDR-Fernsehredakteur Klaus 
Bellmund, aber immer wieder auch das interessierte Publikum zum 
Mitdiskutieren ein.

Ein inhaltlich perspektivenreicher Abend, dessen Ertrag für ein 
breitere Öffentlichkeit dokumentiert werden soll.


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