[WestG] [AUS] "Wer macht mit ...?" Das LWL-Museumsamt zeigt alte Kinderspiele aus Westfalen, Gescher, bis 03.07.2011

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mai 20 10:36:43 CEST 2011


Von: "Günter Bernhardt" <guenter.bernhardt at lwl.org> 
Datum: 19.05.2011, 11:11 
 

AUSSTELLUNG
 
"Wer macht mit ...?" Das LWL-Museumsamt zeigt alte Kinderspiele 
aus Westfalen
Wanderausstellung im Alten Kutschenmuseum Gescher bis 03.07. 
2011.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 15.00 - 17.00 Uhr, Sonntag 
10.00 - 17.00 Uhr

Noch vor wenigen Jahrzehnten hörte man im Freien überall 
Kindergeschrei. Die Kinder waren ständig draußen, auf dem Hof, 
dem Spielplatz, dem Rasen zwischen den Mietshäusern, auf der 
Straße oder in Feld und Flur. Teures Spielzeug besaßen die 
meisten von ihnen bis in die 1960er Jahre nicht. Dazu fehlte 
ihnen das Geld.

In der Ausstellung werden Spiele gezeigt, die sich auch Kinder 
von Arbeitern, Handwerkern oder Bauern leisten konnten. Diese 
Kinder nutzten häufig Gegenstände des Alltags, aus denen sie 
selbst Spielgeräte herstellten. Man fand sie in der Natur, im 
Abfall, in Kellern oder auf Dachböden. Gekauft wurden nur sehr 
preiswerte Spielsachen. Größeres Spielzeug wie Puppenstuben, 
aber auch Gesellschaftsspiele, stellten Erwachsene für ihre 
Kinder oft selbst her.

Viele Familien lebten bis zum Wirtschaftswunder in den 1950er 
Jahren mit zahlreichen Kindern in sehr beengten Verhältnissen. 
Eigene Kinderzimmer gab es selten. Deshalb ist es nicht 
verwunderlich, dass die Kinder - wann immer es möglich war - 
zum Spielen ins Freie gingen. Hier traf man sich mit vielen 
Freundinnen und Freunden zum Gummitwist, "Seilchenspringen", 
Murmeln, Verstecken spielen oder Räuber und Schandit.

Aus diesem letztgenannten Spiel ist auch der Titel der 
Ausstellung abgeleitet: Die Kinder im Münsterland zogen durch 
die Nachbarschaft und riefen laut "Wer macht mit, Räuber und 
Schandit", wobei mit dem Schandit der Gendarm gemeint ist. 
Gespielt wurde häufig in großen Gruppen. 22 Spielkameraden 
waren keine Seltenheit, so dass man auch eine komplette 
Fußballmannschaft zusammenstellen konnte. Spiele im Freien 
konnten bis in die 1950er Jahre auch auf der Straße stattfinden,
 da es kaum Autoverkehr gab. Für Himmel und Hölle, Dopp oder 
Kreisel waren befestigte Straßen und Plätze bestens geeignet.

Einige Spiele konnte man das ganze Jahr über spielen, viele 
hatten aber ihre "Saison". Am ersten warmen Tag im Frühjahr 
trafen sich die Mädchen zum Bickeln, einem 
Geschicklichkeitsspiel mit Knochen, im Sommer bei großer Wärme 
waren Spiele mit Wasser angesagt und im Herbst ließ man Drachen 
steigen. Im Winter konnten die Kinder Schlittschuh laufen und 
Schneemänner bauen. Nur bei äußerst widrigen 
Wetterverhältnissen wurde drinnen gespielt. Besonders beliebt 
war und ist das Verkleiden. Welcher Junge wollte nicht Ritter 
oder Indianer sein, welches Mädchen nicht als Braut oder edle 
Dame auftreten.

Es gibt in Westfalen hunderte dieser Spiele. Einige sind nur in 
bestimmten Regionen bekannt, andere werden in der ganzen Welt 
gespielt. Auch die Namen der Spiele und deren Spielregeln sind 
oft schon im Nachbardorf verschieden. Es gibt in der 
Ausstellung deshalb nur eine Auswahl an Spielen, die der 
Besucher zum Teil ausprobieren kann. Die meisten werden auch 
heute noch gespielt, andere sind inzwischen in Vergessenheit 
geraten.

Es gibt viele Sammlungen von Kinderspielzeug in Museen. Die 
meisten dieser Sammlungsstücke sind deshalb erhalten, weil sie 
einmal viel Geld gekostet haben. Die eher einfachen Exponate 
dieser Wanderausstellung sind dagegen selten in 
Dauerausstellungen zu sehen. Die meisten lagern in den 
Museumsdepots oder sind Privatleihgaben.

In der Ausstellung sind über einhundert Exponate zu sehen. 
Besonders stark vertreten ist naturgemäß Spielgerät für das 
Frühjahr und den Sommer. Verschiedene Murmeln und Kreisel 
gehören ebenso dazu wie Knochen, die man für das Bickelspiel 
oder den Bau eines Schwirrers verwendete. Auch größere Exponate 
wie selbstgebaute Stelzen oder Teile einer Ritterrüstung sind 
ausgestellt. Für den Herbst stehen Drachen im Mittelpunkt der 
Ausstellung. In der Abteilung Winter sind unter anderem ein 
Kastenschlitten und verschiedene Schlittschuhe zu sehen. Dass 
sogar Gesellschaftsspiele in Eigenarbeit hergestellt wurden 
zeigt unter anderem ein selbst gezeichnetes Monopoly-Spiel aus 
der Zeit um 1950 sowie aus Schiefer hergestellte Mühlesteine 
aus der Stadtarchäologie in Soest. Ein etwa 1000 Jahre alter 
Würfel aus Knochen ist das wohl älteste Exponat. Für den 
Bereich "Vom Vater gebaut" stehen unter anderem ein Puppenhaus 
mit zahlreichem Zubehör sowie ein Modell eines Hühnerhauses mit 
Tieren aus der Nachkriegszeit.

Eine Besonderheit dieser Ausstellung ist, das man einige der 
Spiele während des Besuches ausprobieren kann. So kann man etwa 
einen Schwirrer ausprobieren, mit Murmeln spielen oder selbst 
einen Kreisel herstellen. Über museumspädagogische Angebote 
informieren sie gerne die Museen der Stadt Gescher unter der 
Telefonnummer 02542-7144. Zur Ausstellung ist ein reich 
bebilderter Katalog erschienen. Er kann zum Preis von 9,00 € 
plus 2.00 € Versand beim LWL-Museumsamt bestellt werden.
 

INFO

LWL-Museumsamt für Westfalen 
Erbdrostenhof 
Salzstraße 38 
48133 Münster 
Tel.: 0251/ 591-4662 
Fax: 0251/591-3335 
E-Mail: museumsamt at lwl.org 
www.lwl-museumsamt.de 
 
Weitere Stationen: 
Stadtmuseum Iserlohn                                                   
                 
10.07.2011 bis 28.08.2011 

Südsauerlandmuseum Attendorn                                           
         
04.09.2011 bis 30.10.2011 

Museum der Stadt Bad Berleburg                                         
    
03.11.2011 bis 15.01.2012 

Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen  
22.01.2012 bis 25.03.2012 

Medizin- und Apothekenmuseum Rhede                                     
  
01.04.2012 bis 28.05.2012 

Stadtmuseum Münster                                                    
                
03.06.2012 bis 29.07.2012 

Museen der Stadt Lüdenscheid                                           
           
05.08.2012 bis 16.09.2012 
 

INFO
 
Kontakt:
Ulrich Neseker
LWL-Museumsamt für Westfalen
Salzstr. 38 (Erbdrostenhof)
48133 Münster
Tel.: 0251-5914744
Fax: 0251-5913335
E-Mail: ulrich.neseker at lwl.org 
URL: www.lwl-museumsamt.de 


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