[WestG] [AKT] Countdown laeuft: LWL eroeffnet am 2. September Spinnerei in Bocholt. Erster großer Auftritt nach Sanierung mit breitem Kulturprogramm

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jun 14 11:29:16 CEST 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.06.2011, 12:37


AKTUELL

Countdown läuft: LWL eröffnet am 2. September Spinnerei in Bocholt
Erster großer Auftritt nach Sanierung mit breitem Kulturprogramm

Der Countdown läuft: Am 2. September wird der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die historische 
Spinnerei Herding als zweiten Teil seines Textilmuseums in 
Bocholt eröffnen. 5,9 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II 
werden dann verbaut sein. Mit einem kompakten Programm, das von 
Kunstinstallationen bis zur Modenschau, von der Kriminacht bis 
zum Konzert reicht, feiert das über 100 Jahre alte Gebäude an 
der Aa seinen ersten großen Auftritt. Bis November haben 
Besucher Gelegenheit, das sanierte Denkmal zu besichtigen und 
Eindrücke vom künftigen Potential der alten Fabrik zu gewinnen. 
"Der Rohbau ist fertig. Jetzt können wir das Haus mit Leben 
füllen", erklärte Museumsdirektor Dirk Zache gestern vor der 
Presse in Bocholt. Im Laufe der kommenden Jahre soll das 
Industriedenkmal als Kulturforum Strahlkraft für die ganze 
Region entfalten.

Als weithin sichtbares Zeichen des neuen Kulturortes prangt ein 
gläserner Kubus auf dem Dach der Spinnerei. In luftiger Höhe 
bittet ab September ein Bistro zum kulinarischen Genuss mit 
Ausblick. Stahlstäbe vor der Glasfassade deuten textile 
Strukturen an; Sheds als Oberlichter sind ein Zitat aus der 
Fabrikarchitektur der unmittelbaren Umgebung. Unter dem Café 
liegen vier Etagen mit insgesamt 9.000 Quadratmetern Platz für 
Geschichte und Vermittlung, Kunst und Kreativität, Begegnung 
und Innovation. Verbunden sind die Ebenen durch eine 
Stahltreppe, die in den ehemaligen Seilgang der Spinnerei 
eingebaut wurde. Der Anstrich steht noch aus: Zur Eröffnung 
wird die Treppe wie ein roter Faden den Weg durch das Gebäude 
weisen.

"Alt und neu so miteinander zu verbinden, dass die Spuren der 
100-jährigen Nutzung sichtbar bleiben, war eine der großen 
Herausforderungen des Umbaus", erklärte Zache. Gemeinsam mit 
dem Stuttgarter "Atelier Brückner" entwickelte der LWL als 
Bauherr Lösungen, die von spannungsreichen Kontrasten geprägt 
sind. So stehen beispielsweise die heute eigenartig anmutende 
Farbigkeit der 1950er Jahre neben den klaren Kuben des 
Museumsshops oder der modernen Bestuhlung des großen 
Veranstaltungsraums. Und direkt neben der roten Treppe erzählen 
Ölflecken an der Wand die Geschichte der Transmissionsriemen im 
alten Seilgang.

Eröffnungsprogramm

Einen leuchtenden Auftakt zum Eröffnungsprogramm gibt es 
bereits am 16. und 17. Juli. Das Medienkunstevent "artMUSE" 
taucht Teile der Spinnerei in ein neues Licht. Unter dem Titel 
"facing the future - from industrial to postdigital revolution" 
präsentieren Künstler aus Europa und Übersee Performances und 
Lichtinstallationen im Untergeschoss und Außenbereich der 
Spinnerei. Das Bühnenprogramm mit Phill Niblock (New York), 
Barbara Buchholz (Berlin) und einem Open Share Jam mit 
Künstlern aus Krakau setzt wegweisende Impulse für die 
Begegnung von Industrie, Textil, Musik und Medienkunst. Die 
Besucher und lokale Musiker sind eingeladen, beim Open Share 
Jam mitzumischen (Sa, 20.30 Uhr).

Spätestens im August wird die Eröffnung der Spinnerei dann in 
ganz Bocholt sichtbar: Für ihre Installation "Fadenlauf" 
(18.8.-23.10.2011) spannen die Düsseldorfer Künstler Barbara 
Esser und Wolfgang Horn an verschiedenen Orten der Innenstadt 
und an der Spinnerei farbige Seile zu Netzen und machen auf 
diese Weise die enge Verflechtung zwischen der Stadt und dem 
neuen Kulturort deutlich. Eine provisorische Pontonbrücke über 
die Aa soll die beiden Teile des Textilmuseums - Spinnerei und 
Weberei - miteinander verbinden.

Das Eröffnungswochenende findet von Freitag, 2.9., bis Sonntag, 
4.9., statt. Nach dem offiziellen Festakt am Freitagvormittag 
öffnen sich die Türen zur Spinnerei um 15 Uhr für die 
Öffentlichkeit. Führungen, Musik und Theater stehen am 
Nachmittag auf dem Programm. Im neuen Wechselausstellungsraum 
im Erdgeschoss vermitteln "Schaufenster" erste Eindrücke von 
den künftigen Museumsthemen: Technik, Stoffe und Betriebe, 
Globalsierung und Ökologie, Kunst, Design und Mode. "Das 
Textile steckt voller Themen", so Museumsleiter Dr. Hermann 
Josef Stenkamp. Freitagabend (20 Uhr) wird im Drosselsaal im 
zweiten Obergeschoss - dem schönsten Raum des Gebäudes - die 
Ausstellung "Atelier.Industrie: Ford-Abakanowicz" eröffnet. 
Präsentiert werden textile Skulpturen der beiden international 
renommierten Künstlerinnen Laura Ford (Wales) und Magdalena 
Abakanowicz (Polen). Die ausgestellten Arbeiten von Laura Ford 
waren 2005 auf der Biennale in Venedig zu sehen. Der Samstag 
und Sonntag stehen ganz im Zeichen des Eröffnungsfestes mit 
Kulturprogramm, Führungen durch Gebäude und Ausstellungen, 
Vorführungen historischer Maschinen und kreativen Angeboten für 
Kinder.

In den folgenden Wochen erwarten die Besucher in der Spinnerei 
dann zahlreiche Veranstaltungen: Vom Konzert im Rahmen des 
Münsterland-Festivals, über die Kriminacht, eine große Show der 
Mode bis hin zu kulinarischen Abenden und 
Kleinkunstveranstaltungen der "Bühne Pepperoni", die in der 
Spinnerei ein Domizil gefunden hat. Ein großer Teil des 
Eröffnungsprogramms wird von der Sparkasse Bocholt finanziert.

Am 20. November endet die erste Saison mit regulären 
Öffnungszeiten (Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen 10 bis 
18 Uhr). In den Wintermonaten ist das Haus an der 
Industriestraße für Gruppenführungen und Veranstaltungen 
geöffnet.

Hintergrund Textilmuseum
Das Textilmuseum in Bocholt ist einer von acht Standorten des 
LWL-Industriemuseums. Weil ein historisches Gebäude seinerzeit 
nicht zur Verfügung stand, beschloss die Landschaftsversammlung 
zunächst den Nachbau einer typischen Weberei aus der Zeit der 
Jahrhundertwende als Standort für ein Textilmuseum. 1989 wurde 
an der Aa Eröffnung gefeiert. Im Jahr 2004 konnte der LWL den 
viergeschossigen Backsteinbau der in den 1970er Jahren 
stillgelegten Spinnerei Herding in Sichtweite zum heutigen 
Museum mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung, 
der Stadt Bocholt und des Kreises Borken für die 
Museumserweiterung ankaufen. 2009 begann der Umbau mit Mitteln 
aus dem Konjunkturpaket II.


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