[WestG] [AUS] Schichten einer Region: Kartenstuecke zur raeumlichen Struktur des Ruhrgebiets, Dortmund, bis 29.06.2011

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 10 10:30:57 CEST 2011


Von: "Forum Geschichtskultur"  <forum at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 09.06.2011, 08:01
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"
 

AUSSTELLUNG
 
Schichten einer Region: 
Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets

Das Ruhrgebiet ist in vielerlei Hinsicht eine einzigartige 
Region: In der Entwicklung zu einem der größten europäischen 
Ballungsräume der Schwerindustrie ebenso wie im Strukturwandel 
zu einer Technologie- und Dienstleistungsregion.

Die Kartenstücke veranschaulichen einzelne thematische 
Schichten der Region in Karten, Grafiken und textlichen 
Erläuterungen. Sie gehen dabei über die bisher bekannten 
Darstellungen hinaus und zeigen überraschende Strukturen und 
Prozesse des aktuellen Wandels in siedlungs, geographischer, 
ökonomischer, landschaftlicher, ökologischer sowie sozialer und 
baulicher Hinsicht. Ziel ist es, neue Blickwinkel und 
Betrachtungsweisen des Ruhrgebiets zu eröffnen. Die 
zusammenführunde Darstellung liefert eine Grundlage zur 
weiterführenden Diskussion über die Gestaltung der Region.

Das Projekt initiierte und bearbeitet das Fachgebiet Städtebau, 
Stadtgestaltung und Bauleitplanung der Fakultät Raumplanung an 
der Technischen Universität Dortmund, in Zusammenarbeit mit dem 
ILS – Institut für Landes und Stadtentwicklungsforschung gGmbH 
und weiteren Partnerinstitutionen aus der Region.
 
AUSSTELLUNG IM DORTMUNDER U                                            
                                                          
Kapitel 1: Keine klassische Metropole
Kapitel 2: Kerne, Adern und Ränder
Kapitel 3: Polyzentrische Aktionsräume
Kapitel 4: Ethnisches und soziales Mosaik
Kapitel 5: Landschaftsmaschine Ruhrgebiet
Kapitel 6: Labor des Strukturwandels
Kapitel 7: Handlungsräume
Kapitel 8: Ruhrbanität
 
1. Keine klassische Metropole
Die Dimensionen des Ruhrgebiets als einer der größten urbanen 
Ballungsräume Europas legen nahe, die Region mit Mega-Cities in 
anderen Ländern zu vergleichen. Jede Stadtregion hat 
spezifische Eigenschaften bezüglich ihrer Raum- und 
Siedlungsdichte. Wird über das Ruhrgebiet als eine Metropole 
oder Stadt gesprochen, ist es sinnvoll zu fragen, in welchem 
Verhältnis die Region zu solchen “echten” steht: Ist das 
Ruhrgebiet im Vergleich auch eine klassische, oder eher eine 
besondere Metropole?

2. Kerne, Adern und Ränder
Obwohl dem Ruhrgebiet die Dichte der klassischen Metropolen 
fehlt und es sich eher um eine Ballung von mittelgroßen Städten 
handelt, bedeutet das nicht, dass die Region ein gleichförmiger 
Siedlungsbrei wäre. Ganz im Gegenteil, denn das Ruhrgebiet 
besteht aus einer Vielzahl unterschiedlich großer und 
unterschiedlich dicht bebauter Teilräume, die auf komplexe 
Weise miteinander verflochten oder, wie im Bild, durch Zäsuren 
der Infrastruktur voneinander getrennt sind und deren 
jeweiligen Kerne und Verbindungsbereiche besondere 
stadträumliche Qualitäten aufweisen. Dieses Gefüge offenbart 
ein großes Potenzial als Grundgerüst zur Weiterentwicklung der 
Region zu einem netzartig strukturierten Metropolraum mit ganz 
eigenen urbanen Eigenschaften.

3. Polyzentrische Aktionsräume
Das Ruhrgebiet bietet durch seine zentrale Lage eine gute 
Erreichbarkeit in Europa und Deutschland. Ebenso wichtig ist 
jedoch die Bewegung zwischen den Zielen der täglichen Mobilität 
innerhalb der Region und im Nahbereich. An den Dimensionen des 
Verkehrssystems und der wachsenden Mobilität sieht man die 
Vorzüge guter Erschließeung in der Region, aber auch ihre 
negativen Auswirkungen in Form von Treibhausgasemissionen, 
Verkehrslärm und Luftverschmutzung. Künftig wird es darum gehen,
 wie langfristig nachhaltige Mobilität durch integrierte 
Planung von Siedlungsstruktur und Verkehr erreicht werden kann. 
Dabei spielt die vorhandene polyzentrische Siedlungsstruktur 
des Ruhrgebiets eine Schlüsselrolle.

4.Soziales und ethnisches Mosaik
Im Themenbereich ethnisches und soziales Mosaik wird die 
Internationalität des Ruhrgebiet als Ausgangsbasis der 
nachindustriellen Entwicklung dargestellt. Dabei werden 
insbesondere die Herausforderungen im Bereich Bildungszugang 
und Sozialmilieus sowie Alterung und Schrumpfung und Effekte 
der ethnischen Ökonomien exemplarisch und im Gesamtraum 
gezeigt. Ein weiterer Fokus ist die Wirtschaftstätigkeit sowie 
Eigentumsbildung in Migrantenmillieus und ihre sozialräumlichen 
Einflüsse auf den Siedlungsraum. Im Abschluss stellt die Karte 
des sozialen Mosaiks des Ruhrgebiets eine Überschneidung der 
thematischen Schwerpunkte dar.

5. Landschaftsmaschine Ruhrgebiet
Die Landschaft des Ruhrgebiets wird als eine 
Landschaftsmaschine vorgestellt. Im Zuge der Umgestaltung der 
Emscher entsteht neben dem Ruhrtal und dem Hellwegland nun auch 
kultur- und Polderband, das nicht mehr durch die Industrie, 
sondern durch neue Entwicklungen im Zuge des Strukturwandels 
geprägt wird – die alte Industriemaschine wird z.T. zerlegt 
oder umfunktioniert, um neuen Aufgaben zu dienen.

6. Labor des Strukturwandels
Das Thema des Strukturwandels zeigt räumliche Aspekte der 
Umstellung der Wirtschaftsstruktur nach dem Industriezeitalter 
seit den 1960er Jahren. Es dokumentiert die besondere Rolle der 
Innovation und Bildung, aber auch die Suburbanisierung des 
Wissens und ihre räumliche Zersplitterung außerhalb der 
traditionellen urbanen Kerne. Neben einer Bewertung der im 
Süden etablierten Hochschul- und Technologielandschaft sucht es 
nach Innovationspolen im Norden des Ruhrgebiets.

7. Handlungsräume
Das Thema des Ruhrgebiets selbst soll insbesondere das 
Konstrukt des Verwaltungsgefüges und die mit ihm verbundenen 
verwaltungstechnischen, kooperativen und assoziativen 
Korrelationen aufzeigen. Die Genese des Ruhrgebiets durch den 
Kohleabbau und die damit verbundene Industrie wurde in mehreren 
Schritten durch eine Identitätsbildung aufgrund von 
unterschiedlichen Raumzugehörigkeiten abgelöst. Dabei zeigt 
sich, trotz aller auseinander strebenden Kräfte, insbesondere 
die Kooperation unter den einzelnen Städten, als die neue 
stärkende Kraft des Zusammenhalts.

8. Ruhrbanität:
Im abschließenden Themenabschnitt folgen mögliche Ansatzpunkte 
für eine Diskussion über die räumliche Entwicklung. Die 
Hauptthese, die diesen aufgrund der vorausgehenden Analysen 
zugrunde liegt, fußt auf der Erkenntnis, dass offenbar nicht 
ein fester Plan, sondern sektoral überschneidende, thematisch 
fokussierte und konsensbasierte Schlüsselthemen als Ausganslage 
für den weiteren strategischen Umgang mit der Region eine 
besondere Rolle spielen könnten.
 

INFO

bis 29. Juni 2011

Veranstaltungsort:
Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
URL:
http://www.dortmunder-u.de/news/beginn-der-ausstellung-schichten-einer-region-tu-dortmund-am-1-juni-2011



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