[WestG] [AKT] Seltener Dreilapperkrebs im Ebbegebirge gefunden: 465 Millionen Jahre alter Fund moeglicherweise einzigartig
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jan 27 10:43:32 CET 2011
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.01.2011, 10:25
AKTUELL
Seltener Dreilapperkrebs im Ebbegebirge gefunden
465 Millionen Jahre alter Fund möglicherweise einzigartig
Forscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben
einen seltenen Trilobiten, einen sogenannten Dreilapperkrebs,
an einer Straßenböschung im Ebbegebirge bei Herscheid im
Märkischen Kreis ausgegraben.
So ein Fund ist nach Angaben des Wissenschaftlers Dr. Lothar
Schöllmann vom LWL-Museum für Naturkunde in Münster sehr
selten: "Im Ebbegebirge treten die ältesten Schichten
Westfalens zutage. Während der Ausgrabung konnten fünf
Exemplare dieser Gliederfüßer geborgen werden. Darunter befand
sich das Exemplar eines 'Selenopeltis'. Bislang wurde nur ein
isoliertes Schwanzschild 1990 in der Gegend geborgen."
Grabungsleiter Schöllmann schätzt das Alter des Fossils auf 465
Millionen Jahre, der Zeit des unteren Llanvirn.
Dabei scheint der Fund recht unscheinbar, beträgt doch die
maximale Länge der dunkelgrauen Versteinerung lediglich einen
Zentimeter. "Möglicherweise fehlt das Pygidium, das
Schwanzschild", sagt Schöllmann. Das ist aber erst später
festzustellen, da das Stück zur Zeit noch nicht präpariert ist.
Sollte das Schwanzschild erhalten sein oder das bereits
gefundene Pygidium zum neuen Fund passen, wäre der Neufund das
einzige fast vollständige Exemplar dieser Art weltweit.
Hintergrund Den Namen Trilobiten verdanken die sogenannten
"Dreilapperkrebse" ihrer ausgeprägten Dreigliederung des
Körpers in einen vorderen Kopfschild, einen mittleren,
segmentierten Rumpfabschnitt und einen hinteren Schwanzschild.
Eine deutliche Dreigliederung ist auch in die Querrichtung
vorhanden: durch eine Mittelachse und beidseitig davon
abgegliederte Seitenteile. Systematisch gehören die Trilobiten
mit den Krebsen und Insekten zu den Gliederfüßern
(Arthropoden). Entgegen ihres deutschen Namens sind diese Tiere
jedoch nicht mit den Krebsen verwandt.
In der rund vierwöchigen Grabung im vergangenen Herbst bargen
die Forscher als weitere Funde Algen, ausgestorbene,
polypenähnliche marine Tiere, die zu den frühesten Stammformen
der Wirbeltiere gehören und "Tomaculum problematikum", ein mit
Kotpillen gefüllter Gang.
Die Grabungsstelle lag vor 465 Millionen Jahren auf dem
Kleinkontinent Avalonia, zu dem die Kerne von Norddeutschland,
Belgien, Zentralengland, Zentralirland Neufundland, und Nova
Scotia gehörten. Avalonia lag auf der Südhalbkugel der Erde,
etwa auf der geographischen Breite von Süd-Feuerland. Im frühen
Ordovizium trennte sich Avalonia vom Südkontinent Gondwana, der
aus Afrika, Südamerika, Antarktis, Indien, Nord- und Südchina
bestand, um im Unter-Devon dann mit Laurussia, welches aus
Nordamerika, Grönland, Skandinavien, Baltikum bestand, zu
kollidieren.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte