[WestG] [AKT] Keine Kollektivschuld, aber die kollektive Verantwortung: Hunderte Schueler beim Holocaust-Gedenktag im Glashaus
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 2 10:24:17 CET 2011
Von: "Stadt Herten" <info at presse-service.de>
Datum: 01.02.2011, 16:46
AKTUELL
Keine Kollektivschuld, aber die kollektive Verantwortung
Hunderte Schüler beim Holocaust-Gedenktag im Glashaus
Eine schöne Veranstaltung aus einem traurigen Anlass: Im Rahmen
des Holocaust-Gedenktags haben sich auch dieses Jahr wieder
hunderte Schüler im Glashaus getroffen, um an die Menschen zu
erinnern, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Gemeinsam
mit Zeitzeugin Pnina Kaufmann und Künstler Dany Bober brachten
die siebten, achten und dreizehnten Klassen der
Rosa-Parks-Schule ein denkwürdiges Programm auf die Bühne. Als
Ehrengast saß die amerikanische Generalkonsulin Janice Weiner
im Publikum.
Auf verschiedene Art und Weise machten die Jugendlichen das
"Unvorstellbare" greifbar. Sie sangen, schauspielerten und
präsentierten ihre ganz persönlichen Eindrücke, die sie mit dem
Thema Holocaust verbinden. Bürgermeister Dr. Uli Paetzel zeigte
sich beeindruckt vom Engagement, mahnte aber zugleich: "Die
Aufgabe, die vor uns liegt, ist groß. Es ist unser Ziel für
Bildung und Aufklärung zu sorgen, sodass sich Auschwitz nicht
wiederholt."
Diesen Ort des Grauens haben die Oberstufenschüler der
Gesamtschule vor einiger Zeit besucht. Bilder, die sie so
schnell wohl nicht wieder vergessen werden. Wut, Trauer,
Depression - was sie sahen, bedrückte sie sehr. "Beängstigend"
die Zahl der Menschen, die dem Rassenwahn zum Opfer fielen.
"Geschockt" bei dem Anblick der KZ-Anlage, die von außen aussah
wie mehrere harmlose Mehrfamilien-Reihenhäuser. Ein Schüler
erinnert sich: In dem Moment, als die Jugendlichen zwischen
Baracken und Gaskammern in die Geschichte eintauchten, da sei
es ein schreckliches Gefühl gewesen, Deutscher zu sein.
Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig, genau deswegen war
Pnina Kaufmann Gast bei der Veranstaltung im Glashaus. Zum
ersten Mal erzählte sie ihre eigene, traurige Geschichte. Die
Horrorherrschaft des Naziregimes musste sie nicht selbst, sehr
wohl aber ihre Eltern miterleben. Und doch sagt sie: "Ich bin
in einem KZ ohne Stacheldraht aufgewachsen." Denn die Eltern
hätten nie aufgehört, Opfer zu sein. "Zu Hause war es früher
immer dunkel und traurig", erinnert sie sich. Letztendlich sei
aber eines wichtig: "Es gibt keine Kollektivschuld, aber es
gibt eine Kollektivverantwortung, die ihr jungen Leute tragen
müsst."
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