[WestG] [LIT] Schnepper, André: Prozesse der Machtergreifung in einer katholischen Kleinstadt: Das Beispiel Billerbeck
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 13 11:30:55 CET 2011
Von: "Peter Ilisch" <ilisc_00 at uni-muenster.de>
Datum: 12.12.2011, 15:34
LITERATUR
André Schnepper: Prozesse der Machtergreifung in
einer katholischen Kleinstadt: Das Beispiel Billerbeck.
Coesfeld 2011. 144 S. mit zahlreichen Abb.
Hrsg. Kreisheimatverein Coesfeld e. V.,
Arbeitskreis für Geschichte und Archivwesen;
ISSN 0723-2098.
Preis: 5 €
Auch 65 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist die
Aufarbeitung der nationalsozialistischen Herrschaft nachwievor
nicht beendet. Neben vielen anderen wissenschaftlichen
Kontroversen ist unter anderem die Frage weiterhin umstritten,
wie und in welcher Intensität sich die nationalsozialistische
Herrschaft innerhalb weniger Monate auch in ländlichen Regionen
mit katholischer Bevölkerungsmehrheit etablieren konnte.
Mit seiner nun im Rahmen der Geschichtsblätter des Kreises
Coesfeld publizierten Magisterarbeit über die
westmünsterländische Kleinstadt Billerbeck versucht André
Schnepper auf diese Frage eine Antwort zu geben. Ausgehend von
der Annahme, dass es in Billerbeck - unter anderem bedingt
durch die Herausbildung eines katholischen Milieus im Verlaufe
des 19. Jahrhunderts - einen spezifischen Werte- und
Normenkomplex sowie eigenständige politische, soziale und
kommunikative Gewohnheiten gegeben hat, die sich zum Teil
erheblich von denjenigen der Großstädte und anderer, vor allem
protestantischer Kleinstädte unterschieden, nimmt die Studie
die Zeit der 'Machtergreifung' zwischen Januar und Juli 1933 in
den Blick.
Um die politischen Prozesse in Billerbeck, das derzeit auch
Gegenstand eines von der Wolfgang-Suwelack-Stiftung
finanzierten Stadtgeschichtsprojektes am Institut für
Vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster ist,
einordnen zu können, wendet sich der Autor zunächst den
politischen Lagern in der Kleinstadt zu. So werden die NSDAP
und das Zentrum ebenso wie die für das katholische Milieu
spezifischen Berufsstandslisten hinsichtlich ihres
Organisationsgrades, ihrer Mitgliederstruktur und ihrer Rolle
innerhalb der Kleinstadt untersucht.
Anschließend werden die Kommunalwahlen vom März 1933 behandelt.
Neben den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen, unter denen die Wahlen in der Kleinstadt
stattfanden, und dem kommunalen Wahlkampf werden auch die
Wahlergebnisse und die ersten Sitzungen der neugewählten
Gemeindegremien analysiert. Ferner werden die Haltung der
kleinstädtischen Führungsschicht und der Stadtgesellschaft
insgesamt zum Nationalsozialismus herausarbeitet. Da die
Veränderung von Politikformen- und stilen in Kleinstädten immer
auch mit veränderten Formen der Vergesellschaftung einhergingen
und nicht losgelöst vom Selbstverständnis der kleinstädtischen
Bevölkerung diskutiert werden können, bilden die
gesellschaftlichen Feste einen weiteren Schwerpunkt dieser nun
als Beiheft der Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld
publizierten Studie.
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