[WestG] [AUS] "Goldene Pracht", Muenster, 26.02.-28.05.2012

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 6 10:55:47 CET 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 05.12.2011, 12:37


AUSSTELLUNG

Goldschmiedekunst von internationalem Rang kommt nach Münster
Ausstellung "Goldene Pracht" schreibt ein Kapitel westfälischer 
Geschichte neu

Kostbare Goldschmiedekunst von internationalem Rang kommt im 
Frühjahr 2012 zur Ausstellung "Goldene Pracht" nach Münster. 
"Wir konnten für die umfangreiche Schau im LWL-Landesmuseum und 
in der Domkammer mehr als 240 mittelalterliche Exponate von 
internationalen und nationalen Leihgebern gewinnen", sagte 
Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Exzellenzcluster 
"Religion und Politik" der Uni Münster. Darunter sind wertvolle 
Stücke wie die Thronende Muttergottes aus Walcourt, der 
Marienschrein aus Tournai in Belgien und vergoldete 
Emailplatten aus dem British Museum. "Zugleich würdigt die 
Ausstellung erstmals die Pracht westfälischer Goldschmiedekunst,
die lange im Verborgenen schlummerte. Im Vergleich mit den 
internationalen Spitzenwerken wird sich dem Publikum ihr hohes 
Niveau erschließen."

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt von 
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Bistum Münster 
sowie dem Exzellenzcluster "Religion und Politik". Vom 26. 
Februar bis 28. Mai 2012 präsentiert sie auf 1.500 
Quadratmetern in zwölf Räumen insgesamt 300 herausragende Werke 
der Goldschmiedekunst des 10. bis 16. Jahrhunderts. Die 
Kuratoren konnten internationale Leihgaben aus Museen, 
Bibliotheken und Kirchen in ganz Europa zusammentragen, wie 
LWL-Kuratorin Dr. Petra Marx und Bistums-Kurator Holger 
Kempkens erläuterten. Die Werke kommen aus der Schweiz, 
Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und 
Finnland. 220 Leihgaben stammen aus Deutschland, 180 davon aus 
westfälischen Kirchen, Klöstern, Archiven und Museen. Das 
LWL-Landesmuseum und die Domkammer steuern selbst 60 
herausragende Exponate bei.

Die Ausstellung schreibt ein Stück westfälischer Geschichte neu,
 wie Althoff erläuterte. "Das Spätmittelalter stellt sich hier 
nicht als Zeitalter des Niedergangs dar, sondern als kulturelle 
Blütezeit: Ein selbstbewusstes Bürgertum stiftete aus tiefer 
Frömmigkeit hochwertige Kreuze, Kelche oder Schreine. Einige 
Klischees über die Provinzialität der Westfalen lassen sich im 
Licht der 'Goldenen Pracht‘ über Bord werfen." Von der 
Kunstfertigkeit der Goldschmiede zeugen in der Ausstellung laut 
Marx Schätze wie der Cappenberger Barbarossa-Kopf, das wohl 
erste Porträt des Mittelalters, das Borghorster Reliquienkreuz, 
das jüngst in London ausgestellt wurde, und die einzigartigen 
Silberstatuetten wie die der Heiligen Agnes aus dem 
Münsterischen Domschatz.

"Viele Stücke holen wir erstmals aus dem Verborgenen", sagte 
Bistums-Kurator Holger Kempkens. "So werden die Apostelfiguren 
vom Hochaltar des Münsterischen Doms nach Jahrzehnten zum 
ersten Mal wieder öffentlich zu sehen sein. Andere Werke wie 
der Sifridus-Kelch aus dem finnischen Borga, der im 30-jährigen 
Krieg (1618-1648) aus dem Osnabrücker-Schatz verschwand, sind 
nur selten in Deutschland zu bewundern." Die Ausstellung zeigt 
Marx zufolge einerseits sakrale Stücke wie die weltweit älteste 
Monstranz, die aus der Abtei Herkenrode in Belgien stammt. 
Andererseits präsentiert sie edelste Gegenstände für den 
weltlichen Gebrauch wie das einzigartige Ratssilber aus 
Osnabrück oder filigranen Schmuck für die städtische 
Kundschaft. Den westfälischen Objekten werden in der 
Ausstellung jeweils internationale gegenübergestellt. So lassen 
sich laut Kempkens nicht nur internationale künstlerische 
Einflüsse auf die westfälische Kunst entdecken, sondern auch 
die hohe Qualität der Objekte: "Der Beckumer Prudentia-Schrein, 
in heimischer Goldschmiedeproduktion entstanden, wird neben dem 
berühmten Marienschrein aus Tournai erstrahlen, der aus der 
berühmten Werkstatt des Nikolas von Verdun stammt, dem Erbauer 
des Dreikönigsschreins im Kölner Dom." Das kostbarste Material 
des Mittelalters war das Gold: "Ob adlige oder bürgerliche 
Stifter: Das Beste war gerade gut genug, wenn es galt, Gott und 
die Heiligen zu ehren", so Historiker Althoff. Kuratorin Marx 
ergänzte: "Sein überirdischer Glanz machte es zu einem Sinnbild 
für das Ewige, Heilige und Göttliche und brachte den Menschen 
die himmlische Herrlichkeit nahe." Die Goldschmiedearbeiten, 
oft mit Silber und Edelsteinen versehen, wurden so zu 
Zeugnissen christlicher Frömmigkeit und weltlicher 
Repräsentationsbedürfnisse.

Wichtigste Produktionsstätten in Westfalen waren zunächst die 
Bischofssitze Münster, Paderborn und Osnabrück sowie das 
Benediktinerkloster Corvey und das Frauenstift Essen, wie die 
Schau nach den Worten von Kurator Kempkens verdeutlichen wird. 
Ab dem 13. Jahrhundert entstanden die Werke zunehmend in den 
erblühenden Hansestädten Soest und Dortmund. Historiker 
Althoff: "Die Entstehung dieser goldenen Pracht stellt einen 
wesentlichen, bislang kaum erschlossenen Aspekt der Geschichte 
Westfalens dar und kann die historische Identität der Region 
genauso stärken wie die Erinnerung an den Sieg über die Römer 
und an den Westfälischen Frieden."

Markenzeichen der Ausstellung "Goldene Pracht" ist die 
interdisziplinäre Herangehensweise durch die Zusammenarbeit der 
Museen mit dem Exzellenzcluster, die kunsthistorische, 
historische und theologische Blickwinkel vereint. So 
verdeutlicht die Schau den künstlerischen Rang der Werke 
genauso wie das historische und soziale Umfeld, in dem sie 
entstanden. Die Goldschmiedekunst wird in der Ausstellung 
ergänzt durch Skulpturen, Tafelbilder, Buchmalerei und 
liturgische Gewänder. Neben schriftlichen Dokumenten 
veranschaulichen sie den künstlerischen Rang, die Symbolik und 
die vielschichtige Bedeutung der Goldschmiedewerke. (vvm/ska)

"Religion und Politik" - Der Exzellenzcluster der WWU Münster
Im Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Westfälischen 
Wilhelms-Universität Münster (WWU) forschen rund 200 
Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen 
Fächern und elf Ländern. Sie untersuchen das komplexe 
Verhältnis zwischen Religion und Politik von der Antike bis zur 
Gegenwart und von Lateinamerika über Europa bis in die 
arabische und asiatische Welt. Es ist der bundesweit größte 
Forschungsverbund dieser Art und von den deutschlandweit 37 
Exzellenzclustern der einzige zum Thema Religionen. Bund und 
Länder fördern das Vorhaben im Rahmen der Exzellenzinitiative 
bis 2012 mit 37 Millionen Euro.


INFO

Weitere Informationen unter:
URL: http://www.goldene-pracht.de


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte