[WestG] [AKT] Kulturlandschaftsschutz Kommunal: Tagung zu laenderuebergreifendem Kooperationsprojekt zur Bewahrung des kulturellen Erbes

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Apr 6 10:46:06 CEST 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 31.03.2011, 13:30


AKTUELL

Kulturlandschaftsschutz Kommunal 
Tagung zu länderübergreifendem Kooperationsprojekt zur 
Bewahrung des kulturellen Erbes

Was macht die Landschaft zur Kulturlandschaft? Welche Wege zum 
besseren Verständnis und zum Schutz des kulturellen Erbes sind 
möglich? Eine Tagung im Zentrum für Umweltkommunikation der 
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück stellte am 
Donnerstag (31.03.) vor mehr als 70 Teilnehmern 
Arbeitsergebnisse eines Forschungsprojektes vor, das sich mit 
dem Schutz von Kulturlandschaften in Hessen und 
Nordrhein-Westfalen auseinandersetzte.

Projektpartner in dieser länderübergreifenden Kooperation sind 
die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland 
(LVR) sowie das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH). 
Neben einem Eigenanteil der Projektpartner von 350.000 Euro hat 
die DBU das Forschungsprojekt "Kulturlandschaftsschutz 
Kommunal" mit 250.000 Euro gefördert.

DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde: "Das Modellvorhaben 
zeigt, wie Kommunen mit modernen Planungsinstrumenten 
erfolgreich zum Erhalt der historischen Kulturlandschaft 
beitragen können. Die Elemente dieser Landschaft können so in 
ihrer großen Bedeutung für Kultur und Natur bewahrt werden."

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Kulturlandschaften 
erheblich gewandelt. Historisch wertvolle Substanz ging unter 
dem Veränderungsdruck in den Ballungszentren wie auch in den 
landwirtschaftlich genutzten Flächen unwiederbringlich 
verloren. Ziel des Projektes ist es, Instrumente zum Schutz und 
zur Pflege von Kulturlandschaften zu entwickeln.

Gerade im Ruhrgebiet wird für Dr. Klaus-Dieter Kleefeld vom 
LVR-Dezernat Kultur und Umwelt die landschaftliche Veränderung 
durch den demographischen Wandel, Umnutzungen und 
Nachverdichtungen besonders deutlich: "Wo einst die Montan- und 
Schwerindustrie die Landschaft und somit das Bild der 
Heimatregion für die Bevölkerung des Ruhrgebiets prägten, 
finden heute Rückbaumaßnahmen statt - neue Landschaften 
entstehen".

All diese schleichenden Veränderungen werden nun in digitalen 
Informationssystemen (LWL-GeodatenKultur beim LWL sowie KuLaDig 
beim LVR und in Hessen) erfasst. Mit diesen Systemen können 
Fachleute wie auch Bürger fächerübergreifend Informationen 
abrufen. Die webbasierten Informationssysteme helfen den 
Fachbehörden bei der Vermittlung, der Umweltbildung sowie der 
Datenaufbereitung für die Planung. In Vorträgen und 
Diskussionen wurde dem Fachpublikum aus Städtebau, Architektur 
und Landschaftsplanung die Arbeitsergebnisse der drei 
Kooperationspartner in den Piloträumen Castrop-Rauxel (LWL), 
Essen (LVR) sowie dem Rheingau-Taunus-Kreis (LfDH) vorgestellt.

Eine Podiumsdiskussion zum kommunalen Kulturlandschaftsschutz 
schloss die Tagung ab. Unter der Moderation von Lutz Töpfer von 
der DBU diskutieren Roswitha Kirsch-Stracke vom Institut für 
Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. 
Winfried Schenk vom Geographischen Institut der Universität 
Bonn und Prof. em. Dr. Guus Borger, Universiteit van Amsterdam, 
über zukünftige Anwendungsmöglichkeiten in der 
kulturlandschaftlichen Forschung. Prof. Dr. Gerd Weiß, 
Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen, sowie 
Eberhard Eickhoff, Leiter des LWL-Amtes für Landschafts- und 
Baukultur in Westfalen, betonten die vielfältigen 
Anwendungsmöglichkeiten für Organisationen, Fachbehörden wie 
auch Ehrenamtliche in Bereichen wie der Denkmalpflege und 
Landschaftsplanung.

Hintergrund 

Rheingau-Taunus-Kreis (LfDH)
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen erläuterte, wie Spuren 
der Vergangenheit digital erfasst werden. Kulturlandschaftliche 
Daten zu mittelalterlichen Stadtgründungen, vorindustriellen 
Agrarwirtschaften oder historisch bedeutsamen Verkehrswegen 
werden nun in den Kulturlandschaftsinformationssystemen 
übersichtlich erfasst. Neben einer wissenschaftlichen 
Datenerfassung soll das Informationssystem KuLaDig auch die 
Basis für Handlungsempfehlungen für Kommunen oder 
Managementpläne bilden. Hierin sieht Dr. Udo Recker eine große 
Chance für den Kreis und seine Kommunen, künftig gezielter mit 
der Ressource Kulturlandschaft umgehen zu können.

Essen (LVR)
Der LVR stellte seine Erfahrungen mit der Vermittlung von 
kulturlandschaftlichen Themen im schulischen und privaten 
Bereich, aber auch an Hochschulen und im Ehrenamt vor. So 
wurden z.B. an der Volkshochschule Essen Interessierte im 
Umgang mit KuLaDig als Kulturlandschaftsführer geschult. An der 
Universität Bonn beschäftigte sich ein Praxisseminar mit der 
Erfassung von Kulturlandschaft und der Nutzung der Daten für 
Unterrichtszwecke mit unterschiedlichen Themenstellungen in den 
Bereichen Geografie und Umweltschutz.

Castrop-Rauxel (LWL)
Die Stadt Castrop-Rauxel arbeitet zurzeit an einem neuen 
Flächennutzungsplan, in den Erkenntnisse aus dem 
Informationssystem LWL-GeodatenKultur einfließen sollen. 
Michael Höhn vom LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in 
Westfalen vernetzt in der Planung unterschiedliche Fachgebiete 
miteinander. "Die Stadtentwicklung soll Hand in Hand mit dem 
Kulturlandschaftsschutz betrieben werden. Wir geben der Stadt 
Hinweise, wie sie mit ihren eigenen Möglichkeiten ein 
kulturlandschaftliches Handlungs- und Maßnahmenkonzept umsetzen 
kann."

Das Informationsangebot im Internet ermöglicht für Prof. Dr. 
Gerd Weiß vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen eine 
Entwicklung der Kulturlandschaften gemeinsam mit der 
Bevölkerung: "Die breite Beteiligung zahlreicher Institutionen, 
Einrichtungen, Verbände und Vereine wie auch interessierter 
Bürger hat gezeigt, dass das Thema Kulturlandschaft 
zwischenzeitlich in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen 
ist. Der Schutz der historisch gewachsenen Kulturlandschaft ist 
Aufgabe aller - der Bürger ebenso wie der öffentlichen 
Verwaltung und der Politik." Ein digitales 
Kulturlandschafts-Informationssystem könne so das Bewusstsein 
für den Wert des kulturellen Erbes stärken und das 
bürgerschaftliche Engagement fördern.


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