[WestG] [AUS] Expressionistischer Autor Gustav Sack wiederentdeckt, Oelde, bis 09.01.2011
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Sep 24 10:27:36 CEST 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 23.09.2010, 14:49
AUSSTELLUNG
Expressionistischer Autor Gustav Sack wiederentdeckt
Buch und Ausstellung zu LWL-Forschungsprojekt
"Gustav Sack (1885-1916) zählt zu den großen, zu Unrecht
vergessenen Autoren der frühen Moderne. Forschung und
Literaturwelt taten sich schwer mit einer Deutung des
Schriftstellers. Die üblichen Stereotype, mit denen
Literaturgeschichten operieren, versagen in seinem Fall. Den
einen war er zu modern, den anderen zu konservativ", so
umschreibt Prof. Walter Gödden, Geschäftsführer der
Literaturkommission für Westfalen beim Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL), den aus Schermbeck im
rheinisch-westfälischen Grenzgebiet stammenden Dichter.
Gemeinsam mit Steffen Stadthaus hat Gödden dem Autor ein
einjähriges Forschungsprojekt gewidmet. Die Ergebnisse
präsentieren sie in einer Ausstellung im Museum für
Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg (Kreis Warendorf) und
einem 250-seitigen Begleitkatalog, an dem weitere
Literaturwissenschaftler und Autoren mitwirkten.
Die neuen Forschungsbeiträge zu Leben, Werk und Wirkung Sacks
stellen den Autor als kompromisslosen, unorthodoxen
Schriftsteller vor, der sich dem Zeitgeist radikal verweigerte.
Er gleicht einem tragischen Helden, dessen rastloses Leben von
immer neuen Schicksalsschlägen geprägt war. Sacks Bemühungen,
im literarischen Leben Fuß zu fassen, scheiterten ebenso
kläglich wie seine Versuche, sich dem Kriegsdienst durch die
Flucht in die Schweiz zu entziehen. Die finanzielle Misere
zwang ihn schließlich, als Soldat am Ersten Weltkrieg
teilzunehmen.
Er starb, nur 31-jährig, 1916 in Rumänien - zu einem Zeitpunkt,
als sich sein literarischer Durchbruch ankündigte. Den großen
Erfolg seines Romans "Ein verbummelter Student" erlebte der
Autor nicht mehr. Später fand sein Werk, das im renommierten
Fischer-Verlag erschien, prominente Fürsprecher wie Richard
Dehmel, Erich Maria Remarque, Thomas Mann, Theodor W. Adorno
oder auch Marcel Reich-Ranicki.
Sacks Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv
Marbach, was allein schon den literarischen Rang dieses Autors
verbürgt. Zahlreiche Handschriften, Briefe, aber auch
Zeichnungen, Fotos und Dokumente sind noch bis zum 9. Januar
2011 im Museum für Westfälische Literatur zu sehen. Gezeigt
wird außerdem ein Filmfeature über den Autor, das an der
Universität Paderborn erarbeitet wurde.
Ausstellung und Begleitkatalog erschließen die Aktualität eines
Autors, dessen rebellische Attitüde viele Gemeinsamkeiten mit
heutigen Avantgarde- und Underground-Poeten aufweist. Das
Projekt zum 125. Geburtstag des Autors wurde unter anderem vom
Landschaftsverband Rheinland und der Kulturstiftung Schermbeck
unterstützt.
INFO
Walter Gödden, Steffen Stadthaus:
Gustav Sack - Ein verbummelter Student.
Enfant terrible und Mythos der Moderne.
Mit Beiträgen von Thomas Krüger, Arnold Maxwill,
Enno Stahl und Ulrich von Loyen.
Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für
Westfälische Literatur Kulturgut Haus Nottbeck.
Bielefeld: Aisthesis 2010. 248 Seiten. 24,90 Euro.
ISBN 978-3-89528-816-6.
Kulturgut Haus Nottbeck
Museum für Westfälische Literatur
Stromberg
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde
Tel.: 02529 / 94 55 90
Fax: 02529 / 94 55 91
URL: www.kulturgut-nottbeck.de
E-Mail: info(at)kulturgut-nottbeck.de
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