[WestG] [AKT] Neun Archive und Bibliotheken schuetzen gemeinsam ihr Kulturgut
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Sep 24 10:15:13 CEST 2010
Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 23.09.2010, 11:47
AKTUELL
Neun Archive und Bibliotheken schützen gemeinsam ihr Kulturgut
Stadt, LWL, Landesarchiv, Bistum und Hochschulen gründen in
Münster einen Notfallverbund
In Münster haben sich als erster Stadt in Nordrhein-Westfalen
die großen Archive und Bibliotheken zu einem Notfallverbund
zusammengeschlossen, um gemeinsam Vorsorge zum Schutz ihrer
Kulturgüter zu treffen und sich in Unglücks- und
Katastrophenfällen gegenseitig zu unterstützen.
Zu dem Verbund gehören das Bistumsarchiv, die
Diözesanbibliothek, die Hochschulbibliothek der FH, das
Landesarchiv NRW, das LWL-Archivamt für Westfalen, das
Stadtarchiv, die Stadtbücherei, das Universitätsarchiv sowie
die Universitäts- und Landesbibliothek. Dort befinden sich
Millionen Bücher und Archivalien, darunter unersetzliche
Unikate wie eine Ausfertigung des Westfälischen
Friedensvertrages oder die Handschriften und Drucke der
Santini-Sammlung, einer der weltweit wichtigsten
Musik-Sammlungen.
Das Hochwasser an Elbe und Oder im Jahr 2002, der Brand der
Anna Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 und der Einsturz des
Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 haben das Bewusstsein
in Archiven und Bibliotheken dafür geschärft, dass Katastrophen
jederzeit auch die eigene Institution treffen und das
aufbewahrte Kulturgut gefährden oder vernichten können.
Schon bei kleineren Havarien, wenn etwa durch beschädigte
Wasserleitungen oder nach Gewitter- und Starkregen Magazinräume
unerwartet unter Wasser stehen, stoßen die betroffenen
Einrichtungen mit ihren eigenen Kräften schnell an Grenzen. Das
gilt erst recht bei Katastrophen, wenn das Kulturgut schnell,
umfassend und sachgemäß so zu bergen und zu versorgen ist, dass
weiterer Substanzverlust vermieden wird.
Die gegenseitige Unterstützung von Archiven und Bibliotheken in
einem Notfallverbund ist deshalb ein wichtiger Meilenstein für
den Schutz von Kulturgut. Das wurde bei der Unterzeichnung der
Vereinbarung im historischen Rathaus in Münster deutlich. Dort
wurde die Kooperation besiegelt von LWL-Direktor Dr. Wolfgang
Kirsch (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), Generalvikar
Norbert Kleyboldt (Bistum Münster), Oberbürgermeister Markus
Lewe (Stadt Münster), FH-Präsidentin Prof. Dr. Ute von Lojewski
(Fachhochschule Münster), Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles
(Universität Münster) und Präsident Prof. Dr. Wilfried
Reininghaus (Landesarchiv NRW).
Überlegungen zur Bildung eines Notfallverbundes gab es in
Münster schon vor einigen Jahren. Der Einsturz des Archivs der
Stadt Köln gab dann den Anstoß, die Vorbereitungen für die
Kooperation voranzutreiben. Die Vereinbarung enthält nicht nur
Regelungen für die gegenseitige Unterstützung in Havarie- und
Katastrophenfällen. Die Beteiligten verpflichten sich auch, für
alle von ihren Einrichtungen genutzten Räume nach einem
einheitlichen Muster Notfallpläne zu erstellen. Dafür gilt es
Strukturen und Abläufe zu erarbeiten und zu erproben, um im
Unglücks- oder Katastrophenfall den Schaden für das Kulturgut
möglichst gering zu halten.
Notfallvorsorge ist eine Daueraufgabe. Deshalb werden die
Archive und Bibliotheken ihre Notfallpläne künftig regelmäßig
überprüfen und aktualisieren. Das schließt bauliche
Vorkehrungen etwa für den Schutz vor Feuer und Wasser und ein
geeignetes Magazinklima ein. Die gegenseitige Unterstützung im
Notfall wird auch regelmäßig geübt.
Denn Aktionismus aus Betroffenheit anstelle von planmäßigem
Vorgehen führt im Schadensfall mit großer Wahrscheinlichkeit zu
Fehlentscheidungen mit hohen Folgekosten. Daher erfolgte
bereits im Juni im Technischen Zentrum des Landesarchivs in
Coerde eine erste gemeinsame Notfallübung zur Bergung von
durchnässtem Archiv- und Bibliotheksgut.
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