[WestG] [AKT] Seit 90 Jahren verschollene Teile des Epitaphs von Sylvester zu Bueren in Pfarrkirche St. Nikolaus in Bueren entdeckt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Sep 10 11:01:31 CEST 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.09.2010, 13:01
AKTUELL
Seit 90 Jahren verschollene Teile des Epitaphs von Sylvester zu
Büren in Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren entdeckt
Als sich Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler und ihr
Kollege Beat Sigrist vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe
(LWL) den eingerüsteten Turm der Pfarrkirche St. Nikolaus in
Büren (Kreis Paderborn) näher anschauten, weil dessen Fassade
saniert werden sollte, staunten sie: Denn aus einigen schmalen
Fenstern ragten Steinteile, die nicht zur Fassade passten, weil
sie wie Marmor aussahen.
Im Inneren des Turmes fanden sie dann rund 60 Bruchstücke, mit
einigen waren Fenster verschlossen worden, andere waren
aufgestapelt. Das Geheimnis um die rätselhaften Bruchstücke
löste schließlich LWL-Kunsthistoriker Dr. Dirk Strohmann: Die
Bruchstücke sind die seit 90 Jahren vermissten Teile des
Epitaphs (Denkmal, ähnlich einem Grabmal) von Sylvester zu
Büren aus dem 16. Jahrhundert, das die Kirchengemeinde 1924 dem
Kreis Büren schenkte und das heute im Kreismuseum Wewelsburg zu
sehen ist.
"Das ist schon eine kleine Sensation", sagten Heine-Hippler und
Strohmann am Mittwoch (08.09.) als sie die Bruchstücke an ihrem
Fundort vor Journalisten präsentierten. Die Bruchstücke sollen
am Donnerstag geborgen und in einer Restaurierungswerkstatt
gereinigt werden. "Dann können wir sie vermessen, fotografieren
und auf Farbspuren untersuchen", erklärt Heine-Hippler.
Danach beginnt dann das große Puzzlespiel für die
Denkmalpfleger und Restauratoren. Erst danach wissen sie, ob
der 117 mal 82 Zentimeter große mittlere lateinische Textteil
und einer von insgesamt drei deutschen 54 mal 28 Zentimeter
großen Textteilen komplett erhalten geblieben sind. Zu diesem
Puzzle gibt es eine "Anleitung" in Form einer Abschrift der
Texttafeln, die aus dem 19. Jahrhundert stammt.
"Diese Abschrift der deutschen Inschrift im Sockelbereich zeigt
eindeutig, dass das größte Einzelstück aus der Nikolauskirche
der Anfang der Inschrift des Sylvester-Epitaphs ist. Denn der
Verstorbene wird hier namentlich erwähnt", so Strohmann. Neben
den Textteilen im mittleren und unteren Teil besteht das
Epitaph aus einer Relief-Darstellung Sylvesters von Bürens auf
der linken sowie des Kreuzes auf der rechten Seite und jeweils
Wappenreliefs darüber. Ob weitere im Turm gefundene Bruchstücke
wie Gesimsteile und andere Architekturelemente auch zum Epitaph
gehören, muss noch geklärt werden. Gehören sie dazu, hatte das
Epitaph ursprünglich ein anderes Aussehen als bisher gedacht.
Wann genau das Epitaph aus der Kirche entfernt wurde, ist nicht
überliefert. Renovierungen in den Jahren 1861, 1885/90 oder
1922/24 könnten der Anlass gewesen sein. "Wir gehen davon aus,
dass die Kirchengemeinde das Epitaph 1924 dem Kreis Büren für
sein Kreismuseum geschenkt hat. Über die Umstände der Schenkung
ist aber nichts bekannt", so Strohmann.
Hintergrund
Sylvester von Büren (1550 - 1575) war ein jung verstorbener
Spross des Geschlechts der Edelherren von Büren, die in der
Herrschaft Büren landesherrliche Rechte beanspruchten. Obwohl
sie sich damit gegen den Paderborner Fürstbischof als
eigentlichem Territorialherren nicht durchsetzen konnten, waren
sie zeitweise eine der mächtigsten Adelsfamilien der Region.
An der Stelle ihrer Burg in Büren steht heute das ehemalige
Kolleggebäude der Jesuiten. Diesem Orden hatte der letzte
Edelherr, Moritz von Büren, 1661 seinen ganzen Besitz vermacht.
Die Grablege der Edelherren befand sich in der Nikolauskirche
in Büren.
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