[WestG] [AKT] Vortrag ueber die Pionierin Beate Uhse im LWL-Industriemuseum, Witten, 28.10.2010
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Okt 22 11:09:13 CEST 2010
Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 21.10.2010, 11:28
AKTUELL
"Obenrum und untenrum"
Vortrag über die Pionierin Beate Uhse im LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Um Beate Uhse, eine bis heute umstrittene und unkonventionelle
Frau des 20. Jahrhunderts, geht es im nächsten Salon
"Frauenbilder", zu dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe
(LWL) am Donnerstag, 28. Oktober, in sein Industriemuseum Zeche
Nachtigall in Witten einlädt. Dr. Dagmar Kift,
wissenschaftliche Referentin beim LWL-Industriemuseum und
Expertin für Frauen- und Geschlechtergeschichte, wird die 2001
verstorbene Namensgeberin und Chefin von Europas größtem
Versandhaus für Erotikartikel mit Fotos, Filmausschnitten und
Texten aus ihrer Autobiographie vorstellen. Der Vortrag mit dem
Titel "Obenrum und untenrum" beginnt um 18 Uhr.
"Orgasmus-Muse" (Bild am Sonntag), "Frau Oberst der Lustwaffe"
(Penthouse) oder - etwas zurückhaltender - "Liebesdienerin der
Nation" (Die Zeit) hat man sie in der Presse genannt. Der
Tennisclub von Flensburg verweigerte ihr 1963 die Aufnahme,
obwohl sie zu den größten Arbeitergebern und besten
Steuerzahlern vor Ort gehörte. Erst 1999 wurde Beate Uhse
Ehrenbürgerin einer Stadt, die vor allem durch ihr Unternehmen
- und die Verkehrssünder(!)kartei bekannt ist.
Den Versandhandel für Erotikartikel hat Beate Uhse nach dem
Zweiten Weltkrieg aufgebaut. "Die Geschichte ihres Unternehmens
lässt sich durchaus als kleine Sittengeschichte der
Bundesrepublik lesen. Die Geschichte ihres Lebens bis 1945
erzählt dagegen von einer Frau, die eine Leidenschaft für das
Fliegen entwickelt und gegen alle Widerstände auch ausgelebt
hat", so Dagmar Kift.
Am 25. Oktober 1919 auf einem Gut in der Nähe von Königsberg
geboren, wuchs Beate Köstlin als jüngstes Kind in einem
liberalen Elternhaus auf. Sie setzte ihren Wunsch durch,
fliegen zu lernen, und machte 1937 ihren Flugschein. Zwei Jahre
später heiratete sie ihren Fluglehrer, Hans-Jürgen Uhse, der im
Mai 1944 tödlich verunglückte. Beate Uhse selbst flog während
des Krieges bei den Bücker-Werken Flugzeuge ein und in einem
Überführungsgeschwader der Luftwaffe Bomber und Jäger zu ihren
Einsatzorten. 1945 brachte sie das letzte Flugzeug aus Berlin
heraus.
Nach dem Krieg wurde aus einer Pionierin der Luftfahrt eine
Pionierin erst der Aufklärung über Empfängnisverhütung, dann
der Aufklärung über Erotik. Fliegen durfte sie zunächst nicht,
und wie viele andere hielt sie sich und ihren Sohn in der
Nachkriegszeit mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser. Viele
der Frauen, denen sie begegnete, wollten damals nicht schwanger
werden, wussten aber nicht, wie sie Schwangerschaften vermeiden
konnten. Das brachte Beate Uhse auf die Idee, ihr von der
Mutter, einer Ärztin, erworbenes Wissen über
Empfängnisverhütung in einer selbst getippten Broschüre
zusammenzufassen und diese zu vertreiben. Das war der Anfang
ihres Versandhandels, den sie mit ihrem zweiten Mann
Ernst-Walter Rotermund zu einem florierenden Geschäft ausbaute.
Der Bildvortrag "Obenrum und untenrum" greift beide Seiten der
bemerkenswerten Lebensgeschichte dieser Frau auf und bettet sie
ein in eine Geschichte der Technik und Erfindungen aus
weiblicher Sicht.
Für Getränke und Gebäck ist wie immer gesorgt. Eine Anmeldung
zu der Veranstaltung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist
frei.
Salon "Frauenbilder"
Die Veranstaltungsreihe des LWL-Industriemuseums auf der Zeche
Nachtigall ist ein spezielles Angebot insbesondere - aber nicht
ausschließlich - für Besucherinnen. Vorgestellt werden Frauen
des Industriezeitalters. In der Atmosphäre eines Café-Salons
werden Kurzvorträge, Lesungen, Bilder und Literatur angeboten,
die Anregungen für einen entspannten Gedanken- und
Informationsaustausch bieten.
INFO
Anschrift der Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte