[WestG] [AKT] "Wander-Navi" fuer Jakobspilgerwege in Westfalen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Okt 21 10:59:19 CEST 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 21.10.2010, 10:01


AKTUELL

"Wander-Navi" für Jakobspilgerwege in Westfalen
GPS-Tracks im Internet

Auf zwei Jakobspilgerwegen durch Westfalen können sich Wanderer 
jetzt durch ihr Navigationsgerät oder Mobiltelefon leiten 
lassen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt ab 
sofort im Internet entsprechende "GPS-Tracks", das sind 
elektronische Routenbeschreibungen, kostenlos zur Verfügung 
(http://www.jakobspilger.lwl.org).

Die Beschreibungen zeigen den Weg auf Computer-Programmen wie 
"Google Earth" oder "Open Stree Map" und in Navigationsgeräten, 
wie sie Wanderer oder Radfahrer benutzen. Auch auf 
intelligenten Mobiltelefonen (Smartphones) wie dem IPhone 
funktionieren die GPS-Tracks mit entsprechenden Anwendungen 
("Apps").

Die beiden Strecken von Osnabrück über Münster und Dortmund 
nach Wuppertal-Beyenburg sowie von Höxter über Paderborn, Soest 
und Dortmund nach Bochum hat die Altertumskommission für 
Westfalen für den LWL erfasst. Bis 2011 soll ein GPS-Track für 
den Jakobsweg durch das Siegerland fertig sein, später werden 
die geplanten Routen durch Ostwestfalen und durch das 
Münsterland erfasst.

Die Tracks gibt es zum Herunterladen jeweils unterschiedlich 
für Fußpilger und Radfahrer in den Formaten gpx (für alle 
gängigen GPS-Navigationsgeräte und für Smartphones), kml (für 
Google Earth) und ovl (für amtliche Karten). "Das ist ein 
weiterer Service für Pilger, ergänzend zum Kartenmaterial in 
unseren Führern und zur Ausschilderung am Weg", so LWL-Direktor 
Dr. Wolfgang Kirsch.

Die Routen sind entsprechend der Etappen in den drei 
Pilgerführern ("Jakobswege". Von Osnabrück über Münster und 
Dortmund nach Wuppertal-Beyenburg, Band 6, Bachem-Verlag, ISBN 
978-3-7616-2210-0 und " Jakobswege". Von Höxter über Paderborn 
und Soest nach Dortmund, Band 8, Bachem-Verlag, ISBN 
978-3-7616-2380-0 und "Jakobswege". Von Dortmund nach Aachen, 
Band 9, ISBN 978-3-7616-2381-7) unterteilt und auch für ältere 
GPS-Geräte geeignet. Insgesamt 211 Wegstationen (so genannte 
"Waypoints"), die der Nummerierung der sehenswerten Punkte in 
den Büchern entsprechen, verweisen auf die Seitenzahl im 
jeweiligen Pilgerführer, so dass Hintergrundinformationen 
einfach zu finden und nachzulesen sind.

Hintergrund
Die Altertumskommission für Westfalen hat im Auftrag des LWL 
zwei Wanderwege für Jakobspilger zwischen Osnabrück und 
Wuppertal und von Höxter nach Bochum zunächst wissenschaftlich 
erforscht und dann ausgeschildert. Drei Führer beschreiben die 
historischen Wege, die über 1.000 Jahre alte Tradition der 
Pilgerreise nach Santiago de Compostela (Spanien) und die 
Sehenswürdigkeiten entlang der Trassen in Westfalen.

Die Wege sind nach Angaben von LWL-Expertin Ulrike Spichal 
weitgehend an historisch belegte Wegführungen angelehnt. 
Spichal: "Wir haben Reste von Hohlwegen gefunden, die sich 
durch die schweren Fuhrwerke ins Gelände eingegraben hatten. 
Auch Wachtürme an den Landwehrdurchlässen sind Zeugnisse der 
alten Wegetrasse."

Dass auch tatsächlich Pilger die Wege benutzten, zeigen 
zahlreiche Funde von verlorenen Pilgerzeichen, nicht nur 
Jakobsmuscheln, sondern auch Zeichen anderer Wallfahrtsorte, 
die z.T. auf dem Weg nach Santiago lagen. Auch Hinweise auf 
Unterkünfte für mittelalterliche Pilger fanden sich in am 
Wegrand. Im noch heute bestehenden Pilgrim-Haus in Soest zum 
Beispiel, das direkt am Jakobitor mit gleichnamiger Kapelle lag,
 fanden Pilger bereits seit 1309 Unterkunft. Auch in Dortmund, 
dem Kreuzungspunkt des Hellweges mit der Nord-Süd-Strecke, 
befand sich seit dem 14. Jahrhundert ein Gasthaus, das sich der 
Unterbringung armer Pilger angenommen hat.

Die nächsten Strecken
Zwei weitere Strecken in Westfalen - von Minden über Herford 
und Bielefeld nach Lippstadt (2011/12) und von Warendorf über 
Münster und Coesfeld an den Niederrhein (2013/14) - sind die 
nächsten Projekte der Altertumskommission für Westfalen. Das 
Projekt will die mittelalterlichen Wege und die Spuren der 
Jakobspilger in Westfalen möglichst genau rekonstruieren: 
Entgegen heutiger Vorstellung gab es für die Pilger in 
Westfalen und anderswo keine eigenen Wege, im Gegenteil: Sie 
suchten aus Angst vor Überfällen stark frequentierte, bekannte 
Trassen.

Die Geschichte der Jakobspilgerwege Die Pilgerfahrt zum Grab 
des Apostels Jakobus des Älteren im über 2.000 Kilometer 
entfernten nordspanischen Santiago de Compostela hat eine 
Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Man versprach 
sich die Heilung von Körper und Seele als Lohn für den Besuch 
der Kultstätte.

Seit dem 10. Jahrhundert kamen aus ganz Europa Pilger, Männer 
und Frauen aus allen Schichten, nach Spanien, zu Fuß oder zu 
Pferd. Als Beleg und Erkennungszeichen diente die Jakobsmuschel,
 die jeder Pilger in Santiago erstehen konnte und deutlich 
sichtbar an der Kleidung oder Umhängetasche trug.

"Seit einigen Jahren erlebt die Pilgerfahrt eine Renaissance, 
nicht erst, seit TV-Stars wie Hape Kerkeling sich auf den Weg 
machten: 2009 waren es über 140.000 Pilger, darunter etwa zehn 
Prozent Deutsche. Bereits 1987 hatte der Europarat dazu 
aufgerufen, die Jakobspilgerwege in Europa zu erforschen. 1993 
erklärte die UNESCO den spanischen Teil des Weges, den "Camino 
Francés", zum Weltkulturerbe.

Über Jakobspilger, die aus Westfalen stammen, ist insgesamt nur 
wenig bekannt. Ein er der bekanntesten westfälischen Pilger ist 
Bischof Anno aus Minden, der sich in den Jahren 1174 und 1175 
auf den Weg nach Santiago de Compostela machte, das damals als 
Pilgerort gleichrangig neben Rom und Jerusalem stand.

Durch eine Pilgerreise konnten Verbrecher auch ihrer Strafe 
entgehen, wenn ein Gericht sie dazu verurteilte. "Bettler, 
Räuber und Steuerhinterzieher im Pilgergewand haben zusammen 
mit den Strafpilgern die Pilgerfahrt im Laufe der Zeit in 
Verruf gebracht. Jakobsbrüder wurden vielerorts mit Gesindel 
gleichgestellt. In Herford, einer wichtigen Sammelstation für 
Pilger in Westfalen, soll die Jakobikirche 1530 wegen der 
Jakobspilger, die den Status für ihre Zwecke ausgenutzt haben, 
geschlossen worden sein", erläutert Spichal. Für mittellose 
Menschen war jedoch eine Pilgerreise oft die einzige 
Möglichkeit, die Heimat zu verlassen. Wohlhabende konnten das 
Pilgern auch delegieren und einen Berufspilger mieten.


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