[WestG] [AKT] NS-Filmpropaganda am Beispiel "Jud Sueß": Seminar im Schlachthof-Kino Soest regte Schueler zum Nachdenken an
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Nov 11 10:20:28 CET 2010
Von: "Kreis Soest" <info at presse-service.de>
Datum: 10.11.2010, 15:51
AKTUELL
NS-Filmpropaganda am Beispiel "Jud Süß"
Seminar im Schlachthof-Kino Soest regte Schüler zum Nachdenken
an
Eine besondere Zeitreise in die deutsche NS-Vergangenheit fand
am Dienstag, 9. November 2010, im Schlachthof-Kino in Soest
statt. Während eines vom Medienzentrum des Kreises Soest
(Schulungs- und Beratungszentrum für Lern- und
Unterrichtsentwicklung) veranstalteten Kinoseminars zur
"Nationalsozialistischen Filmpropaganda" sahen Klassen der
Sekundarstufe II aus Soest, Erwitte und Geseke in zwei
Vorführungen den Film "Jud Süß".
Diesen Propagandafilm vom NS-Starregisseur Veit Harlan sahen im
Veröffentlichungsjahr 1940 über 20 Millionen deutsche
Kinobesucher - er zog damit mehr Zuschauer an als moderne
Publikumsmagneten wie Titanic oder Avatar.
Nationalsozialistische Propagandaproduktionen wie "Jud Süß"
sind so genannte "Vorbehaltsfilme", die heute im Kino nur im
Rahmen von Bildungsveranstaltungen vorgeführt werden dürfen.
Zur Verfügung gestellt werden diese Filme von der
Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Vor und nach dem Film erläuterte
der Religions- und Medienpädagoge Michael M. Kleinschmidt aus
Köln als Referent des Instituts für Kino und Filmkultur einige
historische Hintergründe und leitete die anschließende
Diskussion.
Kleinschmidt schilderte den Sinn und Zweck, den sich die Nazis
von NS-Propagandafilmen wie "Jud Süß" versprachen. Um seine
Aussagen zu bekräftigen, rief er den Reichspropagandaminister
Joseph Goebbels durch die Wiedergabe einiger Zitate sozusagen
in den Zeugenstand und stellte somit die Manipulationsabsichten
der Filmmacher heraus.
Der Medienpädagoge lenkte das Augenmerk der Schüler gezielt auf
einige Stilmittel wie die eindeutige Porträtierung der Juden
und den klar dargestellten Gegensatz zwischen den "guten"
Deutschen und den "bösen" Juden. Er verdeutlichte anhand
einiger Szenen die gezielte ideologische Manipulation des
Publikums.
Nach einer angeregten Diskussion über die Wirkung des Films
stellte Michael Kleinschmidt schließlich drei zentrale Fragen:
Kann ein Film wie "Jud Süß" heute gefahrlos und ohne jegliche
Erläuterung frei gezeigt werden? Sollten alte
NS-Propagandafilme generell verboten werden? Oder sollten
solche Zeitdokumente nur - wie hier geschehen - im Rahmen einer
kommentierten Bildungsveranstaltung gezeigt werden? Der
Großteil der Schüler stimmte für die letzte Variante. "Das
unterstreicht die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen für die
politische und historische Bildung", zieht Hans-Jürgen Garn,
Leiter des Medienzentrums, Bilanz.
Mit dieser Vorführung endete endgültig eine Ära. Zum letzten
Mal war Thomas Zedler für einen Filmablauf verantwortlich. Mit
seinem Ausstieg aus dem Schlachthofkino endet eine langjährige
vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Medienzentrum und
ihm zum Thema Film. Hans-Jürgen Garn "Wir sagen ein herzliches
Dankeschön. Ganz sicher wird aber die Filmarbeit mit dem
Schlachthofkino auch mit den neuen Verantwortlichen weiter
geführt."
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