[WestG] [AKT] Filmvorfuehrung, Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder, 27.03.2010

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Mo Mär 22 10:18:29 CET 2010


Von: "Laue, Christoph (Kreis Herford)" <C.Laue at Kreis-Herford.de>
Datum: 22.03.2010, 09:29


AKTUELL

"Unerwünscht und vergessen"
Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder 
im Zweiten Weltkrieg, Film

Filmvorführung
Sa., 27. März, 16.00 Uhr 
Gedenkstätte Zellentrakt 
Rathausplatz 1
32052 Herford

1.273 Kinder kamen im Zweiten Weltkrieg im Entbindungslager Holthausen
für Zwangsarbeiterinnen zur Welt. Nicht einmal die Hälfte dieser
Neugeborenen überlebte. Die Historikern Anne Roerkohl erzählt die
Geschichte von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern in ihrem Film
"Unerwünscht und Vergessen".

Vor dem Film wird Helga Kohne eine kurze Einführung in die Thematik
geben.  



Diese Veranstaltung gehört zum Begleitprogramm zur Ausstellung
Zwangsarbeit im Raum Herford. Noch bis zum 17. Juli 2010 wird der
Gedenkstätte Zellentrakt im Herforder Rathaus die aktuelle Ausstellung
"Zwangsarbeit im Raum Herford" zu sehen sein. Sie ist zu den normalen
Öffnungszeiten (Samstags 14 - 16 Uhr) und für Gruppen und
Schulklassen nach Vereinbarung zu sehen.

Bereits vor 20 Jahren erarbeitete die Geschichtswerkstatt "Arbeit und
Leben DGB/VHS Herford" als eine der ersten in der Bundesrepublik - eine
Ausstellung zum Thema Zwangsarbeit im Raum Herford, die in den Jahren
darauf durch den ganzen Kreis Herford wanderte. Seinerzeit war es das
Anliegen, diese lange verdrängte Geschichte vor Ort ans Licht zu bringen
und den betroffenen Menschen ein Gesicht zu geben. 

Wenige Jahre später, 1994 waren frühere Zwangsarbeiterinnen aus der
Ukraine zu Gast in Herford. Die 2000 gegründete (Bundes-)Stiftung für
die Entschädigung von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern des NS-Regimes
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" hat 2007 ihre Arbeit
abgeschlossen.

Das Thema Zwangsarbeit ist damit aber keineswegs "erledigt". Beleuchtet
es doch u.a. zwei zentrale Aspekte nationalsozialistischer Ideologie:
- die Eroberung von Lebensraum in Osteuropa sowie
- den Aufbau einer nach ́rassischen` Kriterien gegliederten
Gesellschaftsordnung.

Über zehn Millionen Verschleppte und Kriegsgefangene schufteten für die
deutsche (Kriegs-)Wirtschaft und in der Landwirtschaft. Alte, Junge,
Männer, Frauen, oft 12- bis 15jährige Kinder transportierten die
Deutschen aus ihrer Heimat ab, weg von der Strasse, vom Feld, dem
Zuhause ins Ungewisse. Tausende starben an Hunger oder Krankheit oder
wurden ermordet.

Auch im Kreis Herford waren zwischen 1939 und 1945 tausende
Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter sowie Kriegsgefangene verschiedener
Nationalitäten zwangsverpflichtet. In überschaubarer räumlicher Nähe
dokumentierte sich für jeden sichtbar ein Stück nationalsozialistischer
Herrschaft und Rasseideologie. 

Für viele war es eine Reise ohne Rückkehr. Der Umgang mit den Fremden
war im Kreis Herford, weder in den Betrieben, in der Landwirtschaft noch
in der Verwaltung besser oder anders als sonst im Deutschen Reich.
Menschenfreundliches, mutiges oder gar christliches Verhalten gab es,
war aber absolute Seltenheit.

Einzelschicksale zeigen einen Leidensweg, der von der Verschleppung zur
Arbeit, dem Weg in Konzentrations- oder Arbeitserziehungslager bis hin
zum Tod oder der Ermordung reichte. 

Die Gedenkstätte Zellentrakt ist ein authentischer Ort zu diesem Thema.
In das ehemalige Herforder Polizeigefängnis lieferte die Polizei
Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, wenn sie Widerstand übten oder
flüchteten ein und vernahmen sie. Vor hier ging es für Viele in
andere Lager. Einige hinterließen Spuren.

Die Ausstellung bewahrt das Erinnern, präsentiert neue Ergebnisse und
Quellen zur örtlichen Zwangsarbeit und ist ein Beitrag zur Aussöhnung
mit den Opfern. Vor allem jungen Menschen soll deutlich werden, dass es
für die Geschichte des Nationalsozialismus niemals einen Schlussstrich
geben darf.

Für Schüler und Lehrer gibt es zum Besuch der Ausstellung ein
Arbeitsblatt, das im Zellentrakt oder über www.zellentrakt.de erhältlich
ist. 


Veranstalter der Ausstellung sind Arbeit und Leben DGB/VHS Herford,
Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken und Gedenkstätte
Zellentrakt/Stadtarchiv Herford. Die Ausstellung, das pädagogische
Material und die Begleitveranstaltungen wurden von Helga Kohne,
Christoph Laue, Michael Oldemeier und Schülerinnen und Schülern des
Ravensberger Gymnasiums erarbeitet, die Gestaltung der Ausstellung
stammt von Elke Brunegraf und Christoph Laue. 


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