[WestG] [AKT] LWL zeichnet Glockenspiel im Rathaus von Hoexter als Denkmal des Monats aus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 17 08:48:36 CET 2010


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.02.2010, 11:23


AKTUELL

LWL zeichnet Glockenspiel im Rathaus von Höxter als 
Denkmal des Monats aus
Mit 50 Jahren gehört das Carillon zu den ältesten seiner Art

Das 1959 im Historischen Rathaus von Höxter eingeweihte 
Carillon ist das jüngste Denkmal der Stadt, gleichzeitig gehört 
das gerade in die Denkmalliste eingetragene Instrument zu den 
ältesten fest eingebauten Glockenspielen Deutschlands, weil die 
Glocken der älteren Instrumente im Zweiten Weltkrieg zum großen 
Teil eingeschmolzen wurden. Der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) hat den Denkmalneuling gleich zum Denkmal 
des Monats Februar gekürt. "Das Carillon in Höxter ist unter 
den mittlerweile wieder zahlreichen Großinstrumenten in 
Westfalen-Lippe das einzige historische, das unter 
Denkmalschutz steht. Mit seiner Spielautomatik und den 
überlieferten Liedern ist es ein bedeutendes 
musikwissenschaftliches Dokument", begründet 
LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus die Wahl.

Die Initiative zur Einrichtung des Carillon ging in Höxter 1955 
von Oberjustizinspektor Josef Michels aus. Er wollte damit den 
Dichter der deutschen Nationalhymne, August Heinrich Hoffmann 
von Fallersleben, ehren. Von Fallersleben hatte im benachbarten 
Corvey, dessen Benediktinerkloster nach der Säkularisation zum 
Schloss umgestaltet worden war, von 1860 bis 1874 als 
Bibliothekar gewirkt. Hier hat er auch seine letzte Ruhestätte 
gefunden. Innerhalb von drei Jahren spendete die Höxteraner 
Bevölkerung 34.000 Mark. Der Spieltisch des zweimanualigen 
Instrumentes wurde von der Firma Eduard Korfhage aus Melle-Buer 
(Kreis Osnabrück) gebaut. Die Glo-cken wurden von der 
Glockengießerei der Gebrüder Rincker in Sinn (Lahn-Dill-Kreis) 
gegossen. Die größte Glocke trägt die Initiale R sowie die 
Jahreszahl 1958. Am 1. Mai 1959 wurde das Carillon eingeweiht.

Hintergrund
Mit Klaviertasten werden die elektromagnetisch betriebenen 
Hämmer der 35 unterschiedlich großen Bronzeglocken gesteuert. 
Die Glocken hängen in einem eisernen Stuhl in dem achteckigen 
Glockenturm mit großen Schallöffnungen. Täglich fünfmal 
erklingen je nach Jahreszeit verschiedene Lieder, darunter auch 
das Deutschlandlied. Während gestanzte Walzen diese üblichen 
Klänge automatisch erzeugen, wird das Carillon zu besonderen 
Anlässen direkt vom Spieltisch aus zum Klingen gebracht.

Hintergrund: das Carillon
Seinen Ursprung hat das Carillon in Belgien, den Niederlanden 
und Nordfrankreich. Das erste gestimmte Carillon wurde 1652 von 
den aus Lothringen stammenden Brüdern Pieter und Francois 
Hemony in Amsterdam gegossen und in Zutphen aufgebaut. Bis zum 
Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Glockenspielkunst in 
Vergessenheit. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts kam das 
Carillon, das aus mindestens 23 Bronzeglocken besteht und eine 
Klangfülle von zwei Oktaven erreicht, von Belgien ausgehend 
wieder in Mode.

Die Mehrzahl der historischen Glocken der Carillons wurden wie 
die Kirchenglocken zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Nach dem 
Zweiten Weltkrieg entstanden neue Carillons, teilweise an den 
erhaltenen historischen Standorten, vornehmlich in Kirchtürmen 
und Rathäusern. Das Carillon der Christianskirche in 
Hamburg-Altona ist das älteste in Deutschland. Gegossen im 
Jahre 1936 von der Glockengießerfamilie Schilling in Apolda 
(Thüringen), wurden die Glocken 1943 ausgebaut und auf den 
"Glockenfriedhof" auf der Veddel im Hamburger Hafen gebracht. 
Sie wurden ver-schont und konnten wieder eingebaut werden.


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