[WestG] [AKT] "Ein Archivschatz, der gehoben werden will": AOK sichert historisches Schriftgut im Soester Kreisarchiv
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 17 08:38:36 CET 2010
Von: "Kreis Soest" <info at presse-service.de>
Datum: 16.02.2010, 10:02
AKTUELL
"Ein Archivschatz, der gehoben werden will"
AOK sichert historisches Schriftgut im Soester Kreisarchiv
Das Soester Kreisarchiv ist um einen bedeutenden Quellenfundus
für die lokale und regionale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
reicher. In der Villa Plange wurde historisches Schriftgut der
ehemaligen AOK Lippstadt-Soest und ihrer Vorgängereinrichtungen,
darunter der AOK der Stadt Soest und der AOK der Stadt
Lippstadt sowie der AOK´s Anröchte und Geseke, eingelagert.
"Ein Archivschatz, der gehoben werden will", meint
Kreisarchivarin Beatrix Pusch. Die Voraussetzungen dafür sind
bestens. Denn Nicola Bruns vom LWL-Archivamt für Westfalen in
Münster hat umfangreiche Vorarbeit geleistet. Sie bewertete das
vorhandene Schriftgut vor Ort in den AOK-Geschäftsstellen und
bereitete es archivfachlich auf. "Alles ist professionell
verzeichnet, die Forschung wird von den erschlossenen
Aktenbeständen profitieren", ist ihr Kollege Hans-Jürgen
Höötmann sicher.
Dieser Aktenbestand, den Franz-Josef Dinkel von der
AOK-Regionaldirektion Hochsauerland, Lippstadt-Soest übergab,
umfasst den Zeitraum von 1884 bis 1995 und hat mit 238
Archiveinheiten einen Umfang von fünf laufenden Metern.
Besonders hat sich Nicola Bruns darüber gefreut, dass für den
Kreis Soest alle Unterlagen lückenlos vorhanden sind. Auch ein
besonderes Schmankerl ging nicht verloren: Das Protokollbuch
der Krankenkasse der "Tabacks- und Cigarrenarbeiter Lippstadt",
das den Zeitraum von 1887 bis 1913 abbildet.
Zur zentralen Überlieferung der Allgemeine Ortskrankenkassen
zählen insbesondere Protokollbücher der
Selbstverwaltungsgremien, zum Beispiel des Kassenvorstandes,
Unterlagen zu den Sozialwahlen, Satzungen, Haushaltspläne,
Rechnungsunterlagen und Geschäftsberichte.
"Diese Unterlagen geben Auskunft über die Organisation der
Krankenversicherung, die Ausgestaltung sozialer Sicherheit bei
der Leistungsentwicklung sowie die demokratische Mitbestimmung
der Versicherten und Arbeitsgeber und lassen so beispielsweise
Rückschlüsse auf die öffentlich-rechtliche Daseinsvorsorge im
Krankheitsfall zu", erläutert Kreisarchivarin Beatrix Pusch.
Weil die Archivierung des Schriftgutes ehemaliger Allgemeiner
Ortskrankenkassen in Westfalen-Lippe flächendeckend erfolgt sei,
böten die Quellen neben Informationen über das soziale
Geschehen in einer Region auch Material für vergleichende
Untersuchungen.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen in Westfalen-Lippe wurden
nach Inkrafttreten des Bismarckschen
Krankenversicherungsgesetzes 1884 auf der Ebene der Gemeinden
gegründet. Sie passten sich im Laufe der Zeit durch
Kassenzusammenlegungen in etwa dem Verwaltungszuschnitt der
heutigem Stadt- und Landkreise an. Die einzelnen Kassen waren
bis zu ihrer Fusion zur AOK Westfalen-Lippe im Jahr 1994
rechtlich selbstständig und besaßen im Bereich der gesetzlichen
Krankenversicherung auf lokaler und regionaler Ebene eine
starke Stellung. Beatrix Pusch: "Daher ist eine archivische
Sicherung der Überlieferung der ehemals selbständigen Kassen
und die damit verbundene Ermöglichung sozial- und
wirtschaftsgeschichtlicher Forschungen von hohem Wert."
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