[WestG] [AKT] Max-Weber-Preis an RUB-Historiker: Bayerische Akademie der Wissenschaften ehrt Prof. Dr. Cornel Zwierlein
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Dez 8 11:42:08 CET 2010
Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 08.12.2010, 09:16
AKTUELL
Max-Weber-Preis an RUB-Historiker
Bayerische Akademie der Wissenschaften ehrt Prof. Dr. Cornel
Zwierlein
Historischer Vergleich der politischen Entscheidungsfindung
Für seine Dissertation "Discorso und Lex Dei. Die Entstehung
neuer Denkrahmen im 16. Jahrhundert und die Wahrnehmung der
französischen Religionskriege in Italien und Deutschland" hat
die Bayerische Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Cornel
Zwierlein (Umweltgeschichte, Historisches Institut der RUB) mit
dem Max Weber-Preis ausgezeichnet. Der renommierte Preis, der
interdisziplinär für hervorragende Werke in den
Geisteswissenschaften verliehen wird, wurde seit 1994 erst
einmal einem Historiker zuerkannt.
Methodischer Machiavellismus oder Göttliches Recht?
Als "eine ungewöhnlich gründliche, ideenreiche und anregende
vergleichende Auseinandersetzung mit politischen Verfahren,
Geistesgeschichte und Öffentlichkeit im 16. und frühen 17.
Jahrhundert", bewertet die philosophisch-historische Klasse der
Akademie Zwierleins Doktorarbeit, die 2003 in München und Tours
entstanden ist. In deren Zentrum steht ein Vergleich zwischen
politischen Verfahren in Savoyen-Piemont und in der Kurpfalz.
Zwierlein untersuchte, auf welchen Wegen die politischen
Akteure in diesen beiden Territorien Nachrichten von den in
Frankreich ausbrechenden Hugenottenkriegen (1562-1598)
erhielten, nach welchen Regeln sie diese verarbeiteten, auf
welchen Grundmustern ihre politischen Entscheidungen basierten
und wie diese dann in der Öffentlichkeit verbreitet wurden
("Propaganda"). Wie aufgrund neuer Medien (handschriftliche
Zeitungen) Politikbeobachtung, reflexive Wahrnehmung der
Akteure und letztlich Entscheidungsprozesse verändert wurden,
ist die zentrale Frage.
Für den komplexen Entscheidungsfindungsprozess prägt Zwierlein
den Begriff "Denkrahmen". Dabei stellt er einen grundlegenden
Unterschied zwischen Italien und Deutschland fest. Im
italienisch-französisch geprägten Savoyen-Piemont dominierten
die Denkstrukturen des "discorso": In der Nachfolge des frühen
Machiavellismus sammelte man möglichst aktuelle und umfassende
Nachrichten, verglich sie mit historischen Fällen, analysierte
sie nüchtern und wog Handlungsoptionen funktional gegeneinander
ab.
Im deutschen Südwesten hingegen wurde die politische
Entscheidungsfindung normativ entweder von den Vorgaben der
reformierten Theologie (Lex Dei) oder gemäß dem Reichsherkommen
gelenkt.
Zur Person
Prof. Dr. Cornel Zwierlein, Jahrgang 1973, studierte Geschichte,
Germanistik und Rechtswissenschaft und war Stipendiat der
Studienstiftung des Deutschen Volkes und des DAAD. Seine von
der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Dissertation entstand in
französisch-deutscher Doppelbetreuung (LMU München/Universität
Tours).
Cornel Zwierlein war wissenschaftlicher Assistent an der LMU
München, Teilprojektleiter im SFB 573 und kam von dort im April
2008 an die Ruhr-Universität; hier ist er Juniorprofessor für
Umweltgeschichte. Er leitet ein DFG-Projekt zur 'Risikozähmung
in der Vormoderne'.
Seine Habilitationsschrift 'Der gezähmte Prometheus. Zum
Verhältnis von Sicherheit und Moderne am Beispiel von
Brandgefahr und Feuerversicherung, ca. 1680-1850' wurde in
diesem Jahr bei der Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB
eingereicht, das Verfahren wird nach Plan im Januar
abgeschlossen. Seit 2009 ist er Mitglied des Jungen Kollegs der
Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der
Künste.
INFO
Prof. Dr. Cornel Zwierlein
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Tel.: 0234/32-24684
E-Mail: Cornel.Zwierlein at rub.de
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte