[WestG] [AKT] Aus alten Lippearmen geborgen: LWL-Archaeologen begleiten Renaturierung der Lippe

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Nov 26 10:51:41 CET 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 25.11.2009, 13:29


AKTUELL

Aus alten Lippearmen geborgen
LWL-Archäologen begleiten Renaturierung der Lippe

Bei der Begleitung der Renaturierung der Lippe bei Lippstadt 
(Kreis Soest) haben Archäologen des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe (LWL) Keramikscherben und andere Objekte 
geborgen, die bis zu 4000 Jahre alt sind.

Die ältesten Funde sind über 200 Scherben von groben, 
dickwandigen Gefäßen. Weil der Ton der Scherben stark mit 
Quarzgrus durchsetzt ist, können die LWL-Archäologen die 
Gefäßreste in die Bronzezeit vor 4000 Jahren datieren. "Diese 
Scherben füllen eine Lücke in der Überlieferung der Region um 
Lippstadt, denn bislang waren nur Funde aus der vorangegangenen 
Steinzeit und der nachfolgenden Eisenzeit bekannt", erklärt Dr. 
Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen die große 
Bedeutung der Funde.

Maren Gaertner-Krohn entdeckte die Scherben auf dem Grund eines 
Altarms der Lippe, als sie für die LWL-Archäologie die 
Renaturierung der Lippe begleitete. Denn bei den Maßnahmen zum 
Umbau des Flusses werden vom Bagger immer wieder ältere, 
verlandete Altarme der Lippe angeschnitten, in denen 
archäologische Funde eingebettet sind. Die Archäologin 
beobachtete die Baggerarbeiten und untersuchte im Verdachtsfall 
auch den Aushub genauer.

So barg sie aus den Ablagerungen eines weiteren Altarms der 
Lippe noch typische Scherben der mittleren vorrömischen 
Eisenzeit (4. bis 3. Jahrhundert v. Chr.), die das reiche 
Fundbild für diese Zeit an der Lippe ergänzen. Weitere Funde 
stammen aus dem Mittelalter, darunter ein silberner Soester 
Pfennig aus der Zeit um 1200 und ein Beschlag eines 
Schwertgurtes aus Bronze. Das mit Pflanzenornamenten reich 
verzierte Stück gehört in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts,
 als die Region nach der Eingliederung in das Frankenreich 
systematisch mit Siedlungen und Wegen ausgebaut wurde.

Hintergrund
"Diese Ergebnisse zeigen exemplarisch, wie wichtig es ist, die 
zahlreichen Projekte zum naturnahen Umbau unserer Flüsse 
archäologisch zu begleiten. Nur so lassen sich die hier 
verborgenen Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte sichern, die 
sonst unweigerlich verloren wären. Dabei können sie, wie jetzt 
in Lippstadt, unser Wissen um unsere älteste Geschichte für 
manche Regionen ganz wesentlich ergänzen. Denn die Gewässer 
waren zu allen Zeiten ein zentraler Bestandteil der 
menschlichen Siedlungsgeschichte", so Prof. Dr. Michael Baales, 
der Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für 
Westfalen.

Die Renaturierung der westfälischen Fließgewässer im Rahmen der 
EU-Wasserrahmenrichtlinie ist bei den Archäologen in Westfalen 
ein aktuelles Thema. Wie die Lippe werden auch andere Flüsse 
seit einigen Jahren umgebaut, um sie als natürlichen Lebensraum 
für Tiere und Pflanzen wiederherzustellen und für einen 
besseren Hochwasserschutz zu sorgen. Bei der Renaturierung der 
Seseke und des Körnebachs im Kreis Unna zum Beispiel hatte ein 
ehrenamtlicher Mitarbeiter des LWL menschliche Knochen mit 
Beifunden entdeckt, die die Experten als Flussopfer 
interpretieren.

Im Gebiet der Stadt Lippstadt konnten die Maßnahmen in diesem 
Jahr erstmals begleitet werden, die Kosten trug die 
Bezirksregierung Arnsberg. Die Renaturierung der Lippe wird in 
den nächsten Jahren fortgesetzt, ihre Begleitung ist bereits 
fest vereinbart.


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