[WestG] [AKT] Hermann als Stummfilmstar: LWL-Medienzentrum praesentiert historischen Spielfilm

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mai 28 10:13:04 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.05.2009, 15:31


AKTUELL

Hermann als Stummfilmstar
LWL-Medienzentrum präsentiert historischen Spielfilm

Im Varusjahr hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
den Film "Die Hermannschlacht", einen historischen Streifen aus 
der Frühzeit des westfälischen Kinos, zu neuem Leben auf DVD 
erweckt. Bei den aufwendigen Dreharbeiten in den Jahren 1922 
und 1923 im Raum Detmold wirkten mehr als 1000 Statisten und 
knapp 200 Pferde mit. Im Mittelpunkt steht Hermann der 
Cherusker, der eigentlich Arminius hieß. "Der Sieger der 
Schlacht im Teutoburger Wald avancierte zumindest vorübergehend 
zum Filmstar", sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch bei der 
Vorstellung des Films am Mittwoch (27. Mai) im LWL-Römermuseum 
in Haltern am See.

"Großartige Bildhaftigkeit der Szenen, glänzende Massenregie 
und hervorragende Darstellung der Hauptrollen sichern dem Film 
eine erste Stelle unter den historischen Großfilmen der letzten 
Zeit", schrieb der Generalanzeiger in Würzburg nach der 
Uraufführung am 27. Februar 1924 im Detmolder Landestheater, zu 
der die gesamte lippische Politprominenz erschien. Dr. Volker 
Jakob vom LWL-Medienzentrum für Westfalen ist der Geschichte 
des Streifens nachgegangen. Sein Urteil: "Künstlerisch ist der 
Film eher schwach und aus heutiger Sicht oft unfreiwillig 
komisch. Umso prägnanter artikuliert sich die 
politisch-propagandistische Intention."

Regisseur Dr. Leo Koenig, der langjährige Theater- aber keine 
Filmerfahrung besaß, habe den Auftrag bekommen, eine politische 
Botschaft zu vermitteln, so Jakob. "Die Hermannschlacht" 
lieferte eine Antwort auf die Situation im Jahr 1923, als 
Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet besetzt hielten, um 
ausbleibende Reparationszahlungen Deutschlands nach dem Ersten 
Weltkrieg zu erzwingen. Jakob: "Dass dieser Film zwar von den 
Römern sprach, aber die damaligen 'Erzfeinde', die Franzosen 
meinte, wurde von dem begeisterten Premierenpublikum sofort 
verstanden." Ihnen sollte der Film verdeutlichen, dass sich 
jede "Fremdherrschaft" durch ein geeintes Volk unter einem 
starken Führer beenden lasse.

Das damals als großartiges Stummfilmepos gefeierte Werk 
verklärte den Sieger der Varusschlacht - gemäß dem verbreiteten 
Mythos - zum Befreier eines vereinten Germaniens und zum 
Gründervater der deutschen Nation. "Auch über 80 Jahre nach 
seiner Entstehung ist der Film noch immer ein interessantes 
Untersuchungsobjekt in der kritischen Auseinandersetzung mit 
der Geschichte nationaler deutscher Identitätssuche im 19. und 
20. Jahrhundert", so der Chef des LWL-Medienzentrums, Dr. 
Markus Köster.

Bereits ein Jahr nach der Erstaufführung verschwand "Die 
Hermannschlacht" wieder von der Bildfläche. "Nachdem sich die 
politische und wirtschaftliche Situation 1924 beruhigt hatte, 
geriet der ganz dem Zeitgeist verpflichtete Film rasch in 
Vergessenheit", erklärt Köster. Erst 1990 tauchte der Streifen 
wieder auf - doch nicht etwa in westfälischen Archiven, sondern 
im zentralen Filmarchiv der ehemaligen UdSSR in Moskau. In den 
Wirren des Kriegsendes 1945 muss die sowjetische Armee die 
Originalkopie beschlagnahmt haben.

Das LWL-Medienzentrum hat das Ausstellungsprojekt "Imperium 
Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht" in Haltern, 
Kalkriese und Detmold zum Anlass genommen, den Film 
wiederzubeleben. Die Zwischentitel wurden neu gesetzt und der 
Detmolder Pianist Daniel Wahren untermalte das Werk, das bei 
seiner Uraufführung noch von einem Orchester begleitet worden 
ist. Ein umfangreiches Begleitheft zur DVD informiert über 
zeitgeschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge sowie über 
die Geschichte des Films selbst.


INFO

Die Hermannschlacht. Ein Stummfilm in fünf Akten aus dem Jahr 
1924. Reihe: Westfalen in historischen Filmen. Spielzeit ca. 54 
Minuten, Schwarz-Weiß, DVD mit Begleitheft, Preis 14,90 Euro.

Eine Produktion des LWL-Medienzentrums für Westfalen. 
Fürstenbergstraße 14, 48147 Münster, medienzentrum at lwl.org 

Der Film ist für Museumsbesucher im LWL-Römermuseum in Haltern 
am See, im Lippischen Landesmuseum Detmold und im Museum und 
Park Kalkriese erhältlich.

Eine öffentliche Vorführung des Films findet am 26. Juni um 
19:30 Uhr im Lippischen Landesmuseum in Detmold statt, Ameide 4,
32756 Detmold. Der Eintritt kostet 5 Euro (Ermäßigung: 3 
Euro). Karten gibt es an der Abendkasse oder können unter 
Telefon: 02531 9925409 vorbestellt werden.


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