[WestG] [AUS] LWL-Landesmuseum fuer Klosterkultur zeigt Reproduktionen kloesterlicher Kunst, Lichtenau, 20.05.-06.09.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mai 19 10:37:56 CEST 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 18.05.2009, 13:04
AUSSTELLUNG
"In alter Frische":
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zeigt Reproduktionen
klösterlicher Kunst
"In alter Frische" zeigt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
in Dalheim (Kreis Paderborn) ab Mittwoch, 20. Mai, in einer
Doppelausstellung "Reproduktionen klösterlicher Kunst".
Zu sehen sind Skulpturen aus westfälischen Klöstern und einige
der prachtvollsten Handschriften des Mittelalters. Anhand von
mehr als 150 Exponaten geht die Sonderschau der klösterlichen
Tradition dieser Kopien auf den Grund und lässt klösterliches
Wissen, Handwerk und Kunstfertigkeit aus 14 Jahrhunderten
lebendig werden.
Die Kopie - damals und heute
Die Klöster des Mittelalters waren kulturelle Zentren ganzer
Regionen. In ihren Werkstätten entstanden Meisterwerke der
Bauskulptur, in ihren Schreibstuben wurden reich verzierte
Bücher hergestellt. Viele von ihnen wurden per Hand
vervielfältigt und so über die Zeit gerettet. "Schon damals
hatte die Kopie Tradition", sagt Museumsleiter Dr. Martin
Kroker: "Aber sie hatte eine ganz andere Bedeutung als heute."
Hochspezialisierte Schreiber beschäftigten sich in den
klösterlichen Skriptorien des Mittelalters mit der Kopie der
wichtigsten Bücher. Fast ausnahmslos waren diese Künstler
Mönche und Nonnen - ebenso wie im mittelalterlichen
Bauhandwerk. "Ihre Arbeit galt als Gottesdienst", so Kroker. Zu
Ehren Gottes wurden die Bücher mit Gold, Edelsteinen und
prächtigen Malereien, Kirchen und Klöster mit erlesenen
Skulpturen geschmückt.
Kroker: "Kaum jemand konnte lesen und schreiben, so dass die
Abbildungen in Stein und auf Pergament ein wesentliches Element
der Verkündigung des Evangeliums waren." Das fortwährende
Kopieren sicherte die Überlieferung der antiken und
mittelalterlichen Kultur über die klösterlichen Bereiche hinaus
bis in die Gegenwart. Kroker: "Wir wüssten nichts über Cäsars
Gallischen Krieg oder das Leben der Heiligen, hätten Nonnen und
Mönche die entsprechenden Handschriften nicht immer wieder
vervielfältigt."
Heute sind viele der klösterlichen Originale zerstört,
beschädigt oder vom Verfall bedroht. Mittelalterliche
Handschriften werden aufgrund konservatorischer Auflagen streng
unter Verschluss gehalten. Die historische Bauskulptur leidet
insbesondere unter den Auswirkungen der Industrialisierung.
Deshalb wird die Kunst der Klöster heute wieder kopiert -
diesmal mit modernsten Mitteln zur Erhaltung für spätere
Generationen.
Faksimile - lat. Mache ähnlich
Um die wenigen überlieferten Originale einer großen Anzahl von
Lesern und Forschern zur Verfügung zu stellen, fertigen
spezialisierte Verlage originalgetreue Replikate
mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Handschriften. "Dabei
werden die Farbtöne von Gold und Silber und deren durch die
Jahrhunderte entstandene Patina genauso übertragen wie zum
Beispiel historische Beschädigungen", so Dr. Matthias Preißler,
Kurator der Faksimile-Ausstellung.
Rund 50 kostbare Faksimiles (lat. mache ähnlich) aus einer
privaten Sammlung geben in Dalheim jetzt einen einzigartigen
Eindruck von der frühen klösterlichen Buchkunst und ihrer
Malerei - darunter bedeutende Vertreter der unterschiedlichen
Buchmalschulen von beeindruckender Schönheit z. B das irische
"Book of Kells" (um 800), das "Lorscher Evangeliar" (Anfang 9.
Jahrhundert) oder eine spanische Schrift des Beatus von Las
Huelgas (1220). "Die prächtigen Bibelhandschriften wurden in
erster Linie zur Ehre Gottes angefertigt", sagt Pfarrer
Johannes Arens, der am Konzept der Ausstellung beteiligt war.
In Stein gegossen
Weil sich der Zustand klösterlicher Bauplastik seit dem Anfang
des 20. Jahrhunderts dramatisch verschlechterte, ließ die
westfälische Denkmalpflege gefährdete Figuren und wichtige
Bauteile in Steinmasse gießen, um Vorlagen für spätere
Restaurierungen zu gewinnen. Nach und nach ersetzten weitere
Abgüsse die Originale, die nun in die schützenden Kirchenräume
und Museen versetzt wurden.
Die so entstandene Steingusssammlung des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) gelangte ab 1979 in das ehemalige
Augustiner Chorherrenstift Dalheim. "In alter Frische" zeigt
nun erstmals nach acht Jahren Teile der Sammlung. "Oft sind die
Skulpturen am Originalschauplatz nur schwer zugänglich und
hängen in großer Höhe. Das ist hier in Dalheim nun anders",
erläutert die Kuratorin der Abguss-Ausstellung Elisabeth
Bömken. "Hier in Dalheim kommen die Besucher einfach näher
heran", meint auch Museumsleiter Kroker.
In einer einzigartigen Zusammenschau geben die wertvollen
Schaustücke der Dalheimer Ausstellung nun zum einen Zeugnis von
der frühen klösterlichen Bau- und Buchkunst - zum anderen aber
auch davon, wie moderne Reproduktionstechniken heute ihren
Beitrag leisten, wesentliche Bestandteile unserer kulturellen
Identität zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.
Eröffnung am 20. Mai 2009
Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 20. Mai, um 11 Uhr
durch die Vorsitzende der Landschaftsversammlung, Maria
Seifert. Nach einer kurzen Einführung führen Dr. Martin Kroker,
die beiden Kuratoren und Pfarrer Johannes Arens durch die
Ausstellung.
Bitte berühren! Erstmals bietet die Dalheimer KlosterSchule
Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen an. Gegenstand
sind die Skulpturen der Sonderausstellung.
Führungen durch die Sonderausstellung, durch den Konventgarten
und die Klosteranlage können unter Telefon (0 52 92) 93 19-225
oder auf Anfrage per E-Mail unter Tourist-Dalheim at lwl.org
gebucht werden.
INFO
Öffnungszeiten Das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur öffnet
dienstags bis sonntags von 10 - 18 Uhr, montags außer an
Feiertagen geschlossen. Ganzjährig, außer 24., 25. und 31.
Dezember geöffnet.
Eintrittspreise
Erwachsene 3,90 Euro,
ermäßigt 2,50 Euro,
Gruppen ab 16 Personen pro Person 3,10 Euro,
Kinder 1,00 Euro.
Stiftung Kloster Dalheim.
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau
Tel.: 05292 . 9319-0
Fax: 05292 . 9319-119
Schreibtelefon (für Gehörlose): 0251 . 591-4799
E-Mail: kloster-dalheim at lwl.org
URL: http://www.kloster-dalheim.de
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