[WestG] [AKT] Vortrag: "Kommunaler Neuanfang nach 1945", Bocholt, 14.05.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Mai 11 10:29:22 CEST 2009


Von: "Thomas Ridder" <ridder at jmw-dorsten.de>
Datum: 07.05.2009, 16:31 


AKTUELL

Die Gesellschaft für historische Landeskunde lädt zu ihrem 
nächsten Vortrag am 14. Mai 2009 nach Bocholt ein. Es spricht 
Frau Dr. Gisela Schwarze zum Thema "Kommunaler Neuanfang nach 
1945". Der Vortrag im Historischen Rathaus beginnt um 19:30 Uhr.

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes 
musste ein politischer Neuanfang folgen. Unter welchen 
Bedingungen sollte er vollzogen werden bzw. wurde er 
schließlich vollzogen? Der Einmarsch der Alliierten bildete die 
entscheidende Zäsur. Am 23. März 1945 hatten britische und 
amerikanische Einheiten bei Rees und Wesel den Rhein überquert. 
Aber wurde mit der Besetzung auch alles anders? Welchen Rahmen 
gaben die Besatzer vor? Welche Ziele verfolgten jene Männer und 
Frauen, die neue oder alte Parteien aufbauten.

Neben diesen politischen Fragen beherrschten existentielle 
Probleme wie Wohnungsnot, Nahrungsmangel, Flüchtlingselend die 
Tätigkeit der Verwaltungsbeamten und damaligen Politiker. 
Schuldfrage und Entnazifizierung verunsicherten große Teile der 
Bevölkerung.

In ihrer bereits 1984 erschienenen regionalgeschichtlichen 
Analyse "Eine Region im demokratischen Aufbau. Der 
Regierungsbezirk Münster 1945/46" geht Dr. Gisela Schwarze 
diesen Fragen nach. Der Untersuchungszeitraum umfasst die 
Monate vom Zusammenbruch 1945 bis zu den ersten Kommunalwahlen 
im September/Oktober 1946, also jene Phase der Nachkriegszeit, 
in der das politische Leben keimte.

Die Schwerpunkte des Vortrags werden die Gründung und der 
Aufbau der politischen Parteien sein: neben CDU, SPD und FDP 
das Zentrum und die KPD. Auch die Bildung von Gewerkschaften im 
Interessenfeld der politischen Parteien wird angesprochen 
werden. In den ersten Monaten waren es aber noch nicht so sehr 
die Parteien, sondern einzelne Persönlichkeiten, die den 
Neubeginn prägen sollten.

Bei der Mehrzahl von ihnen stand zumindest zu Beginn ein 
subjektives Ethos der Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk 
im Vordergrund. Den einen trug die christlich-religiöse 
Motivation, den anderen die politisch-ethische. Dieses 
Verantwortungsbewusstsein schloss aber Konflikte mit den 
demokratischen Ansprüchen jener Männer, die als Antifaschisten 
teils unter Verfolgungen auf die Stunde Null gewartet hatten, 
um eine Demokratie, was immer sie darunter verstanden, mit 
aufzubauen, nicht aus.

Extrem beispielhaft sind dafür die Vorgänge in Bocholt, wo Dr. 
Wilhelm Benölken unter dem vorrangigen Aspekt der Versorgung 
der Bevölkerung als Oberbürgermeister außerordentlich aktiv war,
 gleichzeitig aber mit seinem konservativen Misstrauen 
gegenüber Parteiansprüchen den Widerspruch von Vertretern aller 
Parteien hervorrief.

Die Untersuchung schließt mit den ersten Kommunalwahlen im 
September/Oktober 1946, weil mit ihnen die erste politische 
Aufbauphase abgeschlossen war. Die Parteien hatten eine erste 
Antwort des Wählers auf Forderungen und Ansprüche erhalten.

Dr. Gisela Schwarze arbeitete viele Jahre im Lehrberuf an 
Volksschule, Pädagogischer Hochschule und Gymnasium. Von ihr 
erschienen eine Reihe von Veröffentlichungen zur westfälischen 
Regionalgeschichte.


INFO

Veranstaltungsdaten:
Dr. Gisela Schwarze. Kommunaler Neuanfang nach 1945

Datum: 14.05.2009
Gesellschaft für historische Landeskunde des westlichen 
Münsterlandes e.V.
p/A Landeskundliches Institut Westmünsterland / 
Gasthausstraße 15
48691 Vreden
Tel.: 02564-391820 (nur Donnerstagnachmittag)
Fax: 02564-391829
E-Mail: info at ghl-westmuensterland.de 
URL: www.ghl-westmuensterlande.de 

Kontakt:
Thomas Ridder
Tel.: 02362-951431
E-Mail: thomas.ridder at imail.de


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