[WestG] [LIT] Bernhard Heising: Kopialbuch des Klosters Neuenheerse
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Fr Jun 26 14:58:24 CEST 2009
Von: "Bernhard Heising" <heising.wagner-26 at t-online.de>
Datum: 26.06.2009, 14:22
LITERATUR
Heising, Bernhard
Neuenheerser Kopialbuch (1730-1737) von Johannes Tütel und Nikolaus
Zimmerman und seine Register von Waldeyer/Lüke/Zimmerman
Übersetzt und eingeleitet von Bernhard Heising
Bad Driburg 2009
Online-Publikation im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"
URL: http://www.westfaelische-geschichte.de/lit7710
Das Kopialbuch
Kopialbücher finden sich in allen Klöstern. Da die alten
Pergamenturkunden für spätere Generationen schwer zu lesen sind, und sie
nicht gern bei Bedarf aus ihren sicheren Schränken hervorgeholt wurden,
fertigten Schreiber Abschriften an. Neben dem hiesigen Neuenheerser
Kopialbuch (NK), von den Benefiziaten Tütel und Zimmerman von 1730-1735
geschrieben und beglaubigt, befinden sich im Staatsarchiv zu Münster das
vom Zweiten Pastor Adam Leonhard Crux um 1800-1805 angefertigte
Kopialbuch Neuenheerse (NKM) sowie das "Alte Copeyenbuch" (Ms VII
4509c, Nr. 14) aus der Zeit vor 1600.
Kopialbücher haben in Neuenheerse eine lange Tradition; denn erwähnt
wird schon ein Ko-piar aus dem 15. Jh. (in den Urkunden Nr. 247 und 248
NKM). Ein "Copien Buch", in das "Fundation, Statuta, Privilegia oder
andere Jura" geschrieben werden sollen, "dwelche einer Abtissin der
Kirche unde dem Stifft Herße dienlich weren" und das "bey der Kirchen
lagern" soll ist unter "Zum Dritten" in den Beschlüssen von 1540
gefordert, "damit eine Abtissin unde das Capittel so Vaken <sooft> es
der Kirchenn unde Stiffte nötig, noittrufftigen bericht dair auß mügen
haben".
Die Online-Publikation im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"
macht diese Urkunden nun auch in einer deutschen Übersetzung zugänglich.
Sie ist in 5 Kapitel gegliedert:
I. Bestätigungsurkunden des Stifts Heerse (9.-14. Jh.) mit seinem
Besitz, mit seiner Verfassung, mit seinen Privilegien sowie Zusagen des
Schutzes und der Verteidigung durch Konzile, Bischöfe, Päpste, Könige
und Kaiser
II. Kaufurkunden, Pfandbriefe
III. Urteil Roms im Prozess des Damenstifts mit Benediktinerinnen zu
Willebadessen
IV. Memorienstiftungen
V. Statuten, Dekrete, Testamente
Angefügt sind auch Regesten aus dem 17./18. Jahrhundert. Ein Index der
Namen und ein mndt. Glossar erschließen überdies das Kopialbuch.
Der Autor
Bernhard Heising, geboren 1930, studierte an der Westfälischen
Wilhelms-Universität zu Münster Latein, Griechisch und später auch
Englisch. Vier Jahrzehnte lang unterrichtete er diese Fächer an
Gymnasien und an einem Kolleg. Als stellvertretender Schulleiter des
Gymnasiums St. Kaspar in Bad Driburg-Neuenheerse kam er in den letzten
acht Jahren vor seiner Pensionierung im Jahr 1995 in Kontakt mit dem
Erbe des 1810 enteigneten adligen Damenstifts Heerse, dessen
Stiftskirche, Abtei, Dechanei, Propstei und Stiftshäuser der Damen sich
in unmittelbarer Nähe der Schulgebäude befinden. Schriftliches Erbe wird
im Archiv der Pfarrei St. Saturnina aufbewahrt, soweit kostbare
Originale nicht in das Staatsarchiv NRW zu Münster verbracht worden
sind. Dieses Pfarrarchiv bot mit seinen lateinischen Texten die
Möglichkeit, ortsbezogenes mittelalterliches Latein den Schülern und
Schülerinnen vorzustellen. Das umfangreiche Kopialbuch mit den
Abschriften wichtiger Urkunden wurde bei gelegentlicher Präsentation der
Schätze des Stifts ausgelegt und mit Interesse, aber ohne
Textverständnis von manchen Besuchern durchblättert. Um Dem
abzuhelfen beschloss Heising, diesen Schatz in lateinischer und
mittelniederdeutscher Sprache allen Interessierten durch eine genaue
Übersetzung zugänglich zu machen.
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