[WestG] [AUS] Zylinder, Strohhut und Pelzmuetze, Lage, 07.06.-31.10.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 4 10:48:55 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 03.06.2009, 11:22


AUSSTELLUNG

Zylinder, Strohhut und Pelzmütze
LWL-Industriemuseum zeigt "Hut & Co" in Lage

150 Jahre Hutgeschichte(n) erzählt eine Ausstellung, die der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 7. Juni, 
in seinem Ziegeleimuseum in Lage zeigt. Unter dem Titel "Hut & 
Co." können die Besucher bis 31. Oktober im LWL-Industriemuseum 
einen Streifzug durch die Modegeschichte und die Geschichte der 
Hutherstellung unternehmen.

200 Exponate - von der einfachen Schiebermütze bis zum 
eleganten Damenhut mit Federschmuck - sind in Lage zu sehen. 
"Viele Exemplare stehen auch für ein Stück Sozialgeschichte", 
erklärt LWL-Museumsleiter Kulke. Beim Kaffeeklatsch zum 
Beispiel verharrten Hüte aus gutem Grund auf den Köpfen der 
Damen, schließlich war der Frisörbesuch lange Zeit ein teures 
Unterfangen. Und der Zylinder, der heute allenfalls noch als 
feierliches Accessoire zum Ball oder zur Beerdigung getragen 
wird, war im 18. Jahrhundert ein Symbol für eine freiheitliche 
Gesinnung. Die Schiebermütze schützte die Arbeiter vor dem 
allgegenwärtigen Staub und Schmutz z.B. in der Weberei. Der 
breitrandige Strohhut bewahrte die elegante Dame des 19. 
Jahrhunderts vor einer unerwünschten Bräunung des Teints.

Hüte haben darüber hinaus ihre eigene Symbolik und 
Zeichenhaftigkeit. Kulke: "Ob es um soziale Unterschiede oder 
um das Spiel der Geschlechter geht, um Zugehörigkeit zu 
bestimmten Berufsständen oder unterschiedlichen Jugendszenen - 
immer wieder sind es Kopfbedeckungen, die unmissverständlich 
Zeichen setzen." Hüte sind eingebunden in gesellschaftliche 
Umgangsformen und Rituale. Das betrifft vor allem den 
Männerhut: eine Geste der Höflichkeit, wenn der Herr zum Gruß 
den Hut lüpft. Zahlreiche Redensarten zeugen noch heute von 
seiner bedeutsamen Rolle: "Hut ab" - wird immer noch als 
Ausdruck von Respekt und Hochachtung verstanden, auch von 
demjenigen, der noch nie einen Hut getragen hat.

Neben Mode- und Symbolfragen geht es in der Ausstellung auch um 
die Hut-Herstellung. Zahlreiche Exponate aus der Produktion wie 
unterschiedliche Hutformen und -dämpfer sowie eine Fotostrecke 
von Lorenz Kienzle aus einer Hutfabrik in Guben - einst ein 
Zentrum der deutschen Hutindustrie - geben Einblicke in den 
Fertigungsprozess. Seidenbänder in allen farblichen 
Schattierungen, Federn, Vögel, Blumen und Hutnadeln aus 150 
Jahren lassen die Kunst der Putzmacherin lebendig werden. 
Manche Kopfbedeckung dürfen Besucher auch selbst aufsetzen. 
Kulke: "Wer selbst einmal ausprobieren möchte, wie ihm zum 
Beispiel ein Zweispitz im Stil Napoleons steht, hat bei uns 
Gelegenheit dazu."

Die Ausstellung, die im LWL-Textilmuseum Bocholt (Kreis Borken) 
in Zusammenarbeit mit dem LVR-Industriemuseum in Ratingen 
entstanden ist, wird in Lage durch viele regionale Hüte und 
Hutgeschichten ergänzt. Einzigartige Exponate stellte das 
Langser Modegeschäft Pohle zur Verfügung. Bereits 1877 gründete 
der aus Reick bei Dresden stammende Hutmacher Hermann-Richard 
Pohle dieses Geschäft in der Langen Straße. In einer eigenen 
Vitrine können die Besucher jetzt alte Hutschachteln, Formen 
zur Hutherstellung und historische Fotos eines der ältesten 
Lagenser Geschäfte bewundern.

Viele spannende Geschichten erzählen auch die vielen Hüte, die 
dem Museum in den letzten Wochen von Menschen aus der Region 
zur Verfügung gestellt wurden. Der alte Strohhut der Mutter, 
der Zylinder aus dem Nachlass des Großvaters, die Pelzmütze die 
sich noch auf dem Dachboden fand.

Ein ganz besonderer Fund waren auch zwei Hutformen. Sie stammen 
aus dem ehemaligen jüdischen Geschäft Spanier in Bünde und 
dürften zu den letzten dinglichen Erinnerungen an diese Familie 
gehören.


INFO

Hut und Co. 150 Jahre Hutgeschichte(n)
7.6. bis 31.10.2009
LWL-Industriemuseum
Ziegeleimuseum Lage
Sprikernheide 77
32791 Lage
Geöffnet Di - So 10 -18 Uhr

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.


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