[WestG] [AKT] Kinderzeugnisse ueber den Holocaust, Dorsten, 19.02.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Feb 16 10:47:54 CET 2009
Von: "N. Reichling" <reichling at jmw-dorsten.de>
Datum: 15.02.2009, 19:37
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"
AKTUELL
"Vor Tieren hatten wir keine Angst, nur vor Menschen..."
Kinderzeugnisse über den Holocaust - Lesung im Jüdischen Museum
Am nächsten Donnerstag lädt das Jüdische Museum zu einer
Vortragsveranstaltung ein, die die gegenwärtige
Wechselausstellung über die Judendepotationen begleitet:
Von allen Opfer des Holocaust waren die anderthalb Millionen
Kinder, die in die Mordmaschinerie gerieten, die wehrlosesten.
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führten
Vertreter der Jüdischen Historischen Kommission in Polen mehr
als 400 Interviews mit den überlebenden jüdischen Kindern durch.
Die Aussagen der Mädchen und Jungen bezeugen zeitnah und direkt
die Erfahrungen von Drangsalierung, Angst und Terror. "Es war
Judenaktion. Ich erinnere mich, wie wir uns während dieser
Aktion in einem Versteck verbargen, wir krochen hinein, weil man
anders dort nicht hineingelangen konnte. Die Deutschen haben uns
gesucht, aber nicht gefunden."
Die Berichte über den soeben überstandenen Schrecken, über die
tiefen Verwundungen von Kinderseelen gehören zu den
eindringlichsten Quellen über den Massenmord an den Juden.
Selbst Achtjährige schildern mit einer erschreckenden
Sachlichkeit ihre Erlebnisse. Die Kinder berichten von der
Verfolgung durch die Deutschen und ihre polnischen und
ukrainischen Helfer, von mutiger Rettung durch die einheimische
Bevölkerung, ebenso wie von verweigerter Hilfe. Ihre Erfahrung
war die einer Minderheit - nur wenige Kinder hatten den
Holocaust überlebt, weil in der Regel nur "Arbeitsfähigkeit" vor
der Ermordung schützte. Manche hatten sich allein
durchgeschlagen, bei den Partisanen oder "Waldjuden" überlebt
oder bei Helfern. Sie hatten Ghettos, Lager und Todesmärsche
überlebt, einige von ihnen auch Pogrome nach Kriegsende.
Die seit 1948 nahezu vergessenen Interviewprotokolle wurden in
den letzten Jahren neu entdeckt. Eine Auswahl dieser
außerordentlichen Quellensammlung erschien 2008 erstmals - unter
Mitwirkung des Jüdisch-Historischen Instituts Warschau - in
Deutschland. Zwei der Mitherausgeber des Bandes "Kinder über den
Holocaust. Frühe Zeugnisse 1944-1948" werden in das Thema sowie
die Entstehung dieser Quellen einführen und Auszüge aus diesen
Berichten in einer Lesung vorstellen.
Prof. Dr. Alfons Kenkmann lehrt Geschichtsdidaktik an der
Universität Leipzig, ist Beiratsmitglied des Jüdischen Museums
Westfalen und war Leiter des "Geschichtsorts Villa ten Hompel"
in Münster; Elisabeth Kohlhaas ist wissenschaftliche
Mitarbeiterin des Forschungsprojekts "Kommunikationsräume des
Europäischen. Jüdische Wissenskulturen jenseits des Nationalen"
an der Universität Leipzig.
INFO
- in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Dorsten -
Wann: Donnerstag 19. Februar 2009, 19.30 Uhr
Veranstaltungsort:
Jüdisches Museum Westfalen
Julius-Ambrun-Str. 1
46256 Dorsten
URL: www.jmw-dorsten.de
Eintritt: 5 €
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