[WestG] [AKT] LWL feiert Meilensteine mit Museumsfest auf der Zeche Zollern, Dortmund, 13.12.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Dez 9 09:29:55 CET 2009


Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 07.12.2009, 13:44


AKTUELL

40 Jahre Industriekultur
LWL feiert Meilensteine mit Museumsfest auf der Zeche Zollern

2010 blickt Europa auf das Ruhrgebiet und seine einzigartige 
Industriekultur. Fördertürme und Hochöfen genießen heute eine 
ähnlich große Wertschätzung wie Kirchen und Schlösser. Das war 
nicht immer so. Noch vor 40 Jahren sollte die Zeche Zollern in 
Dortmund, eines der schönsten Zeugnisse der industriellen 
Vergangenheit in Deutschland, komplett abgerissen werden. 
Damals formierte sich zum ersten Mal Widerstand - mit Erfolg: 
Am 30. Dezember 1969 wurde das Ensemble durch den 
Landeskonservator beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
unter Schutz gestellt und damit in letzter Minute gerettet. 
"Das war die Geburtsstunde der Industriekultur", erklärte 
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch am Montag (7.12.) im 
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. "Und niemand ahnte damals, 
dass aus dem kulturellen Außenseiter ein Markenzeichen für das 
Ruhrgebiet werden sollte."

40 Jahre Industriekultur feiert der LWL am Sonntag, 13. 
Dezember, mit einem Fest auf Zollern. Gleichzeitig wird an 
diesem Tag die neue Dauerausstellung "Wege der Kohle" in der 
Schachthalle eröffnet.

Rückblick

1969 gerettet, 1979 gegründet, 1989 aufgebaut, 1999 eröffnet - 
das sind die wichtigen Meilensteine in der Erfolgsgeschichte 
des LWL-Industriemuseums. Am Anfang steht die Zeche Zollern. 
Nach fast 60 Jahren Betriebszeit wurde die Schachtanlage 1966 
stillgelegt. Zug um Zug wurden funktionslose Gebäude abgerissen,
 noch im September 1969 fiel das Fördergerüst. Dann sollte die 
Maschinenhalle, für die sich kein gewerblicher Mieter fand, 
abgerissen werden, um Straßen und Gewerbe Platz zu machen. Doch 
es regte sich Widerstand, vor allem bei Künstlern, 
Denkmalpflegern und Architekten, die die Jugendstilschönheit 
erhalten wollten. Sie fanden zunächst kaum Mitstreiter. "Fast 
wäre das Unterfangen gescheitert, hätten nicht viele Einzelne 
durch intensive Überzeugungsarbeit, aber auch durch 
organisierten Protest prominenter Persönlichkeiten beim 
Ministerpräsidenten Heinz Kühn die Unterschutzstellung 
vorangetrieben", erklärt Standortleiterin Dr. Ulrike Gilhaus.

"Rückblickend betrachtet, war der Fall Zollern die eigentliche 
Initialzündung. Seitdem stehen Kirchen und Schlösser, 
Adelssitze und Villen gleichberechtigt neben Zechen und 
Hochöfen, Spinnsälen und Ziegeleien", betont Dirk Zache, 
Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur.

Aber die Begeisterung für die Industriekultur kam nicht über 
Nacht. Noch 1992 titelte ein Journalist beim Anblick des 
jüngsten Sprösslings des Industriemuseums, des Hochofens 3 auf 
der Henrichshütte Hattingen: "Und dieser Schrott soll Denkmal 
werden?" Neue Konzepte und ein langer Atem waren notwendig, um 
das Pflänzchen Industriekultur auf ein bauliches und geistiges 
Fundament zu stellen. "Dieser Aufgabe hat der 
Landschaftsverband damals konsequent gestellt", so LWL-Direktor 
Kirsch.

1973 richtete der LWL bei seiner Denkmalpflege das bundesweit 
erste Referat für Technische Denkmalpflege ein. Die hier 
geleistete Arbeit bildete die Grundlage für den Aufbau des 
Westfälischen Industriemuseums, das der LWL am 21. September 
1979 als erstes Industriemuseum Deutschlands gründete. Mit 
seinen acht Standorten und jährlich insgesamt rund 400.000 
Besuchern ist das Verbundmuseum heute auch bundesweit das 
größte. Seit der ersten Erfassung der Besucherzahlen 1989 - dem 
Jahr, als das Textilmuseum Bocholt an den Start ging - hat das 
LWL-Industriemuseum insgesamt mehr als fünf Millionen Besucher 
gehabt, fast eine Million davon kamen in den vergangenen zehn 
Jahren zur Zeche Zollern in Dortmund.

Neu war damals das Konzept, das die Erschließung des Denkmals 
in seinen technischen und sozialen Bezügen vorsah. "Wir haben 
uns damals gegen große zentrale Projekte entschieden, die nur 
einen Standort begünstigen. Wir haben uns entschieden für 
Kultur in der Fläche, für die Stärkung der kulturellen Vielfalt 
und der regionalen Besonderheiten, für die Einbindung der 
Bevölkerung mit ihren Initiativen, Ideen und Objekten und 
Erinnerungen", erklärt Kirsch.

Hunderte Zeitzeugen wurden seit der Gründung des Museums 
befragt - auch das war damals methodisch neu - und ein Schatz 
von weit über 200.000 Sammlungsobjekten aus dem Arbeits- und 
Alltagsleben erschlossen. Mit dieser sozialgeschichtlichen 
Ausrichtung sei das LWL-Museum identitätsbildend gewesen, 
gerade im Ruhrgebiet. "Andere Regionen haben die Berge und Seen 
oder das Meer, wir haben die Industriemuseen. Hier erfahren wir 
hautnah, wie frühere Generationen gelebt und gearbeitet haben 
und ziehen unseren Hut vor unseren Vorfahren", schrieb ein 
Besucher jüngst ins Gästebuch.

Ausblick

Mit der Eröffnung der Dauerausstellung "Wege der Kohle" in der 
Schachthalle der Zeche Zollern ist noch lange nicht Schuss, was 
die Entwicklungspläne für das LWL-Industriemuseum angeht. Dirk 
Zache: "An unserem Textilstandort in Bocholt entsteht gerade in 
der Spinnerei Herding eine großartige Kulturfabrik, die Platz 
für die Kooperation mit Design und Industrie, Schule und 
Hochschule bildet. In Hattingen sanieren wir die historische 
Gebläsehalle und schaffen die Voraussetzungen für den Ausbau 
unserer Dauerausstellung zum Thema Stahl. Die Bochumer Zeche 
Hannover wollen wir zu einem Forum und Museum der Migration in 
NRW machen, und in Dortmund werden wir in den kommenden zwei 
Jahren die Sanierung der Maschinenhalle abschließen und eine 
weitere Dauerausstellung im ehemalige Verwaltungsgebäude 
einrichten."

Museumsfest

Das Museumsfest am Sonntag (13.12.) startet um 11 Uhr mit der 
Eröffnung der Dauerausstellung "Wege der Kohle". Sie zeigt am 
authentischen Ort, wie die Kohle aufbereitet wurde. Im 
Mittelpunkt stehen einmal mehr die Menschen, die hier 
gearbeitet haben. In Videosequenzen kommen elf Zeitzeugen zu 
Wort, die über ihre eigene Tätigkeit berichten, aber z.B. auch 
über Erfahrungen mit Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg.

Bis 18 Uhr stehen dann vielseitige Aktivitäten auf dem 
Programm: Führungen für Erwachsene durch die Dauerausstellungen 
und die "Museumsbaustelle Maschinenhalle", Kinderprogramme, 
zwei Bastelwerkstätten, Gespräche mit Zeitzeugen in der 
Schachthalle sowie Mitmachaktionen der anderen Standorte des 
LWL-Industriemuseums. Auf der Bühne in der Alten Werkstatt 
wartet ein kleines "Showprogramm" mit Clownerie, Fakirshow, 
Comedy, Musik und Gesang auf die Besucher. Kulinarische 
Angebote runden den Tag ab.

Der Eintritt ist frei.


INFO

LWL-Industriemuseum
Westf. Landesmuseum für Industriekultur
Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
Tel.: 0231 6961 - 111
E-Mail: zeche-zollern at lwl.org


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