[WestG] [AKT] Wiedereroeffnung des Tabakhauses "Tabakfabrik Herbermann"
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Aug 6 09:16:43 CEST 2009
Von: "Uta Wenning-Kuschel" <Uta.Wenning-Kuschel at lwl.org>
Datum: 05.08.2009, 13:51
AKTUELL
Wiedereröffnung des Tabakhauses "Tabakfabrik Herbermann"
Nach eineinhalbjähriger Bausanierung ist das Tabakhaus im
Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) wieder zu besichtigen. Zu Saisonbeginn
ging zunächst die historische Werkstatt in Betrieb, nun hat der
LWL im Parterre und im ersten Stock des Tabakhauses die frisch
überarbeitete Ausstellung zum Leben und Arbeiten der
ostwestfälischen Tabakarbeiterfamilien eröffnet.
Die Zeit hatte der zweihundert Jahre alten Tabakfabrik
zugesetzt: Regen und Schnee, Wind und Sonne haben das
historische Fachwerkhaus angegriffen. Die notwendig gewordenen
Bauaktivitäten waren anspruchsvoll und zeitaufwändig, denn sie
mussten denkmalpflegerischen Anforderungen entsprechen. Die
Sanierung zielte auf einen maximalen Erhalt der historischen
Bausubstanz: Wo immer es statisch vertretbar war, wurden
schadhafte Holzbauteile nicht einfach ausgetauscht, sondern
stabilisiert und mit möglichst geringem Materialeinsatz ergänzt.
Die Gefache wurden baubiologisch korrekt ausgefüllt, die
Anstriche z. T. nach historischen Rezepturen angemischt. Bei
der Tabakfabrik Herbermann nahm das LWL-Museum die Sanierung
zum Anlass, neue Innenausbauten und eine neue Heizungs- und
Lichttechnik zu installieren, die den Ausstellungen mit ihren
wertvollen Exponaten zugute kommen.
Es gibt viel zu sehen in der Tabakfabrik Herbermann: Die
Besucher erleben, wie hier zwei Mitarbeiter des
LWL-Freilichtmuseums von Hand Zigarren rollen. Die neue
Ausstellung im Obergeschoß erzählt aus der Geschichte der
Tabakverarbeitung, die mehr als ein Jahrhundert lang bis in die
1950er Jahre ein bedeutender Wirtschaftszweig in Ostwestfalen
war.
Obwohl für den groß angelegten Tabakanbau das Klima zu rau war,
entstanden hier viele Betriebe, die aus importierten
Tabakblättern hauptsächlich Zigarren aber auch Pfeifentabak
herstellten. Ein für die Region typischer kleiner
Verarbeitungsbetrieb war die Tabakfabrik Herbermann aus
Glandorf im Landkreis Osnabrück, die jetzt im Hagener
LWL-Freilichtmuseum steht. Die Geschichte dieses Betriebs von
der Gründung 1833 bis zur Schließung Anfang der 1950er Jahre
steht auch beispielhaft für die Geschichte der westfälischen
Tabakverarbeitung.
Hintergrund:
Die Verarbeitung und der Konsum von Pfeifentabak hat in
Westfalen eine ältere Tradition als die Herstellung und das
Rauchen von Zigarren: Verbreitete sich das Pfeifenrauchen schon
im 16. Jahrhundert, so brachten Landsknechte in den Kriegen des
17. und 18. Jahrhunderts die spanische Mode des
Zigarrenrauchens nach Westfalen.
Die Gebrüder Herbermann setzten 1833 als Gründer ihrer
Tabakfabrik auf die alte westfälische Tradition, nicht auf die
neue spanische Mode – und produzierten Pfeifentabak. Bis 1952
wurde hier noch Pfeifentabak hergestellt, obwohl die
Betriebseinrichtung schon veraltet war. Überleben konnte das
Familienunternehmen nur, weil die Tabakverarbeitung nicht die
einzige Einnahmequelle war. Die Firma Herbermann betrieb
Landwirtschaft, einen Kolonialwaren- und Landhandel und
zeitweise eine Gastwirtschaft.
Das östliche Westfalen war eher für seine Zigarrenindustrie als
für die Herstellung von Pfeifentabak bekannt. Westfalen war
eines der Zentren der Zigarrenproduktion im Deutschen Reich.
Die westfälische Zigarrenindustrie konzentrierte sich in den
Kreisen Minden, Herford und Lübbecke. Nachdem hier die
Leinenweberei um 1800 zugrunde gegangen war, eröffnete die
Tabakverarbeitung der Bevölkerung neue Erwerbsmöglichkeiten.
Die Herstellung von Zigarren in Handarbeit hielt sich noch bis
in die 1950er Jahre. Mit vielen wertvollen Exponaten
dokumentiert das LWL-Freilichtmuseum Hagen als Landesmuseum für
Handwerk und Technik dieses besondere Kapitel der westfälischen
Wirtschaftsgeschichte.
INFO
LWL-Freilichtmuseum Hagen
Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik
Mäckingerbach
58091 Hagen
Tel.: 02331 7807-0
Fax: 02331 7807-120
E-Mail: freilichtmuseum-hagen at lwl.org
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