[WestG] [AKT] Schwimmsaurier in Muenster zu sehen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Aug 5 08:23:14 CEST 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 04.08.2009, 12:53


AKTUELL

Schwimmsaurier in Münster zu sehen

Der erste 2,70 Meter lange Teil eines seltenen Schwimmsauriers 
wird seit Dienstag (4.8.) zum ersten Mal im LWL-Museum für 
Naturkunde in Münster ausgestellt. Seit März 2008 haben 
Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) das 
185 Millionen Jahre alte versteinerte Skelett aus dem Kreis 
Höxter präpariert.

"Nach Einschätzung der Experten ist in Norddeutschland zuvor 
noch kein so gut erhaltenes Plesiosaurierskelett aus dieser 
Zeit gefunden worden", erläuterte LWL-Direktor Dr. Wolfgang 
Kirsch die Bedeutung des Fundes. Im Juni 2007 entdeckte der 
Hobbypaläontologe Sönke Simonsen in einer Tongrube bei 
Nieheim-Sommersell, Kreis Höxter, auf dem Grundstück von 
Antonius Reckmann Reste eines fossilen Schwimmsauriers. Die 
Paläontologen haben das vier Meter lange Meeresrep-til dann 
geborgen und nach Münster in die Präparationswerkstatt des 
LWL-Museums für Naturkunde gebracht. Der Fund soll 2010 in der 
Landesausstellung im Römisch-Germanischen Museum in Köln und 
2011 im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen sein, 
danach kommt er zurück ins LWL-Museum nach Münster.

Hintergrund:

Die Grabung hatte das wertvolle Fossil vor Verwitterung und der 
Zerstörung durch den Bagger bewahrt, so dass das Skelett 
weitgehend vollständig erhalten blieb. Bis jetzt sind vier von 
zehn Blöcken freipräpariert worden, die Schwanz, Becken, Beine 
und Rippen sind mittlerweile sichtbar. Die gesamte Fossilplatte 
wird mehr als vier Meter lang und knapp zwei Meter breit sein. 
Geborgen wurde der Saurier in zehn Blöcken, die die 
Präparatoren mit einem Kunstharzlaminat stabilisierten. Sobald 
die Arbeiten abgeschlossen sind, werden die einzelnen 
Bestandteile wieder zusammengefügt. Derzeit legt Präparator 
Manfred Schlösser den Schulterbereich des Ur-Tieres frei.

Die Aufarbeitung des Skeletts ist schwierig und zeitaufwändig, 
da das Gestein stark zerklüftet ist und unkontrolliert 
zerbrechen kann. Stellenweise ist das Material auch hart wie 
Beton. Dagegen sind einige Knochen weich wie Ton und müssen vor 
der Freilegung gehärtet werden.

Probleme bereitet es zudem, das Skelett zu konservieren. Auf 
der Oberfläche und in den Hohlräumen vieler Knochen befindet 
sich Pyrit. Das Mineral, das wie Gold aussieht, hat unter 
bestimmten Umständen die Eigenschaft, zu zerfallen, wenn 
Luftsauerstoff und Feuchtigkeit einwirken. Dabei können die 
Knochen zerstört werden. Wissenschaftlich wird der Fund von 
einem anerkannten Spezialisten, Prof. Dr. Martin Sander von der 
Universität Bonn, bearbeitet.

Die zu den Reptilien gehörenden Plesiosaurier waren an das 
Leben im Wasser angepasst: perfekte Schwimmer mit bootförmigem 
Rumpf und vier paddelartigen Flossen. Der im Kreis Höxter 
geborgene Saurier gehört zu den "Schlangenhalspaddelechsen" mit 
langem Hals und kleinem Kopf. Sie lebten von der Trias- bis zur 
Kreidezeit im Erdmittelalter. Damals waren die Saurier die 
größten Landbewohner. Die Plesiosaurier starben noch vor den 
Dinosauriern während der oberen Kreidezeit aus.


INFO

LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Sentruper Str. 285
48161 Münster
Tel.: 02 51.591-05
Fax: 02 51.591-60 98


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