[WestG] [AKT] Bilder aus den Anfaengen der Jugendherbergsbewegung: LWL-Medienzentrum sichert den Fotonachlass Richard Schirrmanns
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Aug 6 10:19:29 CEST 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 06.08.2009, 10:11
AKTUELL
Bilder aus den Anfängen der Jugendherbergsbewegung
LWL-Medienzentrum sichert den Fotonachlass Richard Schirrmanns
Zum 100. Geburtstag der Jugendherbergen hat der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für das Bildarchiv in
seinem LWL-Medienzentrums einen besonderen fotografischen
Schatz aus der Frühzeit dieser Einrichtungen gehoben und für
die Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Den fotografischen
Nachlass Richard Schirrmanns (1874 -1961), des Gründers der
weltumspannenden Jugendherbergsbewegung, deren Wurzeln
bekanntlich in Westfalen liegen.
"Der im sauerländischen Altena tätige Lehrer war ein
passionierter Fotograf und Fotosammler, der sowohl die
Stationen seines eigenen Lebens als auch die Entwicklung seines
Lebenswerkes in zahlreichen Bildern festhielt", sagt Dr. Markus
Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Die auf
diese Weise entstandene Sammlung, bestehend aus etwa 1600
Glasnegativen, über 40 Fotoalben und etlichen Kleinbildfilmen,
übergab die Tochter Gudrun Schirrmann auf Vermittlung der
Historikerin Prof. Dr. Barbara Stambolis vor eineinhalb Jahren
zur sachgerechten Archivierung und Erschließung dem
LWL-Medienzentrum. Hier sind die Bilder inzwischen gesichtet,
sicher verpackt, digitalisiert und archivgerecht gelagert
worden. Eine repräsentative Auswahl von ihnen steht jetzt unter
http://www.bildarchiv-westfalen.de der Öffentlichkeit auch
online zur Verfügung.
Neben privaten Aufnahmen der Familie Schirrmann und
fotografischen Erinnerungen an Richard Schirrmanns Soldatenzeit
im Ersten Weltkrieg lässt der Großteil der Fotos die Anfänge
der Jugendherbergsbewegung wieder aufleben. Wandernde, rastende,
musizierende und tanzende Jugendliche finden sich neben Außen-
und Innenaufnahmen von Jugendherbergen sowie Bildern von
Landschaften und Städten in ganz Deutschland. Besonders
prominent sind westfälische Herbergen vertreten; außer der Burg
Altena zum Beispiel auch die in Neuastenberg
(Winterberg/Hochsauerlandkreis), Hohensyburg (Dortmund), Brilon
(Hochsauerlandkreis), Attendorn (Kreis Olpe), Sohlbach
(Netphen/Kreis Siegen-Wittgenstein) und Kühhude (Bad
Berleburg/Kreis Siegen-Wittgenstein).
Aufnahmen Schirrmanns von eigener Hand sind dabei ebenso
überliefert wie professionelle Fotografien und ganze Foto-Alben,
die ihm zu Jubiläen überreicht wurden. Der marketingbewusste
Pädagoge nutzte Fotos schon früh, um angehende Herbergseltern
zu schulen und öffentlich für sein Werk zu werben.
Durch die von der Hauptgeschäftsstelle des Deutschen
Jugendherbergswerks (DJH) und dem Museum des Märkischen Kreises
auf Burg Altena unterstützte Initiative des LWL-Medienzentrums
steht die umfangreiche Bildsammlung rechtzeitig zum 100.
Geburtstag der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.
"Sie vermittelt spannende Einblicke in die Entstehung des
Jugendherbergswerkes und auch in den jugendlichen 'Aufbruch aus
grauer Städte Mauern' am Beginn des letzten Jahrhunderts",
erläutert Köster den Wert des Fotonachlasses.
Hintergrund
Die Wurzeln der Jugendherbergsbewegung liegen in Westfalen. Es
war am 26. August 1909: Richard Schirrmann, ein aus Ostpreußen
stammender und im sauerländischen Altena tätiger Lehrer, war
wieder einmal mit seinen Schülern auf einer Wanderung und
suchte nun für seine Klasse vergeblich nach einer
Übernachtungsmöglichkeit. Als die Gruppe das herannahende
Unwetter doch noch in der örtlichen Dorfschule überstanden
hatte, kam Schirrmann eine Idee. Ein Netz von preiswerten
Jugendherbergen musste her, um wanderfreudigen Jugendlichen
(und Lehrern) in Tagesmarschabständen ein Dach über dem Kopf zu
bieten. Die erste Jugendherberge schuf Schirrmann kurzerhand
selbst an seiner eigenen Schule, der Nette-Schule in Altena.
Drei Jahre später zog diese erste Herberge auf die nahegelegene
Burg Altena um, die heute als Stammsitz der
Jugendherbergsbewegung gilt. Von dort verbreitete sich die Idee
nicht nur über ganz Deutschland, sondern auch in alle Welt.
Außer über die Geschichte der Jugendherbergen erzählen die
Bestände des Bildarchivs im LWL-Medienzentrum für Westfalen
auch über zahlreiche andere Themen aus der Region. Über 300.000
landeskundliche Bilder aus der Zeit zwischen 1850 und der
Gegenwart sowie 3.000 Luftbilder veranschaulichen westfälische
Landschaften, Städte und Dörfer, Landwirtschaft, Handwerks- und
Industriekultur, Kunst, Architektur, Brauchtum und nicht
zuletzt die Menschen und ihren Alltag im Wandel der Zeit. Unter
http://www.bildarchiv-westfalen.de kann man bequem vom
heimischen Computer aus in der visuellen Schatzkammer
Westfalens stöbern.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte