[WestG] [AKT] Denkmaltag - Archäologie im Schleipetal zwischen Meinerzhagen und Kierspe

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fr Sep 12 09:10:00 CEST 2008


Von: "Chris Riederer" <ohp at meinerzen.de>
Datum: 11.09.2008, 19:08


AKTUELL

Denkmaltag - Archäologie im Schleipetal zwischen Meinerzhagen und
Kierspe

Seit 1993 wird der Tag des Denkmals am 2. Septembersonntag bundesweit
begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: „Vergangenheit
aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung“ Deshalb bieten die
Werkstatt Geschichte aus Kierspe, die Geschichtswerkstatt aus
Meinerzhagen und die Kiersper SGV-Abteilung eine gemeinsame
Veranstaltung in Form einer montanarchäologischen Wanderung durch das
Schleipetal an.

Das Schleipetal ist dicht gefüllt mit Zeugnissen aus einer über
tausendjährigen Geschichte. Diese sind heute weitgehend überwachsen, vom
Waldboden bedeckt und von den Menschen vergessen, die im Laufe der Zeit
den Bezug zu den jahrhundertealten Traditionen ihrer Vorfahren verloren
haben. Niemand mehr verbindet Meinerzhagen oder Kierspe mit Eisenbergbau
und Verhüttung. Nur noch wenigen Fachleuten ist klar, dass bis ins 19.
Jahrhundert hinein bedeutende Mengen von Eisen und Stahl im Sauerland
produziert und verarbeitet wurden. Damals hatte man noch keine großen
Fabriken. Die im Sauerland bedeutende Antriebskraft war das Wasser. Der
berühmte preußische "Krieges-, Steuer- und Bergrath und
Fabrikenkommissarius“ Eversmann schrieb 1804 in seiner „Uebersicht der
Eisen- und Stahlerzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen Lahn
und Lippe":

"Das ganze Süderland ist von einer Menge größerer und kleinerer
Gebirgs-Bäche gewässert, unter denen die Vollme und die Ennepe die
bedeutendsten sind, die selbst wieder von allen Seiten her durch
Zuflüsse verstärkt werden. In diesen Thälern liegen die
Wasserwerkstätten der Fabriken so häufig und so über einander
gereiht, dass in verschiedenen Gegenden, ungeachtet des starken Falles
der Gewässer, dennoch kaum ein ungenutztes Gefälle mehr vorhanden ist,
und über einige Zoll Wasserhöhe zuweilen bedeutende Prozesse entstehen.
Dieser Werth, den ein Wassergefälle hier hat, hat die Menschen gelehrt,
den höchst möglichen Nutzen daraus zu machen, und ich darf kühn
behaupten, dass in keiner Gegend die Oekonomie in Anwendung des Wassers
auf Räder einen höhern Grad von Vollkommenheit erreicht hat."

Da der diesjährige "Tag des offenen Denkmals" am 14. September unter
dem Motto "Archäologie und Bauforschung" steht, haben sich die
Meinerzhagener Geschichtswerkstatt und die Kiersper Werkstatt Geschichte
in Zusammenarbeit mit dem SGV das Ziel gesetzt, am Beispiel des
Schleipetales zu zeigen, wie Recht Eversmann mit seinen Bemerkungen
hatte, dass die Menschen den höchsten Nutzen aus den vorhandenen
Wassergefällen gezogen haben. Das Schleipetal bietet sich deswegen an,
weil es im oberen Teil zu Meinerzhagen und im unteren zu Kierspe gehört,
insbesondere aber, weil das unterste benutzte Wassergefälle der
Schleiper Hammer war, der heute als Industriemuseum betrieben wird. 
Unter der Führung von Hans Ludwig Knau und Chris Riederer wird zu Fuß
eine Zeitreise in eine über tausendjährige Vergangenheit unternommen:
Sie begeben sich in die Zeit des Mittelalters, als in kleinen
Rennfeuerherden das Erz zu Eisen geschmolzen wurde. Sie erleben auch das
13.bis 16. Jahrhundert, als in größeren Schmelzöfen, die mit
mechanischen, durch Wasserkraft getriebenen Gebläsen versehen waren, das
Eisen gewonnen wurde und auch die Zeit nach dem 30jährigen Krieg, in der
in den Schmitten das Roheisen zu Osemund veredelt wurde. Am jeweiligen
Standort wird dabei der Tätigkeit der Menschen nachgegangen, die von
ihren Höfen ins Tal stiegen, um ihrer schweren Arbeit nachzugehen.

Interessierte treffen sich  am Sonntag, dem 14. September, um 12.30 Uhr
am Montigny-Platz in Kierspe. Von dort besteht die Möglichkeit, mit dem
Bürgerbus zu fahren oder Fahrgemeischaften nach Immelscheid zu
organisieren. Auf Immelscheid bestehen nur eingeschränkt
Parkmöglichkeiten. Die Wanderung beginnt um 13 Uhr und wird ca. 2
Stunden dauern. Wer mitwandern will, muss feste Schuhe tragen, weil
Teile des Weges auch querfeldein zurückgelegt werden müssen. Am Zielort
der Wanderung, dem Schleiper Hammer, besteht die Gelegenheit zu Kaffee
und Kuchen. Von dort wird auch die Rückfahrt der Autofahrer nach
Immelscheid zu den Autos organisiert.