[WestG] [AKT] LWL zeichnet Altaraufsatz aus Welver-Schwefe als Denkmal des Monats aus, Welver-Schwefe
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Sep 12 09:10:27 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.09.2008, 10:28
AKTUELL
LWL zeichnet seltenen Altaraufsatz aus Welver-Schwefe als
Denkmal des Monats aus
Patenschaften ermöglichen dringende Restaurierung
Nach fast 500 Jahren platzte die Farbe an vielen Stellen des
Altaraufsatzes in der evangelischen Pfarrkirche in
Welver-Schwefe (Kreis Soest) von den plastischen Figuren ab. Nur
eine 20.000 Euro teure Restaurierung konnte die alte Farbfassung
retten. Um das nötige Geld aufzubringen, war die Gemeinde
kreativ: Sie vergab Patenschaften für einzelne Figuren oder
Figurengruppen. So kam über die Hälfte des benötigten Geldes
zusammen. Weitere Spenden, unter anderem von der Stiftung
Kirchliche Baudenkmäler, machten die Restaurierung schließlich
möglich. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeichnete
den Altaraufsatz jetzt als Denkmal des Monats September aus.
"Besser als durch die erfolgreiche Patenschaftsaktion kann man
die Wertschätzung für den Altaraufsatz wohl kaum ausdrücken",
freut sich LWL-Denkmalpfleger Dr. Dirk Strohmann über die
gelungene Rettungsaktion.
Der Altaraufsatz stammt aus der Vorgängerkirche des 1706 in
wesentlichen Teilen neu an den alten romanischen Kirchenturm
angebauten Gotteshauses. Strohmann geht davon aus, dass der
Altaraufsatz in der Zeit zwischen 1520 und 1530 kurz vor der
Reformation in Schwefe in die Kirche kam. "Bemerkenswert
harmonisch fügt sich die Bilderwand des Altars, stilistisch im
Übergang von der Spätgotik zur Renaissance, in die ansonsten
barocke Ausstattung ein. Seit damals hat sich der Raumeindruck
kaum verändert, was ihn als historisches Zeugnis so überzeugend
macht", so Strohmann. 40 Jahre nach der letzten Restaurierung
des Passionsaltars zeigten sich vor allem am geschnitzten
Mittelschrein mit seinen zahlreichen, farbig bemalten
Figurengruppen wieder umfangreiche Schäden. Die Farbe warf
Blasen und drohte abzuplatzen, was an einigen Stellen auch schon
passierte. Restauratorin Brigitte Vöhringer vom LWL-Amt für
Denkmalpflege in Westfalen entwickelte das Konservierungskonzept
und beriet die Restauratorin Monika Voss-Raker aus Werl bei der
Restaurierung. Dazu gehörte es, die lose Malschicht zu festigen,
die zum Teil sehr hartnäckige Verschmutzung des Altares zu
entfernen und bereits abgeplatzte Farbstellen zu ergänzen.
Hintergrund: Als westfälische Antwort auf den Kunstimport aus
Antwerpen ist der Schwefer Altaraufsatz auch kunsthistorisch von
besonderem Interesse. In einer vermutlich sauerländischen
Bildschnitzerwerkstatt hergestellt, lehnt er sich stark an den
formalen Aufbau und die Gestaltungselemente der Antwerpener
Schnitzaltäre an, die um 1520 in ganz Europa in Mode waren. Auch
in Westfalen haben sich Exemplare unter anderem in Dortmund,
Schwerte (Kreis Unna) und Soest erhalten. "Die fremden Impulse
sind in Schwefe unverkennbar, werden aber in einer einfacheren,
ungekünstelten, mitunter auch derben Bildsprache vorgetragen. Im
Kreise der anderen Altäre aus dieser Werkstatt in Deilinghofen,
Werdohl und Herscheid (heute im Burgmuseum Altena) ist der
Schwefer Altar nicht nur der größte, sondern auch der am
ursprünglichsten erhaltene. Durch die sorgfältige jüngste
Konservierung bleibt gerade dieses Qualitätsmerkmal des Altars
für die Zukunft bewahrt", betont Strohmann die Besonderheit des
Altaraufsatzes aus Schwefe.