[WestG] [AKT] Komponistinnen im 19. Jahrhundert, Witten-Bommern, 16.10.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 7 11:38:08 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 07.10.2008, 10:34
AKTUELL
Komponistinnen im 19. Jahrhundert
"Salon" mit Musikbeispielen auf Zeche Nachtigall
Im frühen 19. Jahrhundert bahnte sich im aufstrebenden Bürgertum
eine musikalische Strömung an, die sich lange Zeit halten sollte
und angefeindet wurde wie nie: die Salonmusik. Am Donnerstag,
16. Oktober von 18 bis 20 Uhr stellt Dr. Annette Brunsing im
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall das musikalische Schaffen
von Frauen in der Zeit von Annette von Droste-Hülshoff vor. Der
Vortrag gehört zur Veranstaltungsreihe "Salon Frauenbilder" im
Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts war keineswegs erfreut,
dass Frauen, deren Glück das Wohlergehen von Ehemann und Kindern
war, sich plötzlich profilierten, emanzipierten und etablieren
wollten. Wie immer man diesen musikalischen Zweig der Salonmusik
sehen will, einen Vorteil hatte er: Auf dem sonntäglichen Podium
konnten sich die vorwiegend weiblichen Künstler erstmals einem
Publikum stellen.
Hier wurden die ersten Kompositionen von Frauen aufgeführt. Als
Sängerin hatte eine Frau keine Probleme, Karriere zu machen. Das
klassische Repertoire machte Frauenstimmen in allen Bereichen -
Oper, Oratorium, Kantate, Lied - erforderlich. Aber die
Komposition war und blieb noch lange Männerdomäne. Daher fanden
die Aufführungen oft unter männlichem Pseudonym oder dem Namen
des Bruders statt, wie die ersten Lieder von Fanny Hensel, die
sich heute noch in der Sammlung der "Lieder für Gesang und
Klavier" ihres Bruders Felix Mendelssohn-Bartholdy finden.
Nur in seltenen Fällen gelang eine Karriere, wie das Beispiel
von Josephine Lang zeigt. Sieht man sich ihren Lebenslauf an und
denkt ihn sich ins 21. Jahrhundert, so stünde einer
Musikerlaufbahn nichts im Weg. Die Umgebung in der sie aufwuchs,
war ihrer Begabung zunächst sehr förderlich, denn beide Eltern
waren Musiker. Wegen ihrer "zarten Konstitution" wollte der
Vater sie an ihrer Musikerkarriere jedoch hindern. Trotzdem
debütierte sie bereits mit neun Jahren öffentlich als Pianistin
und begann bald mit der Komposition von Liedern.
Am Beispiel von Musikerinnen und ihrer Musik wie Fanny Hensel,
Clara Wieck, Cécile Chaminade und der Westfälin Annette von
Droste-Hülshoff werden Schicksale von Komponistinnen erzählt,
die mit Mut und Fleiß den Weg für die Musikerinnen der Gegenwart
so gebahnt haben, dass diese heute mit Selbstverständnis und
großer Akzeptanz ihre Werke publizieren können und sie zum Teil
selbst dirigierend ihrem Publikum nahe bringen.
Vorgestellt werden die Komponistinnen von Dr. Annette Brunsing,
die in Münster und Mainz die Fächer Musik, Vergleichende
Literaturwissenschaft und Publizistik studierte, sich
gleichzeitig als Sängerin ausbilden ließ und freiberuflich als
Sopranistin tätig war. Seit 1989 ist sie Dozentin an der
Universität Kiel, wo sie 1994 promovierte und ist seit 2000
ebenfalls Lehrkraft an der Universität Flensburg.
Salon "Frauenbilder"
Die Veranstaltungsreihe des LWL-Industriemuseums Zeche
Nachtigall ist ein spezielles Angebot insbesondere - aber nicht
ausschließlich - für Besucherinnen. Vorgestellt werden Frauen
des Industriezeitalters. In der Atmosphäre eines Café-Salons
werden Kurzvorträge, Lesungen, Bilder, Literatur - oder auch
Kochrezepte - angeboten. Das Gehörte und Gesehene soll
Anregungen für einen entspannten Gedanken- und
Informationsaustausch bieten. Getränke und Gebäck runden das
Erlebnis ab. Eine Anmeldung zu der Veranstaltung ist nicht
erforderlich. Der Eintritt ist frei.
INFO
LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Tel.: 02302 93664-0
Fax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org