[WestG] [AKT] LWL kuert das Grabdenkmal fuer die Opfer der Schlagwetterexplosion auf der Zeche Radbod in Hamm-Bockum-Hoevel zum Denkmal des Monats

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Nov 17 10:51:25 CET 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.11.2008, 11:02


AKTUELL

LWL kürt das Grabdenkmal für die Opfer der Schlagwetterexplosion
auf der Zeche Radbod in Hamm-Bockum-Hövel zum Denkmal des Monats

"Glück auf" heißt auch "Komm gut zurück nach oben!" Dieses Glück 
war nicht allen Bergleuten beschieden. Von Grubenunglücken zeugt 
ein großes Denkmal in Hamm (Ermelingstr./Fritz von Twickel Weg). 
Trauernde wenden sich dort einem hohen Kreuz zu, auf dem zu 
lesen ist: "Dem Andenken der auf Zeche Radbod am 12.11.1908 
verunglückten Bergleute. Gewidmet von der Bergwerksgesellschaft 
Trier." Zum Andenken an den 100. Jahrestag der Katastrophe kürt 
der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Grabdenkmal zum 
Denkmal des Monats.

"Dieses Ehrenmal für das Grubenunglück in Hamm ist eines von 
vielen Erinnerungen an die Gefahren, denen sich der Bergmann bis 
heute aussetzen muss. Es erinnert an die Toten. Das Denkmal 
veranschaulicht aber auch die Geschichte unseres Sozialstaates: 
Es war die Solidarität der Benachteiligten und es war ein 
handlungsfähiger Staat, die nach und nach zur heutigen 
Sicherheit am Arbeitsplatz und im Sozialen führten", erklärt 
LWL-Denkmalpfleger Dr. Hans Hanke die Bedeutung des Denkmals.

Vor 100 Jahren kam es auf der Zeche Radbod zu einer der 
folgenschwersten Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen im 
deutschen Steinkohlenbergbau.

Das Unglück ereignete sich am 12. November 1908 um 4.20 Uhr. Von 
400 angefahrenen Bergleuten konnten nur 35 tot und 36 verletzt 
geborgen werden. Unglücksursache war die Entzündung des unter 
Tage häufig austretenden Methangases an einer benzinbetriebenen 
Grubenlampe. Anschließend brachen im Bergwerk verheerende Brände 
aus. Um die zu löschen, wusste man sich nicht anders zu helfen, 
als die Schächte mit dem Wasser des Flusses Lippe vollständig zu 
fluten. Es wurde später diskutiert, ob die Flutung nicht zu früh 
kam und eher auf die Erhaltung der Betriebsanlagen als auf die 
Rettung der Bergleute ausgerichtet war.

Das Unglück löste eine politische Diskussion über 
Arbeiterschutzmaßnahmen und Aufsichtspflichten aus. Es wurde ein 
Arbeitsschutzgesetz gefordert. Zur Unterstützung dieser 
Forderung streikten Arbeiter in vielen Orten. Als eine 
Konsequenz des Unglücks wurden im Deutschen Reich alle offenen 
Grubenlampen abgeschafft und durch neuartige elektrische 
Sicherheitslampen ersetzt. Man begann damit auf der Zeche 
Radbod.

Am Gedenkort in Hamm thematisiert die Skulptur einer jungen 
Witwe mit ihrer halbwüchsigen Tochter die Verzweiflung der 
Hinterbliebenen. Ihnen gegenüber trauert ein kniender Knappe um 
seine toten Kameraden, er stützt sich auf seine Hacke. Er hält 
eine Grubenlampe, die die Kundigen auf Segen und Fluch der 
Bergbautechnik deutlich hinweist.

Die Figuren aus Bronze knien oder sitzen auf zwei hohen 
Postamenten aus Dolomit-Gestein. Die Namen sind aktuell erneuert 
worden, denn die alten Schriften waren verwittert. Vor den 
Tafeln bieten steinerne Bänke Gelegenheit zur Besinnung. Das 
Denkmal schuf der Bildhauer Ernst Müller-Braunschweig (1860-1928)
. Er hatte durch Werke in Bremen, Magdeburg, Braunschweig und 
Worms auf sich aufmerksam gemacht.