[WestG] [AUS] Plattdeutsch macht Geschichte, Muenster, 08.11.2008-08.02.2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Nov 11 11:02:49 CET 2008


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 07.11.2008, 11:56


AUSSTELLUNG

Plattdeutsch macht Geschichte
Ausstellung im Stadtmuseum Münster zeichnet Wandel der 
niederdeutschen Sprache nach /

Wertvolle Leihgaben aus bundesdeutschen Archiven von der "Kölner 
Bibel" bis zum "Walther-Fragment

Sie prägt Münster und das Münsterland: Die niederdeutsche 
Sprache - im alltäglichen Gebrauch heute nahezu verschwunden - 
ist wichtiger Teil der regionalen Identität. Das Stadtmuseum 
Münster zeichnet in Kooperation mit der Niederdeutschen 
Abteilung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster 
erstmals für eine Region in Deutschland die bewegte Geschichte 
der niederdeutschen Schriftlichkeit im Wandel der Jahrhunderte 
nach. Für diese anschauliche Zeitreise in Wort und Ton von 
ersten Überlieferungen um 800 bis hin zu den "plattdeutschen 
Spuren" im Münster der Gegenwart kehrten kostbare Leihgaben und 
Raritäten aus bundesdeutschen Archiven in ihr Entstehungsgebiet 
zurück.

Der Ausstellungstitel greift in zweifachem Sinn. "Ohne Kenntnis 
des Niederdeutschen kann die Geschichte dieser Stadt nicht 
geschrieben werden", betont Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé. 
"Bis weit ins 17. Jahrhundert hinein sind die Quellen in dieser 
Sprache abgefasst". Gezeigt wird so nicht allein der Weg, den 
die geschriebene Sprache nahm, sondern Plattdeutsch macht hier 
buchstäblich Geschichte. Kooperationspartner der Ausstellung ist 
neben der Universität Münster auch die Augustin 
Wibbelt-Gesellschaft e.V.

Niederdeutsche Grammatik für Latein

Die Ausstellung präsentiert bedeutende Originalzeugnisse, 
darunter Handschriften und Drucke aus Archiven und Bibliotheken 
in Berlin, Hamburg und Göttingen. Predigten und Rechnungen, 
Grammatikbücher für Latein, Noten und Rezeptbücher markieren 
markante Etappen des Sprachwandels - vom Altsächsischen (bis 
1150/1200) über das Mittelniederdeutsche (bis 1600/1650) bis zur 
plattdeutschen Sprache der Gegenwart.

Mit der altsächsischen "Freckenhorster Heberolle" 
(Abgabenregister) aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts 
sieht der Ausstellungsbesucher die älteste Überlieferung des 
Niederdeutschen im Münsterland. "Eine bischöfliche Urkunde von 
1320 ist das älteste mittelniederdeutsche Dokument aus Münster 
selbst", erläutert Dr. Friedel Roolfs vom Germanistischen 
Institut, Abteilung Niederdeutsche Sprache und Literatur. Mit 
der Leihgabe der "Kölner Bibel" (um 1478/79) ist dem Museum ein 
besonderer Coup gelungen. Die ins Niederdeutsche übersetzte 
Bibel mit Glossen (Erklärung schwieriger Wörter) besticht durch 
ihre reichhaltige Ausstattung mit über 100 feinsten 
Holzschnitten.

Kostbare Schätze

Einen ebenso kostbaren Schatz stellt die "Steinfurter 
Maerlant-Handschrift" dar. Der Kodex aus dem 15. Jahrhundert aus 
der Schlossbibliothek des Fürsten zu Bentheim überliefert Texte 
prominenter niederländischer Dichter des Mittelalters. Noch 
älter ist das "Münsterische Walther-Fragment". Die 
Liederhandschrift datiert aus der ersten Hälfte des 14. 
Jahrhunderts. Sie bietet als einzige Überlieferung Originalnoten 
zu einigen Liedern des Dichters und Minnesängers Walther von der 
Vogelweide, darunter das berühmte "Palästinalied".

Spottgedicht

Das letzte gedruckte Buch in mittelniederdeutscher 
Schreibsprache ist ein Lektionar aus dem Jahre 1706. Es diente 
für Andacht und religiöse Unterweisung. Ende des 18. 
Jahrhunderts ist der Beginn der Mundartliteratur anzusetzen: 
Gezeigt wird mit einem Spottgedicht auf Franz Freiherr von 
Fürstenberg von 1780/82 der früheste Text in münsterländischer 
Mundart. Der rote Ausstellungsfaden spinnt sich bis in die 
Gegenwart, nicht zuletzt mit Beispielen zur Renaissance der 
plattdeutschen Literatur und Hinweisen auf die niederdeutsche 
Bühne in Münster.

Hörstationen und Leseecke

Besucher können selbst aktiv werden. Vier Audiostationen geben 
Hörproben zum Wandel des Niederdeutschen. Ein gut bestückter 
Literaturbereich lädt zum Stöbern und Lesen ein. Eigens 
anfertigen lassen hat das Stadtmuseum zwei Faksimiles - hier 
darf ausdrücklich angefasst und geblättert werden. Ob Bült oder 
Gruetgasse, Drubbel oder Katthagen - plattdeutsche Spuren im 
heutigen Münster lassen sich in einer Inszenierung der 
Straßennamen verfolgen.

Die Kenntnis des Plattdeutschen geht zwar stetig zurück. Dr. 
Barbara Rommé: "Das heißt aber nicht, dass man das kulturelle 
Erbe der niederdeutschen Sprache vergessen darf".


INFO

"Plattdeutsch macht Geschichte"
8. November 2008 bis 8. Februar 2009

Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28

dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, 
samstags/sonntags 11 bis 18 Uhr; 

Eintritt frei

Begleitbuch (19,80 Euro)