[WestG] [AKT] Sanierung der Geblaesehalle fuer 2, 9 Mio. Euro kann beginnen: LWL plant Stahlausstellung in historischer Kraftzentrale der Henrichshuette

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Nov 7 10:36:02 CET 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 05.11.2008, 15:04


AKTUELL

Sanierung der Gebläsehalle für 2,9 Mio. Euro kann beginnen
LWL plant Stahlausstellung in historischer Kraftzentrale der 
Henrichshütte

Die Sanierung der historischen Gebläsehalle im 
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen kann starten. Die 
Bezirksregierung Arnsberg gab dem Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) jetzt grünes Licht für die 2,9 Millionen 
Euro teure Baumaßname. "Die Henrichshütte hat das Potential, 
d a s Museum für Eisen und Stahl in Deutschland zu werden. Mit 
der Sanierung der Halle kommen wir diesem Ziel ein großes Stück 
näher", sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch am Mittwoch 
(5.11.) bei der Vorstellung der Pläne in Hattingen.

In der historischen Kraftzentrale der Hütte will das Museum nach 
der Sanierung die Dauerstellung zum Thema Stahl einrichten - 
dafür fehlte bisher der Ort. Hattingens Bürgermeisterin Dr. 
Dagmar Goch sieht in der Sanierung eine wichtige Investition: 
"Das LWL-Industriemuseum ist ein Leuchtturm für Hattingen. Nach 
Fertigstellung der Gebläsehalle wird er noch stärker über die 
Grenzen der Stadt hinaus strahlen. Dazu wird hier am 
authentischen Ort ein wichtiger Teil unserer Geschichte, die 
über 150 Jahre lang von Eisen und Stahl geprägt war, wieder 
lebendig."

Das Land Nordrhein-Westfalen hat 80 Prozent Förderung für die 
Sanierung in Aussicht gestellt. Mit dieser Finanzspritze will 
der LWL das über 110 Jahre alte Baudenkmal in den kommenden 
Jahren für den Museumsbetrieb "fit" machen. Eine komplett neue 
Elektroinstallation und ein Aufzug werden eingebaut, das Dach 
und andere Bereiche werden statisch verstärkt. Oberlichtband und 
Glasflächen werden behutsam saniert, Fehlstellen in Böden und 
Mauerwerk ergänzt. "Das Baudenkmal selbst ist unser wichtigstes 
Exponat, deshalb sind wir bemüht, möglichst schonend vorzugehen 
und die Atmosphäre zu erhalten", erklärte Museumsdirektor Dirk 
Zache.

Nach Fertigstellung der Sanierung, die für das Jahr 2010 
anvisiert ist, will das LWL-Industriemuseum in der 2.500 
Quadratmeter großen Gebläsehalle die Dauerausstellung zum Thema 
Stahlerzeugung präsentieren sowie dringend benötigten Raum für 
Wechselausstellungen gewinnen. "Das sind die zentralen 
Ergänzungen für unser Museum", so Museumsdirektor Zache. Bereits 
in den 1990er Jahren ließ der LWL in der leerstehenden Halle 
einige Großmaschinen und Aggregate installieren, die von der 
historischen Funktion der ehemaligen Energiezentrale zeugen. Zu 
den gewichtigen Exponaten zählt eine 500 Tonnen schwere 
Großgasmaschine - eine der letzten ihrer Art in Deutschland. Sie 
wurde 1993 aus der Georgsmarienhütte bei Osnabrück geholt. Um 
die Weiterverarbeitung von Eisen und Stahl demonstrieren zu 
können, installierte das LWL-Industriemuseum außerdem ein 
Dampfhammer-Ensemble aus Engelskirchen und das Mittelgerüst 
eines Walzwerkes aus Duisburg-Hochfeld.

Historisches
Die 1854 gegründete Henrichshütte zählt zu den ältesten 
Hüttenwerken des Reviers. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten in 
den verschiedenen Betrieben zur Eisen- und Stahlherstellung 
sowie Walz- und Schmiedebetrieben. In 133 Jahren erlebte die 
Henrichshütte den Aufstieg, die Blüte und den Niedergang der 
Eisen- und Stahlindustrie im Revier. Gegen den erbitterten 
Widerstand der Region wurde am 18.12.1987 der letzte Hochofen 
ausgeblasen. 1989 übernahm der LWL das Hüttenwerk an der Ruhr 
als letzten von insgesamt acht Standorten in sein Landesmuseum 
für Industriekultur. Den östlichen Teil der Gebläsehalle baute 
der LWL mit Mitteln des Landes zum Veranstaltungsort aus. Seit 
2004 finden hier Konzerte, Märkte und Firmenveranstaltungen mit 
bis zu 2.000 Gästen statt.

Im westlichen Teil der Gebläsehalle schlug einst das Herz der 
Hütte. Hier thronten die gewaltigen Großgasmaschinen. Elf dieser 
Giganten waren zu Hochzeiten im Einsatz, um auf der Basis von 
Hochofengas Strom und Wind zu erzeugen. Bis in die 1960er Jahre 
hinein deckten sie einen Großteil der Energieversorgung ab. Weil 
die Dinosaurier der Kraftwirtschaft mit den gestiegenen 
Leistungsanforderungen im Bereich der Hüttentechnologie nicht 
mehr Schritt halten konnten, wurde die Stromversorgung ab 1962 
neu organisiert. Lediglich die Winderzeugung für die Hochöfen 
erfolgte noch bis Ende der 1970er Jahre mit Hilfe der 
Großgasmaschinen. Dann reichten auch hierfür die Kapazitäten 
nicht mehr aus, und die Henrichshütte stellte vollständig auf 
Turbinen um. Zwischen 1979 und Mitte der 1980er Jahre ließ der 
Betrieb die Maschinen nach und nach verschrotten. Die Halle 
diente bis zur Stilllegung als Lager und 
Lok-Reparaturwerkstatt.